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Nordic-Walking

In den 0er-Jahren
haben die finnischen Langläufer*innen ein Sommertraining abseits des Schnees mit Stöcken etabliert.
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entwickelte der finnische Sportwissenschaftler Marko Kantaneva das Nordic Walken als Breitensportkonzept sowie die ersten Nordic Walking Stöcke.
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der Deutschen betreiben Nordic Walking als regelmäßige Freizeitaktivität.
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-Jährige sind beim Nordic Walking am häufigsten vertreten.
Knapp 0 Mio.
Menschen der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahren gehen mehrmals wöchentlich walken.
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höher ist der Energieumsatz beim Nordic Walken im Vergleich zum Gehen ohne Stöcke.

Nordic Walking ist eine Variante des Walkens und beschreibt eine Ausdauersportart, welche durch zügiges Gehen mit Unterstützung von zwei Stöcken charakterisiert ist (1). Die Sportart trainiert den gesamten Körper, ist gelenkschonend und eignet sich für alle Altersklassen und Fitnesslevels, sowohl in der Prävention als auch in der Therapie (1, 2). Die Ausübung der Sportart ist ähnlich der des Skilanglaufs. Während des zügigen Gehens schwingen die Arme diagonal entgegengesetzt mit. In jeder Hand befindet sich ein spezieller Nordic-Walking-Stock, welcher nah am Körper mitschwingt. In der Vorwärtsbewegung umfasst die Hand den Griff, um beim Einstechen in den Boden Druck ausüben zu können. Damit wird im Gegensatz zum Walken ohne Stöcke zusätzlich die obere Körpermuskulatur aktiviert.

Nordic Walking ist eine Ganzjahressportart, welche überall, ob in Stadt oder Natur, ausgeübt werden kann. Durch den geringen Aufwand und den kommunikativen Charakter erfreut sich diese sanfte Ausdauersportart besonders in Gruppen großer Beliebtheit. Etwa 25 % der Deutschen betreiben Nordic Walking als regelmäßige Freizeitaktivität (3). Darunter sind 50- bis 59-Jährige am häufigsten vertreten (4).

(1) Tschentscher, M., Niederseer, D., Niebauer, J. (2013). Health Benefits of Nordic Walking. A Systematic Review. American Journal of Preventive Medecine, 44 (1), 76–84.

(2) Rist, H. J., Kälin, X., Hofer, A. (2004). Nordic Walking – ein sportmedizinisches Konzept in Prävention und Rehabilitation. Sportorthopädie, Sporttraumatologie, 20, 247–250.

(3) Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi). (Hrsg.). (2010). Forschungsbericht: Grundlagenuntersuchung Freizeit- und Urlaubsmarkt Wandern – Langfassung, Zugriff am 22.10.2019 unter: http://www.wanderverband.de/conpresso/_data/Forschungsbericht_web.pdf

(4) Statista. (2018). Anzahl der Personen in Deutschland, die in der Freizeit (häufig oder ab und zu) Walking betreiben, nach Alter im Jahr 2018 (in Millionen). Zugriff am 22.10.2019 unter: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/272540/umfrage/walking-in-deutschland-nach-alter/ 

Nordic Walking wird bevorzugt im naturnahen Umfeld ausgeübt. Jedoch sind Natur und Landschaft nicht unendlich belastbar. Daher gilt es einige Verhaltensregeln bei der Ausübung zu beachten (5):

Planung und Anreise:

  • Informiere dich über Natur und Kultur des Tourengebiets.
  • Plane nach Möglichkeit mehrtägige Aufenthalte statt Tagestouren.
  • Nutze das örtliche Angebot an Gastronomie und Infrastruktur.
  • Beachte bei der Tourenplanung und -auswahl Regelungen in bestehenden Wild- und Naturschutzgebieten.
  • Reise umweltschonend an (ÖPNV, Fahrgemeinschaften, Fahrrad).
  • Nutze ausgewiesene Parkplätze und blockiere keine Zufahrten etc.
  • Verzichte auf den Einsatz motorisierter Hilfsmittel (bspw. Motorschlitten).

Unterwegs auf Tour:

  • Informiere dich über die Lebensräume und die Lebensarten des Wildes, weiche diesen nach Möglichkeit aus. Bleibe bei einem zufälligen Zusammentreffen ruhig stehen und bewege dich nur langsam vom Wild weg.
  • Nutze Wege und Infrastruktur. Querfeldein sollte nicht gelaufen werden, auch nicht im Wald.
  • Umgehe Wildfütterung und Jagdstände.
  • Wähle Rast- und Biwakplätze abseits von gehäuften Tierspuren und Wildruheplätzen, die oft in dichteren Waldbereichen bzw. an geschützten Sonnenhängen liegen.
  • Denke an die richtige Zeitplanung. Vermeide die Dämmerungszeiten, gerade dann braucht das Wild Ruhe. Sogenannte „Mondscheintouren“ können sehr problematisch für das Wild sein.
  • Durchquere Waldgebiete auf Forststraßen oder üblichen Routen, die ausgezeichnet sind. Vermeide Touren im Bereich der Waldgrenze oder in dichteren Wäldern, insbesondere durch Aufforstungen und Jungwuchs.
  • Lass deinen Hund im Wald nicht frei laufen.
  • Genieße die Ruhe, störe sie nicht durch Lärm. Nimm dir Zeit für die Beobachtung der Natur.
  • Beachte Hinweistafeln und Markierungen.

Nach der Tour:

  • Gib dein Wissen weiter. Denke an deine Rolle als Multiplikator.
  • Sei Anwalt für die Natur.
  • Engagiere dich für ein dauerhaftes Vergnügen mit Nordic Walking, Schneeschuhen und Co.

(5) Luthe, T., Roth, R. (2008). Interaktionen des Nordic Walkers mit der Natur. In A. Wörle (Hrsg.), Nordic Walking (S. 171–172). Planegg: Deutscher Skiverband e.V.

Nordic Walking hat sich seit den 90er-Jahren zu einer beliebten Freizeitaktivität entwickelt. Aktuelle Zahlen der Verbrauchs- und Medienanalyse zeigen, dass im Jahr 2017 0,91 Mio. Deutsche über 14 Jahre mehrmals wöchentlich (Nordic) Walking in der Freizeit betrieben haben. Insgesamt sind im Jahr 2017 ca. 14 % der Bevölkerung (Nordic) Walken gegangen (6). Es bestehen keine entsprechend aktuellen Angaben, wie viele Personen in Verbänden organisiert sind. Ein Forschungsprojekt des Bundesinsitut für Sportwissenschaft (BISp) und des Bundesministerium des Innern (BMI) stellte für das Jahr 2010 heraus, dass 9,9 % der Aktiven im Verein organisiert sind (7).

Die Organisation des Nordic Walking ist vielschichtig. Das Deutsche Walking Institut e.V. (DWI) ist die erste und einzige wissenschaftlich fundiert arbeitende Institution im Bereich Nordic Walking. Ihre Aufgabenbereiche umfassen Forschung, Lehre, Aufklärung und Produkttests (7). Darüber hinaus bestehen viele weitere nationale und internationale Organisationen, die sich der Weiterentwicklung und -verbreitung des Nordic Walking zuwenden. Im Folgenden ist eine Auswahl von Organisationen aufgeführt:

Internationale Verbände

  • INFO – International Nordic Fitness Organisation
  • INWA – International Nordic Walking Association

Nationale Verbände

  • VDNOWAS – Verband der Nordic Walking Schulen
  • DNV – Deutscher Nordic Walking und Präventionsverband e.V.
  • DSV – Deutscher Skiverband
  • DWI – Deutsches Walking Institut

(6) Statista. (2018). Bevölkerung in Deutschland nach Häufigkeit von Walken bzw. Nordic Walking in der Freizeit von 2014 bis 2017 (Personen in Millionen). Zugriff am 22.10.2019 unter: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/172188/umfrage/haeufigkeit-walken-oder-nordic-walking-in-der-freizeit/ 

(7) Preuß, H., Alpfs, C., Ahlert, G. (2012). Wirtschaftliche Bedeutung des Sportkonsums in Deutschland – Executive Summary. Zugriff am 22.10.2019 unter: https://www.sport.uni-mainz.de/Preuss/Download%20public/projekte/Sportkonsum%20Deutschland/120709_Wirtschaftliche_Bedeutung...pdf 

(7) Deutsches Walking Institut e.V. (o.J.). DWI e. V. Zugriff am 22.10.2019 unter: http://www.sport.kit.edu/walking/468.php

Allgemein wird durch § 14 Abs. 1 des BWaldG geregelt, dass die Betretung des Waldes zum Zwecke der Erholung gestattet ist, jedoch auf eigene Gefahr, besonders in Bezug auf die waldtypischen Gefahren, erfolgt. Zu waldtypischen Gefahren zählen unter anderem abbrechende Äste, umstürzende Bäume, Schlaglöcher, hervorstehende Steine auf Feld- und Waldwegen, Steinschlag, Glatteis, Schneeverwehungen und Lawinen. Der § 59 Abs. 1 BNatSchG schließt zudem das Recht ein, die „freie Landschaftauf Straßen und Wegen, sowie auf ungenutzten Grundflächen zum Zweck der Erholung" betreten zu dürfen. Zum Betreten wird unter anderem Spazierengehen, Wandern und Nordic Walking gezählt. Jedoch ist hier anzumerken, dass das Übernachten in der freien Landschaft nicht mehr im Betretungsrecht inbegriffen ist und je nach Ländern bzw. Bundesländern andere Regelungen bestehen. Weiterführend umfasst der Begriff der freien Landschaft auch Waldflächen. Auch darf der Wald außerhalb der Wege gemäß der Landeswaldgesetze in Verbindung mit dem BWaldG betreten werden. Insgesamt ist das Betretungsrecht jedoch gemäß des § 59 Abs.1 BNatSchg auf den Erholungszweck beschränkt. Eine Ausweitung diesbezüglich findet sich im Rahmen des § 7 Abs. 1 Nr. 3 BNatSchg wieder, der besagt, dass ebenfalls die „natur- und landschaftsverträgliche sportliche Betätigung in der freien Landschaft gestattet ist, soweit dadurch die sonstigen Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege nicht beeinträchtigt werden“.

Insgesamt muss jedoch darauf geachtet werden, dass Beschränkungen des Betretungsrechts in der freien Landschaft von Landesnaturschutzgesetzen, Verordnungen, Satzungen und Einzelanordnungen jederzeit vorkommen können. Um Konflikte zu vermeiden, sollten hier am besten die Hinweis- und Wegeschilder auf den Wanderwegen befolgt werden.

(8) Deutscher Wanderverband (Hrsg.). (2015). Infosammlung Natursport. Allgemeine und rechtliche Aspekte für die Ausübung von Natursportarten und die Herstellung begleitender Infrastruktur (1. Auflage).

Die Natursportart Nordic Walken ist nicht anlagengebunden, benötigt also keine Infrastruktur hinsichtlich Liften oder Aufstiegshilfen. Sie kann prinzipiell in jedem Naturraum ausgeübt werden, welcher den Sportlern*innen zusagt. Ideal sind befestigte Wege und Pfade. Auf Asphalt werden Gummipads auf die Stockspitzen gesetzt, um einerseits Lärm zu vermeiden und andererseits den physiologischen Impact auf den Körper zu reduzieren.

Die Streckenauswahl sollte sich an einem ausgewiesenen Streckennetz orientieren. Das DSV nordic aktiv Strecken- und Lenkungskonzept wurde vom Umweltbeirat des DSV gemeinsam mit der Deutschen Sporthochschule Köln entwickelt. Sportliche, umweltbezogene, touristische und sicherheitsbezogene Aspekte spielen hier gleichermaßen eine Rolle. Die Streckenbeschilderung orientiert sich nach den international normierten Schwierigkeitsgraden blau (leicht), rot (mittel) und schwarz (schwierig). Die Umweltkriterien umfassen folgende Aspekte:

  • Konfliktminimierung zwischen Interessengruppen und integrale Planung;
  • Minimierung des visuellen Impacts von Infrastruktur;
  • Beachtung des Störraums bei der Wegekonzeption;
  • Aussparung von Naturschutzgebieten, Natura 2000 Gebieten, FFH- und Vogelschutzgebieten;
  • Konfliktanalyse (in Abhängigkeit des jeweiligen Schutzziels);
  • Einbezug bestehender Lenkungskonzepte/Raumplanungskonzepte (z.B. Mehrfachnutzung);
  • Zugangsmöglichkeiten mit dem ÖPNV;
  • Nach ökologischen Kriterien gebaute Funktionshäuser und Loipenhäuser;
  • Bei Nutzung dieser Strecken entstehen keine negativen Auswirkungen auf die Natur. Dies gilt insbesondere für Gruppen und Kurse (9).

(9) Luthe, T., Roth, R. (2008). Interaktionen des Nordic Walkers mit der Natur. In A. Wörle (Hrsg.), Nordic Walking (S. 168–171). Planegg: Deutscher Skiverband e.V.

Die Sportart Nordic Walken wird, genauso wie die anderen nordischen Bewegungsformen, als sanft bezeichnet. Dies resultiert aus dem Umstand, dass sie nicht anlagengebunden ist und keine Infrastruktur hinsichtlich Liften, Aufstiegshilfen oder Planierung von Pisten benötigt. Dennoch kann eine erhöhte Umweltbelastung durch schlecht geplante Strecken, mangelhafte Besucherlenkung und Beschilderung auftreten. Außerdem beeinträchtigt Nordic Walken den Naturraum durch Störungen aufgrund von falschem bzw. verbotenem Verhalten oder Überbeanspruchung. Die Gruppengröße, das Gruppenverhalten und die Häufigkeit des Auftretens sind neben der Wahl eines zertifizierten Streckennetzes also entscheidende Variablen zum Schutz von Natur, Pflanzen und Tieren.

Nordic Walker bewegen sich je nach Höhenlage in den Lebensräumen unterschiedlicher Wildtiere. In Bergwald, dichtem Wald, an Waldrändern und in lichtem Wald im Bereich der Kammlagen von Mittelgebirgen und der Waldgrenze im Hochgebirge sind Tiere besonders empfindlich. Störungen des Schalenwilds können negative Auswirkungen auf die Stabilität von Ökosystemen haben, wenn z.B. das Rotwild in Bergwälder zurückgedrängt wird und dort Baumrinden und -knospen beschädigt. Zum Schalenwild gehören u.a. Rotwild, Rehwild, Gämsen, Steinböcke und Wildschweine. Auerwild und Birkwild gehören zu den Raufußhuhnarten und sind beide vom Aussterben bedroht. Das Auerwild reagiert auf Störungen rasch mit dem Einstellen der Nahrungsaufnahme. Brut-, Aufzucht- und Balzplätze müssen ungestört sein und nahe beieinander liegen. Eine entsprechende Besucherlenkung durch ein sorgfältig geplantes Streckennetz und die Einhaltung dessen trägt zum Schutz der Tiere bei.

Die größten Konflikte zwischen Mensch und Natur enstehen im Winter. Für Flora und Fauna ist der Winter Ruhezeit, in der das Pflanzenwachstum zurückgefahren wird und die Tiere ihr Aktivitätslevel begrenzen müssen, um Energie zu sparen. Werden die Tiere in ihrer Winterruhe bzw. ihrem Winterschlaf gestört, verbrauchen sie wegen der niedrigen Temperaturen und teilweise hohen Schneelage mehr Energie als sie von dem begrenzten Nahrungsangebot bekommen: Rehe verbrauchen bis zu sechzigmal mehr als im Ruhebedarf, das Auerhuhn bis zu zwanzigmal so viel. Es ist also wichtig, darauf zu achten, die Tiere nicht unnötig zu stören.

Neben den Gefahren für Fauna treten auch Störungen für die Flora auf. Durch Überbeanspruchung, Abkürzungen oder Abschneidungen von Wegen können Wald- und Feldwege oberflächlich erodieren, was bei Starkregenfällen zu größeren Erosionen führen kann (10).

(10) Luthe, T., Roth, R. (2008). Interaktionen des Nordic Walkers mit der Natur. In A. Wörle (Hrsg.), Nordic Walking (S. 161–166). Planegg: Deutscher Skiverband e.V.

Der Wald stellt eine stark frequentierte Umgebung zum Ausführen diverser Sportarten dar. Durch die Frequentierung von Wegen bei der Ausübung von Nordic Walking kann Unruhe in Wald- und Wiesenbereiche gebracht werden, was verschiedene Konfliktpotenziale birgt. Anzuführen sind hier die erschwerte Jagd und auch Interessenkonflikte zwischen weiteren Nutzer*innen von Erholungsräumen (11).

Eine Studie aus dem Jahr 2008 zeigt, dass neben dem Konflikt mit der Jagd und dem Naturschutz auch Konflikte zwischen den verschiedenen Erholungs- und Sportaktivitäten bestehen. Eine weitere Studie in der Schweiz bestätigt diese Erkenntnis. Hier wird angegeben, dass sich 27 % der befragten Waldbesucher*innen bei der Walderholung gestört fühlten. Von 46 % der Personen, die sich gestört fühlten, wurden Radfahrer*innen als Störfaktor genannt (12).

Des Weiteren wird mancherorts das Klacken der Stöcke auf Asphalt als störend wahrgenommen. Abhilfe schaffen können hier neben der generellen Lärmvermeidung die Gummi-Pads auf den Stockspitzen (13).

(11) Mann, C. (2006). Konflikte in Erholungsgebieten – Ursachen, Wirkungen und Lösungsansätze. Remagen-Oberwinter: Verlag Dr. Kessel.

(12) Hunziker, M., Freuler, B., Von Lindern, E. (2011). Erholung im Wald: Erwartungen und Zufriedenheit, Verhalten und Konflikte. Zugriff am 22.10.2019 unter: https://www.researchgate.net/publication/267830810

(13) Luthe, T., Roth, R. (2008). Interaktionen des Nordic Walkers mit der Natur. In A. Wörle (Hrsg.), Nordic Walking (S. 168). Planegg: Deutscher Skiverband e.V.

Die Ursprünge der Sportart liegen in Finnland, wo die finnischen Langlauf-Athleten bereits in den 20er-Jahren ein Training abseits des Schnees etablierten, um auch im Sommer fit zu bleiben (14). Zunächst unter Skigang oder Stocklauf bekannt, wurde es fester Bestandteil des Sommertrainings. Aus der Mischung des Skilanglaufs und des sogenannten „Walking“ wurde folglich über die Jahre die Sportart „Sauvakävely“ (finnisch = Nordic Walking) geboren. 1992 kamen erste internationale Studien zum sogenannten Pole Walking (USA) bzw. Stick Walking (Europa) und dessen Ausdauereffekten, Trainingsreizen und psychologischen Effekten auf. Mitte der 90er-Jahre entwickelte der finnische Sportwissenschaftler Marko Kantaneva Nordic Walking erstmals zum Breitensportkonzept. Gemeinsam mit dem finnischen Sportausrüstungshersteller Exel erarbeitete und vermarktete er 1997 die ersten spezifischen Nordic Walking Stöcke. Daraufhin breitete sich die Sportart zunächst in Skandinavien und später auch in Deutschland, Europa, bis hin nach Japan und die USA als Fitness- und Gesundheitstrend aus (15).

Im Jahr 2000 wurde die International Nordic Walking Association (INWA) gegründet. Ihr Ziel ist die Verbreitung von Nordic Walking sowie dessen technische Weiterentwicklung und Beschreibung korrekter Technikregeln. Neben deren Mitgliederorganisationen aus verschiedenen Ländern bieten weitere, davon unabhängige Organisationen anerkannte Nordic-Walking-Ausbildungen an, um eine geeignete Technik zu vermitteln. In Deutschland hat der DSV dem Nordic Walking im Rahmen des nordic aktiv Konzepts einen hohen Stellenwert eingeräumt (14). In Finnland ist Nordic Walking die beliebteste Sportart und auch in Deutschland ist es inzwischen nicht mehr aus der Sportszene wegzudenken. Nordic Walking ist besonders für die Gesundheitsförderung in Prävention und Therapie sowie zum gemeinsamen, niedrigschwelligen Sporttreiben sehr beliebt. Aber auch die Etablierung bei Wettbewerben unterstreicht die Entwicklung von einer Trendsportart zu einer Volkssportart (16).

(14) Falkner, G. (2008). Geschichte des Nordic Walking. In A. Wörle (Hrsg.), Nordic Walking (S. 14–18). Planegg: Deutscher Skiverband e.V.

(15) Kantaneva, M. (2005). Nordic Walking – Das Original. Aachen: Meyer & Meyer Verlag.

(16) Wörle, A. (2008). Nordic Walking im DSV nordic aktiv Konzept. In A. Wörle (Hrsg.), Nordic Walking (S. 13). Planegg: Deutscher Skiverband e.V.

Als Ganzjahresaktivitäten bieten die nordischen Sportarten mit Stöcken viele Varianten. Sie unterscheiden sich erstens durch die Wahl der Fortbewegungsmittel, zweitens durch die Fortbewegungsgeschwindigkeit und drittens durch die An- oder Abwesenheit von Schnee. Im Frühling, Sommer und Herbst sind folgende Varianten zum Auspowern mit Stöcken möglich:

Nordic Hiking (Wandern mit Stöcken)
Die Zuhilfenahme von Stöcken beim Wandern gibt Sicherheit und Unterstützung bei anspruchsvolleren Passagen.

Nordic Jogging (Joggen mit Stöcken)
Nordic Jogging ist Nordic Walken unter Erhöhung der Laufgeschwindigkeit auf Jogging-Tempo. Der Einsatz von Stöcken beim Joggen aktiviert zusätzlich die obere Muskulatur. Zusätzlich können Gewichte in die Hand genommen werden (sog. Wogging).

Nordic Blading (Rollerbladen mit Stöcken)
Das Fortbewegungsmittel sind Inline-Skates und dementsprechend findet eine Geschwindigkeitserhöhung gegenüber dem Nordic Walking statt. Die weitere Ausrüstung umfasst Stöcke, Helm sowie Knie-, Ellbogen- und Handschützer. Die Fortbewegungsart ähnelt dem Skaten beim Skilanglauf. Beide Stöcke werden gleichzeitig eingesetzt, um Schwung für den Antrieb zu erhalten.

 

Für die schneeafinen Sportler*innen lässt sich die Nordic-Walking-Technik bei folgenden Varianten anwenden:

Nordic Winter Walking (Winterwandern)
Stöcke unterstützen das Wandern durch den Schnee.

Nordic Snowshoeing (Schneeschuhwandern)
Neben Stöcken dienen Schneeschuhe dem besseren Passieren beim Wandern durch den Schnee.

Nordic Skiing (Skilanglauf)
Das Fortbewegungsmittel sind dünne, leichte Langlaufski und es wird zwischen zwei grundlegenden Techniken unterschieden:

  1. Klassisch: Wie beim Nordic Walking bewegen sich Beine und Arme diagonal zueinander.
  2. Skaten: Die Fortbewegungsart ähnelt dem Nordic Blading. Beide Stöcke werden gleichzeitig eingesetzt, um Schwung für den Antrieb zu erhalten. Die Beine bewegen sich im Grätschschritt (17).

(17) Svensson, M. (2009). Nordic Walking. Champaign: Human Kinetics.

Regelmäßige sportliche Aktivität trägt zu einem gesunden Lebensstil bei. Dies ist oft Antrieb für viele Menschen, Sport zu treiben. Nordic Walking schließt die Intensitätslücke zwischen Walken und Laufen aufgrund einer erhöhten Fortbewegungsgeschwindigkeit und gleichzeitig gelenkschonender Ausübung. Als Gesundheitssport bietet Nordic Walking viele Vorteile. Sowohl gesunde als auch von chronischen Krankheiten wie Diabetes mellitus oder Übergewicht betroffene Personen profitieren von den positiven Effekten auf das kardiorespiratorische System. Im Vergleich zum Walken ohne Stöcke induziert regelmäßig ausgeübtes Nordic Walken u.a. verbesserte Effekte auf die Herzfrequenz, den Blutdruck, die Leistungsfähigkeit, den Energieumsatz, die maximale Sauerstoffaufnahmefähigkeit und die Lebensqualität. Zum Beispiel bewirkt Nordic Walking gegenüber dem Gehen ohne Stöcke einen 20 % höheren Energieumsatz bei gleicher Geschwindigkeit und individuellem Belastungsempfinden. Durch den zusätzlichen aktiven Einsatz des Oberkörpers und der Arme wird mehr Muskelmasse beansprucht und ein größerer Trainingseffekt erzielt. Nordic Walking dient also sowohl als Präventiv- als auch als Therapiemaßnahme. Die leicht zugängliche, einfache und sichere Ausübung der Sportart ermöglicht Fortgeschrittenen wie auch Einsteigern gleichermaßen schnelle Effekte für eine verbesserte Gesundheit (18, 19).

(18) Rist, H. J., Kälin, X., Hofer, A. (2004). Nordic Walking – ein sportmedizinisches Konzept in Prävention und Rehabilitation. Sportorthopädie, Sporttraumatologie, 20, 247–250.

(19) Tschentscher et al. (2013). Health Benefits of Nordic Walking. A Systemativ Review. American Journal of Preventive Medecine, 44 (1), 76–84.

Genauso wie beim Laufen sind keine besonderen körperlichen oder konditionellen Voraussetzungen nötig. Der Sport kann so gut wie überall ausgeübt werden und unterliegt keinen grundsätzlichen alters-, zeit- oder wetterabhängigen Voraussetzungen. Als Gesundheitssportart ist jeder Trainingszustand, fast alle Gewichtsklassen und nahezu jedes Alter für die Ausübung der Sportart berechtigt.

Der Materialaufwand ist im Gegensatz zu anderen Sportarten sehr gering. Man benötigt ein Paar Laufschuhe, die eine gute Dämpfung zur Gelenkschonung aufweisen sollten (vor allem, wenn häufig auf Asphalt gelaufen wird), sowie ein Paar Nordic Walking Stöcke, die individuell auf die eigene Körperlänge einzustellen sind. Dafür nennt das DWI folgende Faustregeln (20):

  • Körpergröße in cm x 0,65 = Stocklänge in Zentimetern
  • Aufrecht stehen. Den Stock, am Griff haltend, auf den Boden stellen. Wenn sich zwischen Unterarm und Oberarm ein 90°-Winkel bildet, einen Stock auswählen, der eine Einheit (in der Regel 5 cm) kürzer ist.
  • Es sollte sich mit der gewählten Stocklänge ein individuell harmonisches Gefühl bei richtiger technischer Ausführung ergeben.

(20) Mommert-Jauch, P. (2005). Nordic Walking. Kursmanual (4. Auflage 2013). Aachen: Meyer & Meyer Verlag.

Der Naturpark Lüneburger Heide ist der erste gegründete Naturpark und mit seinen 107.000 ha einer der größten seiner Art in Deutschland. Im Zentrum liegt das Naturschutzgebiet Lüneburger Heide mit der größten zusammenhängenden Heidefläche Mitteleuropas. Die vielfältige Kulturlandschaft im Naturpark umfasst Heidelandschaften, Moore, Wälder, Flüsse und Bäche und ist Lebensraum seltener Pflanzen und Tiere. Aufgrund dessen eignet er sich besonders gut zur Erholung für Aktivurlauber und Naturinteressierte.

Als einer der größten Nordic-Walking-Parks Deutschlands beherbergt er 41 DSV-zertifizierte Routen mit mehr als 380 km Streckennetz in allen Schwierigkeitsgraden. Die Nordic-Walking-Angebote des Naturparks stellen die Vermittlung und das Erleben der Natur in den Fokus. Die übergreifenden Konzepte für Tourismus und Freizeitaktivitäten zielen auf eine nachhaltige Entwicklung der Region ab, unter stetiger Berücksichtigung der Naturverträglichkeit. Naturerfahrungs- und Umweltbildungsangebote sollen die Akzeptanz von Naturschutzmaßnahmen fördern. Das Naturschutzgebiet im Zentrum der Lüneburger Heide ist zudem autofrei (21).

(21) Verein Naturparkregion Lüneburger Heide e.V. (Hrsg.). (2009). Nordic Walking im Naturpark Lüneburger Heide. Zugriff am 22.10.2019 unter: http://www.naturpark-lueneburger-heide.de/fileadmin/user_upload/_documents/NPLH_NordicW_Broschuere.pdf

Der Naturpark Südschwarzwald hat sich zum Ziel gesetzt, touristische Belange mit Naturschutzanliegen zu vereinbaren, um eine naturnahe und nachhaltige Tourismusausübung gewährleisten zu können. Zum Erreichen dieses Ziels liegt der Fokus auf dem qualitativen Ausbau der touristischen Infrastruktur. Die im Naturpark einheitlich ausgeschilderten Nordic-Walking-Strecken wurden in Abstimmung mit den Belangen von Naturschutz, Forstwirtschaft und Tourismus erarbeitet (22).

(22) Roth, R., Krämer, A., Schäfer, A. (2003). Nordic-Walking-Handbuch: Ein Leitfaden für Kommunen, Sportorganisationen und touristische Leistungsträger. (2. Aufl.).Feldberg:Naturpark Südschwarzwald.