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Snowboarden

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entstand durch Jake Burton (USA) das erste Snowboard bei dem man mit einer Bindung fest auf dem Board steht.
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Festschnee sollten laut DSV-Umweltregeln mindestens liegen, um Ski- oder Snowboarden zu gehen.
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der aktiven Bevölkerung in Deutschland fahren Snowboard.
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ist eine standortgerechte Wiederbegrünung kaum möglich.
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gründete sich der erste deutsche Snowboard Verband (Snowboard Germany).

Die folgenden Inhalte wurden in Zusammenarbeit mit dem DSV erstellt.

Hohes Tempo, starke Kurvenlagen und das Fahren auf der Kante (Carving) sind die typischen Merkmale beim Snowboarden, ganz gleich ob man mit dem linken (Regular) oder mit dem rechten (Goofy) Bein vorne steht. Durch Gewichtsverlagerung, Belastungsverteilung der Beine sowie bewusster Oberkörperrotation kann man sich talabwärts bewegen.
Gute Fitness und Gleichgewichtsgefühl sichern den Stand mit dem Snowboard auf dem Schnee. Grundlegende Techniken sind das Driften, Carven, und Führen. Driften bezeichnet dabei die Technik, die Kurven mit einem gewissen Rutschanteil zu fahren, sodass es zu einer Schneeverschiebung kommt. Das Führen beschreibt ein deutlicheres Aufkanten als beim Driften, jedoch immer noch mit einem Rutschanteil, sodass eine geringe Bremswirkung entsteht. Beim Carven dagegen werden die Kurven ohne Driften geschnitten und es wird ausschließlich auf der Kante des Snowboards gefahren, sodass eine dünne Spur im Schnee zurückbleibt und die Geschwindigkeit deutlich höher ist. Neben dem normalen Pistenfahren gibt es zahlreiche Varianten der Sportart. Besonders häufig sieht man Snowboarder*innen in sogenannten Funparks, die mit Hindernissen versehen sind, um Sprünge und Tricks zu ermöglichen.

(1) Kaffenberger et al. (2013). Snowboard. Praxiswissen vom Profi zu Ausrüstung, Technik und Sicherheit. München: Bruckmann Verlag GmbH.

Alle Wintersportler*innen sind aufgerufen, die Landschaft zu schonen sowie Lebensräume von Pflanzen und Tieren nicht zu gefährden, damit sie auch in Zukunft ihren Sport in einer weitgehend intakten Umwelt ausüben können.

Wintersportler*innen sind daher gebeten, die folgenden Hinweise zu beachten (2):

  • Schutz- und Schongebiete für Pflanzen und Tiere respektieren und meiden;
  • Lärm vermeiden;
  • Informationen über das ausgewählte Gebiet einholen;
  • Unterstützen von Wintersportorten, die sich um die Umwelt sorgen;
  • Wählen von umweltfreundlichen Verkehrsmitteln zur Hin- und Rückreise;
  • Bilden von Fahrgemeinschaften bei Hin- und Rückreise mit dem privaten Auto;
  • Das Auto am Wintersportort stehen lassen und den Skibus benutzen;
  • Nur bei ausreichender, geschlossener Schneedecke (ab ca. 20 cm Festschnee) Ski und Snowboard fahren;
  • An ausgewiesene Wege, Pisten und Loipen sowie übliche naturverträgliche Skirouten halten;
  • Beachten von Pistenmarkierungen und -sperrungen;
  • Verzichten auf das Tiefschneefahren in Waldgebieten;
  • Meiden von Waldrändern, Gehölzen, Dickichten, Aufforstungen und Jungwald, in die sich das Wild tagsüber zurückzieht;
  • Keinen Müll zurücklassen;
  • Verzicht auf extrem umweltschädliche Varianten wie Heliskiing;
  • Einrichtung und Schutz vernetzter Rückzugsräume für störungsempfindliche Tiere.

(2) DSV-Umweltbeirat. (o.J.). DSV-Umweltregeln. Planegg: Deutscher Skiverband e.V.

Nachdem sich der Snowboardsport Mitte der 1980er-Jahre rasant ausbreitete, bestand seitens der Snowboarder*innen ein großer Bedarf, sich in Vereinen zu organisieren. Da zu diesem Zeitpunkt Skivereine und -verbände dem Snowboardsport noch äußerst kritisch gegenüberstanden, war eine eigenständige Strukturierung notwendig. 1989 entstand die International Snowboard Association (ISA), die weltweite Austragung des Sports ermöglichen wollte. 1990 hat sich schließlich aus dem Zusammenschluss der nationalen Snowboardverbände und der Vereinigung der Profis die, als Dachorganisation weltweit agierende, International Snowboard Federation (ISF) gebildet, welche über Büros in Amerika, Europa und Japan das internationale Geschehen koordinierte. Mit der zunehmenden Akzeptanz der neuen Sportart erklärten zu Beginn der 1990er-Jahre schließlich auch der Internationale Skiverband (FIS) und der Deutsche Skiverband ihre Zuständigkeit für den Snowboardsport. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) vergab die Verwaltungsvollmacht in die Hände der FIS. Durch die Eingliederung in einen Skiverband sahen die Snowboarder*innen ihren Freiheitsgeist gefährdet und verweigerten vielfach die Teilnahme an Snowboardwettbewerben der FIS (3).

Auch in Deutschland war das Snowboarden dem Deutschen Skiverband (DSV) untergeordnet. Da es sich jedoch zunehmend zu einer eigenen Sportart entwickelte, gliederte der DSV den Snowboardbereich im Herbst 2000 aus und verselbstständigte diesen zu einem eigenen Verband. Der neu gegründete Snowboard Verband Deutschland e.V. (SVD) begann seine Tätigkeit 2002 und ist Mitglied im DOSB sowie dem Nationalen Olympischen Komitee, und ist über den Deutschen Skiverband im Internationalen Skiverband vertreten. Der Snowboard Verband Deutschland e.V., heute unter dem Namen Snowboard Germany, ist zuständig für den Spitzensport, während der Breitensport sowie die Snowboardtrainerausbildung weiterhin beim DSV liegen. Beide Verbände arbeiten eng zusammen. Snowboard Germany agiert als Dachverband der 14 deutschen Landesverbände und richtet nationale Rennserien und die jeweiligen Deutschen Meisterschaften aus (4).

(3) Drexl, S. (2017). Snowboarding: Die Geschichte einer Lebensphilosophie - Teil 2. Zugriff am 19.10.2020 unter: https://www.skiinfo.de/news/a/581426/snowboarding-die-geschichte-einer-lebensphilosophie-teil-2

(4) Snowboard Germany. (2017). Verband/ Wer wir sind. Planegg: Snowboard Verband Deutschland e.V. Zugriff am 19.10.2020 unter: http://www.snowboardgermany.com/index.php/verband/wer-wir-sind.html

Die Lift- oder Pistenbetreiber*innen in einem Skigebiet sind verantwortlich die Sicherheit, die in Verbindung mit der Pistenbenutzung steht, bestmöglich zu gewährleisten. Grundsätzlich wird daher zwischen „atypischen“ und „typischen“ Gefahrenquellen differenziert. Laut Rechtsprechung sind atypische Gefahren zu sichern oder zu beseitigen. Als „atypisch“ gilt eine Gefahr:

  • wenn mit ihr üblicherweise nicht gerechnet werden muss;
  • wenn sie im Gegensatz zum sonstigen Charakter der Piste steht;
  • wenn sie eine sehr große Gefahr und Wahrscheinlichkeit einer Schädigung darstellt;
  • wenn sie für den Pistenbenutzer*innen nicht oder kaum abwendbar ist;
  • wenn eine Gefahrenquelle „künstlich“ geschaffen wurde.

Weiter ist eine Gefahrenquelle dagegen „typisch“:

  • wenn derartige Gefahrenstellen üblicherweise im Gebirge auftreten;
  • wenn mit solchen Stellen bei der Benutzung der Skipiste gerechnet werden muss;
  • wenn allen Wintersportler*innen bewusst sein muss, dass solche Gefahren auftreten können.

Für „typische“ Gefahren besteht keine Sicherungspflicht seitens der Lift- oder Pistenbetreiber*innen. Ob eine Gefahr als „typisch“ oder „atypisch“ gilt, muss im Einzelfall entschieden werden. Freier Skiraum fällt grundsätzlich nicht unter die Verpflichtung zur Absicherung. Schwer erkennbare, künstliche Hindernisse, die für die Schneesportler*innen aber eine große Gefahr darstellen, wie bspw. ein zugeschneiter Speichersee, müssen auch gesichert werden. Wird der Skiraum jedoch häufig von Wintersportler*innen genutzt und hat durch die starke Benutzung den gleichen Charakter wie eine Piste, so sind die Liftbetreiber*innen vertraglich auch hier an die Schutz- und Sorgfaltspflicht gebunden (5).

Für Schneesportler*innen gelten im Allgemeinen die FIS-Regeln.

(5) Haidlen, Dr. C. (o.J.). Pistensicherungspflicht. Aktuelle Rechtsprechung zur Pistensicherung und Beschneiung. Innsbruck: CHG Czernich Rechtsanwälte.

Das Snowboarden bedient sich grundlegend der gleichen natürlichen Voraussetzungen wie das Skifahren (s. Skifahren). Klima, Relief und die Vegetation sind Faktoren, die von Bedeutung sind. Dazu zählen ausreichend niedrige Temperaturen für Schneesicherheit sowie Berge und Waldgebiete. In Deutschland sind diese Bedingungen in den Mittelgebirgen und den Alpen gegeben. Die Alpen bieten eine eindrucksvolle Naturlandschaft und stellen das beliebteste Ziel für Wintersportler*innen dar (6, 7).

Durch den zunehmenden Trend des Backcountry-Snowboardens sind Snowboarder*innen, nicht nur im Profibereich, sondern auch im Freizeitsport verstärkt neben den Pisten, im Wald oder im offenen Gelände unterwegs. Das ursprüngliche Motiv, durch spektakuläre Aktionen einen „Kick“ zu erleben, zeigt sich heutzutage immer noch. Für Snowboarder*innen sind, im Gegensatz zu den Skifahrer*innen, weniger die Länge der Pisten im Skigebiet wichtig; vielmehr wünschen sie sich Funparks, in denen Sprünge und Tricks geübt werden können (8).

(6) Statista. (2018). Verteilung der Skier-Days auf die Regionen weltweit in der Saison 2018/19. Zugriff am 19.10.2020 unter: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/247672/umfrage/ski-regionen-weltweit-nach-anteil-der-skier-days/

(7) Roth, R., Schiefer, D., Siller, H. J., Beyer, J., Fehringer, A., Bosio, B., Pechlaner, H., Volgger, M., Erschbamer, G. (2016). the future of winter travelling in the alps. executive summary. Innsbruck, Austria: Future Mountain International.

(8) Schär, P. (2001). Mehr als ein Sport. Snowboarding – die Entwicklung einer Trendsportart. Bern: Historisches Institut der Universität Bern. Zugriff am 19.10.2020 unter: http://home.datacomm.ch/pschaer/snowboard.pdf

Erschließung und Erhaltung eines Wintersportgebietes verursachen schon vor der eigentlichen Sportausübung deutliche und, je nach Höhenlage, lokal auch schwerwiegende Belastungen für die Pflanzen- und Tierwelt. Die für das Snowboarden notwendige Infrastruktur resultiert in einem hohen Landschaftsverbrauch und führt vor allem im Sommer zu einer optischen und ästhetischen Beeinträchtigung des Landschaftsbildes. Pistenplanierung und -präparation, technische Beschneiung, Infrastruktur und der Pistenbetrieb können folgende Auswirkungen herbeiführen (9):

  • Nach Planierungsmaßnahmen geht der Deckungsgrad der Vegetation gegenüber nicht planierten Flächen mit zunehmender Höhe deutlich zurück. Es kann zu einem Artenschwund kommen (vor allem bei Zwergsträuchern und Seggen), was den Rückgang von pflanzenfressenden Insekten (z.B. Schmetterlingen und Blattkäfern) bedeuten kann (10).
  • Generell führen Bergbahnen, die infrastrukturelle Erschließung und Ausstattung von Skigebieten sowie die zunehmende touristische Nutzung von Skigebieten für Sommersportaktivitäten zu einem spürbaren Landschaftsverbrauch, der sich durch versiegelte Flächen und der optischen und teilweise akustischen Beeinträchtigung der Landschaft widerspiegelt (10).
  • Unterhalb von 1.500 - 1.700 m (Waldgrenze) ist eine Renaturierung möglich ist (Dauer: bis zu 20 Jahre) oberhalb der Waldgrenze ist eine standortgerechte Wiederbegrünung kaum möglich (11).
  • Durch die Erschließung von Gletschern für den Snowboardbetrieb entstehen zusätzliche umweltrelevante Probleme. Sie beginnen mit der Verkehrsbelastung der ab- und hochgelegenen Täler und enden mit der unnatürlichen Verschmutzung der Gletscher, die derzeit noch als Trinkwasserreservoir für Mitteleuropa von besonderer Bedeutung sind (11).
  • Scharfe Kanten von Ski- und Snowboardern beschädigen und zerschneiden die Humusdecke (Kantenrasur). Durch Pistenbearbeitungsmaschinen entstehen offene Stellen in der Bodendecke, die oftmals Ansatzpunkte der Bodenerosion sind. Die Humusauflage dient als wesentlicher Wasser- und Nährstoffspeicher sowie als Puffer gegenüber Schadstoffen. Ist diese schützende Decke zerstört, sinkt die Bodenfruchtbarkeit ebenso wie das Wasserrückhaltevermögen des Bodens (12).
  • Besonders sensibel reagieren dabei die Raufußhühner (Auerhuhn, Birkhuhn, Schneehuhn). Diese Tiere können im Winter nur in den Stunden unmittelbar vor und nach der Dämmerung ihre Nahrung aufnehmen. Da sie keine Fettreserven anlegen, führt der erhörte Energieverbrauch bei Beunruhigung zu einem raschen Ansteigen des Mortalitätsrisikos, bei Störungen während der Balzzeit zur Schwächung der Population (13).
  • Wenn das Schalenwild (Hirsch, Reh, Gams, Steinbock) von den Futterplätzen vertrieben wird, flüchtet es und richtet im Bergwald Verbissschäden, besonders an Jungbäumen an. Dies kann langfristig zur Beeinträchtigung der Schutzfunktionen des Bergwaldes führen (13).
  • Wildtiere können durch Snowboardfahren abseits der Piste (Variantenfahren/ Freeriden) zur Flucht veranlasst werden. Dies führt einerseits zu einem erhöhten Energieverbrauch, andererseits zum Verlassen geeigneter Überwinterungsgebiete bis hin zur Aufgabe von Futterplätzen und Nahrungsquellen, und somit zur Reduzierung der Energiezufuhr. Weil Nahrung im Winter nur spärlich vorhanden ist und die Fett- und Energiereserven der Tiere knapp sind, kann dies fatale Folgen haben. Störungen können zu einem erhöhten Mortalitätsrisiko führen (13).

Generell sollten die allgemeinen Verhaltensregeln für Wintersportler*innen beachtet werden.

Snowboarder*innen können durch verantwortungsbewusstes Handeln aktiv dazu beitragen, die mit dem Sport verbundenen Umweltprobleme nicht unnötig zu erhöhen. Dazu gehören z.B. die umweltverträgliche Anreise, die Auswahl umweltfreundlicher Unterkünfte oder die Beachtung spezifischer Hinweise zum Schutz von Wald und Wild in den Randbereichen der Wintersportgebiete und deren Pisten (14).

(9) Hahn, F. (2004). Künstliche Beschneiung im Alpenraum. Ein Hintergrundbericht. Schaan: alpMedia.

(10) Bund Naturschutz in Bayern e.V. (2007). Der künstliche Winter. Mit Schneekanonen gegen den Klimawandel. München: Bund Naturschutz in Bayern.

(11) Bayerisches Landesamt für Umwelt. (2010). Perspektiven naturverträglicher Sport- und Erholungsnutzung im bayerischen Alpenraum. Projektbericht. Augsburg: Bayerisches Landesamt für Umwelt.

(12) Eichinger, M. (1999). Umweltgefahren durch Massenskisport im bayerischen Alpenraum. Verein zum Schutz der Bergwelt e.V.

(13) Ingold, P. (2005). Freizeitaktivitäten im Lebensraum der Alpentiere. Basel: Haupt Verlag.

(14) DSV- Umweltbeirat. (o.J.). DSV- Umweltregeln. Planegg: Deutscher Skiverband e V.

Snowboarder*innen nutzen die gleichen Gebiete und somit die gleiche Infrastruktur wie Skifahrer*innen, weshalb diese Sportart weitgehend identische Auswirkungen auf die genutzten Landschaftsräume hat. Besonders stark beansprucht werden Wiesen und WeidenHochgebirge, Bergwälder, Wälder und Schneelandschaften.

(15) Bayerisches Landesamt für Umwelt. (2010). Perspektiven naturverträglicher Sport- und Erholungsnutzung im bayerischen Alpenraum. Projektbericht. Augsburg: Bayerisches Landesamt für Umwelt.

Snowboarder*innen, Skifahrer*innen, Pistenbetreiber*innen und Skitourengeher*innen

Der Zuwachs an Skitourengeher*innen in den letzten Jahren führte teilweise zu starken Konflikten hinsichtlich der Pistennutzung. Das Pistengehen ist darauf zurückzuführen, dass vielen Pistengeher*innen ein mangelndes alpines Wissen haben und das Tourengehen im offenen Geländer zu anspruchsvoll für sie ist. Hinzu kommt, dass viele Pistengeher*innen nicht die notwendigen Fertigkeiten besitzen im freien Gelände zu fahren. Konflikte auf den Pisten entstehen, wenn in der Aufstiegsspur nicht hintereinander gegangen wird, die ganze Pistenbreite benutzt wird oder gar die ganze Piste (16). In Einzelform zwar duldbar, in größeren Gruppen sind sie jedoch eine Herausforderung sowohl für Ski- und Snowboarder*innen, als auch für die Pistenbetreiber*innen. Letztere sind für die Gewährleistung der Sicherheit der abfahrenden Schneesportler*innen verantwortlich (17). Dies führt letztendlich sogar dazu, dass einige Orte in Österreich ihre Pisten für Tourengeher*innen gänzlich gesperrt haben.

(16) Salzburger Nachrichten. (2018). Auf der Piste geht es nur miteinander.Salzburg: Salzburger Nachrichten VerlagsgesmbH & Co KG. Zugriff am 19.10.2020 unter: https://www.netzwerk-winter.at/assets/downloads/2017/SN-Medienkooperation/20180105_SN-Serie-9_Auf_der_Piste_geht_es_nur_mit_einander.pdf

(17) DSV e.V. (2013). Schneesport und Recht. In DSV e.V. (Hrsg.), DSV-Theorielehrbuch (S. 98-137). Planegg: DSV e.V.

Die Ursprünge des Snowboards gehen zurück auf das Jahr 1900. Damals erfand der Österreicher Toni Lenhardt den „Monogleiter“. Aufgrund seines Erfolgs entstanden ab 1914 erste Monogleiter-Wettbewerbe (18). 1965 entwickelte Sherman Poppen den „Snurfer“ (Snow-Surfer, ein Wasserski mit aufgebogener Schaufel und einer Leine zum Steuern) zunächst als Weihnachtsgeschenk für seine Kinder, später auch für den kommerziellen Handel. In den nächsten zehn Jahren wurden fast 1 Mio. Snurfer verkauft. Um 1970 wurden die ersten Wettkämpfe organisiert (19). Die ersten Snowboarder*innen waren meist Skater*innen oder Surfer*innen. So auch der Skateboarder Tom Sims. In der achten Klasse baute er bei einem Projekt ein Snowboard aus einem Stück Holz. Er klebte Teppich auf die Ober- und fixierte Aluminium auf der Unterseite. 1977 begann er mit dem Verkauf seiner eigenen Boards und gewann viele Wettkämpfe und Titel. Inspiriert durch das Design und das Gefühl eines Surfboards, entwarf der Surfer Dimitrije Milovic Mitte der 1970er-Jahre das „Winterstick“.

Der erfolgreichste der Pioniere des Snowboards war Jake Burton. Er selbst „snurfte“ seit seinem 14. Lebensjahr und revolutionierte das Snowboarden 1977, indem er eine Bindung erfand, mit der man fest auf dem Board stand. Im selben Jahr gründete er sein Unternehmen Burton Snowboards, das bis heute als einer der erfolgreichsten Hersteller weltweit gilt (18). Trotz der wachsenden Popularität in den Skigebieten, wehrte man sich gegen die Snowboarder*innen, die die Kultur der „Bad Boys“ der Surfer*innen und Skater*innen übernahmen.

Ende der 1980er-Jahre nahmen dann letztendlich auch die ersten Produzenten der Skibranche Snowboards in ihr Sortiment auf. Außerdem wurden die „American Snowboard Association“ (ISA) und die „International Snowboard Federation“ (ISF) gegründet (20). Das deutsche Pendant, der Snowboard Verband Deutschland e.V., ist erst 2002 aus dem Snowboardbereich des Deutschen Skiverbands (DSV) und der German Snowboard Association (GSA) heraus entstanden.

(18) McIntosh, P. (2010). Snowboarding – Wild Rides. English Teaching Forum, 1 (2010). Zugriff am 19.10.2020 unter: https://americanenglish.state.gov/files/ae/resource_files/10-48-1-f.pdf

(19) Gross, G. (2012). Sherman Poppen honored with Snurfer sculpture in Muskegon, Michigan. Zugriff am 19.10.2020 unter: https://www.snowboarder.com/transworld-snowboarding-archive/snowboarding-news/sherman-poppen-honored-with-snurfer-sculpture-in-muskegon-michigan/

Alpin/Race

Ist eine extrem rasante, pistenorientierte Variante. Dieser Fahrstil heißt Carving und fordert Snowboards mit Plattenbindungen, die eine optimale Kraftübertragung gewährleisten und hohe Geschwindigkeiten sowie extremen Kanteneinsatz auch auf eisiger Piste erlauben.

Freestyle

Elemente, Manöver und Bewegungen des Surfens und des Skateboardens wurden auf das Snowboard übertragen. Die Freestyler*innen fuhren zunächst nur in natürlichen, meist zu niedrigen und damit schwer zu findenden Naturhalfpipes oder über Schneeverwehungen. Erst später griff man dann zur Schaufel und baute sich Sprünge oder eigene maßgeschneiderte Pipes (21).

Freeride/Variantenfahren

Skifahren und Snowboarden außerhalb markierter und präparierter Pisten wird als Variantenfahren oder Freeriden bezeichnet. Besonders reizvoll ist das Variantenfahren nach Neuschneefällen, wenn frische Spuren in den Schnee gelegt werden können. Im Unterschied zum Ski- oder Snowboardtourengehen werden beim Variantenfahren Skilifte und Bahnen als Aufstiegshilfe verwendet. Somit sind weder Laufbindung noch Steigfelle notwendig. Kurze Aufstiege oder Traversen werden zu Fuß mit geschultertem Board oder Ski bewältigt. Dringend empfohlen wird die Verwendung von Lawinenrettungs-Ausrüstung (Lawinenverschütteten-Suchgerät, Schaufel, Sonde) (21). Das Variantenfahren ist in den letzten Jahren immer beliebter geworden, was zu vermehrten Konflikten mit Wildtieren und Vegetationsschäden insbesondere im Jungwald geführt hat. Behörden, Bergbahnen und Sportverbände arbeiten gemeinsam an Maßnahmen, um Wildeinstandsgebiete besser vor Variantenfahrer*innen zu schützen. Sperrgebiete sind unbedingt zu beachten, Zuwiderhandlungen bei gesetzlich erlassenen Betretungsverboten werden bestraft (22).

Backcountry

Ein großes Naturerlebnis in der winterlichen Bergwelt und die schönste Form des Snowboardens ist sicherlich das Backcountry Riding über ausgedehnte Tiefschneepulverhänge. Beim Backcountry Hiking geht es mit Schneeschuhen oder teilbaren Boards (Splitboards), die zum Aufstieg wie Tourenski mit Fellen versehen werden können, Richtung Gipfel – alpine Erfahrung, Rücksichtnahme gegenüber der Natur und Sicherheitsdenken vorausgesetzt (23).

(21) Egger, Mag. Dr. G. et al. (o.J.). Die österreichischen Seilbahnen. Snowboarden. Zugriff am 19.10.2020 unter: http://cdn1.vol.at/2005/01/Snowboard.pdf

(22) Dietmann, T., Kohler, U., Lutz, G. (2005). Die Skigebiete in den bayrischen Alpen. Ökologischer Zustand, Konfliktbereiche, Lösungsmöglichkeiten – eine Schlussauswertung der Skipistenuntersuchung Bayern. Jahrbuch des Vereins zum Schutz der Bergwelt, 70. Jg., 45-60. München.

(23) Kaffenberger et al. (2013). Snowboard. Praxiswissen vom Profi zu Ausrüstung, Technik und Sicherheit. München: Bruckmann Verlag GmbH.

Snowboarden ist das winterliche Pendant zum Surfen. Dabei steht man an beiden Füßen fixiert seitlich zur Fahrtrichtung auf dem Brett (Snowboard) und gleitet die Pisten hinab. Snowboarden ist mittlerweile ein etablierter Massensport und keine junge Trendsportart mehr. Aus der früheren Trendbewegung entstand anfangs die Motivation bei den Snowboarder*innen sich deutlich von den leistungsorientierten Sportarten abzusetzen. Mit bunter Kleidung in knalligen Farben wollte man auffallen und die Suche nach einem „Kick“ durch spektakuläre Aktionen stand im Vordergrund. Die ersten Snowboard-Pioniere schafften mit dem Snowboarden eine individuelle Sportwelt, mit der eine eigene Kultur einherging (24). Snowboarden versteht sich als eigene Szene und wird als Lifestyle gelebt. Szenesportler*innen sind Werte wie Internationalismus, Zusammengehörigkeit und Freiheit von besonderer Bedeutung. Zusammengehörigkeit versteht sich hier weniger als Kollektivismus, sondern mehr als die gemeinsame Interpretation des Raums und des eigenen Könnens. Da sich das Snowboarden stark für den Breitensport geöffnet hat, ist der Szenecharakter nur noch bei einem geringen Teil der Sportler*innen deutlich ausgeprägt (25). Snowboarder*innen im Massensport dagegen geben ähnliche Beweggründe, wie ein Großteil aller Wintersportler*innen, an. Im Fokus stehen das intensive Landschaftserlebnis sowie der Wunsch etwas zu erleben. Im Gegensatz zu den Skialpinfahrer*innen oder nordischen Skisportler*innen legen Snowboarder*innen überdurchschnittlich viel Wert auf hohen Komfort und darauf wenig Geld auszugeben. Ruhe und Erholung abseits des Alltags, sind gegenüber den anderen Wintersportler*innen, nur von geringer Bedeutung (26).

(24) Schär, P. (2001). Mehr als ein Sport. Snowboarding – die Entwicklung einer Trendsportart. Bern: Historisches Institut der Universität Bern. Zugriff am 19.10.2020 unter: http://home.datacomm.ch/pschaer/snowboard.pdf

(25) Vogelmann, T. (2017). Nationale Identität im Szenesport. Ziehen professionelle Snowboarder und Skateboarder ihre Szenezugehörigkeit der nationalen Identität vor? Hamburg: Diplomica Verlag GmbH.

(26) Roth et al. (2012). Grundlagenstudie Wintersport Deutschland. Schriftenreihe „Natursport und Ökologie“, Bd. 26. Düsseldorf: Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen.

Technische Voraussetzungen

Der wichtigste Ausrüstungsgegenstand ist das Snowboard. Grundsätzlich lassen sich mehrere Boardtypen unterscheiden, die sich je nach Einsatzbereich in Länge, Gewicht, den Kanten oder dem Vorspann unterscheiden. Um auf den Pisten nicht auszukühlen, sollte der Witterung entsprechende Kleidung im Zwiebelsystem getragen werden. Neben Mütze, Schnee- oder Sonnenbrille und Handschuhen empfiehlt es sich einen Helm zu tragen (27). Für Kinder bis 15 Jahren gilt in Österreich und einigen anderen europäischen Ländern bereits die Helmpflicht (28). Um bei Stürzen schwerwiegende Verletzungen zu vermeiden, sind Handgelenksprotektoren oder Rückenprotektoren zu tragen. Dies allein schützt jedoch nicht vor allen Verletzungen, daher ist ein aufmerksames Verhalten die beste Voraussetzung für ein minimiertes Verletzungsrisiko (27).

Körperliche Voraussetzungen

Wie bei jeder sportlichen Betätigung sollte der Muskel-Sehen-Apparat vorher gründlich aufgewärmt werden. Durch viele reaktive Momente benötigt man eine Grundspannung, um sich jederzeit ausbalancieren zu können. Ein gutes Gleichgewichtsgefühl, sowie reaktives Verhalten sind gut Voraussetzungen, um den Snowboardsport auszuüben (27).

Witterungsbedingte Voraussetzungen

Da man beim Snowboarden genau wie beim Skifahren der Gefahr von Lawinen ausgesetzt ist, sollten nur markierte Pisten befahren werden. Für das Snowboarden im Tiefschnee abseits der Piste werden eine alpine Ausbildung, eine fachkundige Führung sowie eine vollständige Lawinen-Notfall-Ausrüstung als erforderlich angesehen. Fahrer*innen sollten auf Lawinenwarnungen und mögliche Schneebretter achten. Bei Lawinenwarnungen sollte das gesicherte Gelände auf keinen Fall verlassen werden (29, 30).

(27) Kaffenberger et al. (2013). Snowboard. Praxiswissen vom Profi zu Ausrüstung, Technik und Sicherheit. München: Bruckmann Verlag GmbH.

(28) Österreichischer Touristenklub. (o.J.). Fragen rund um die Schihelmpflicht. Wien: Österreichischer Touristenklub ÖTK.

(29) Deutscher Skilehrerverband (Hrsg.). (2012). Freeriden einfach. München: BlV.

(30) Deutscher Skiverband (Hrsg.). (2012). Offizieller DSV-lehrplan Freeriden. Stuttgart: Pietsch-Verlag.

2,8 % der aktiven Bevölkerung fahren Snowboard. Im Vergleich zu anderen Wintersportarten wie Skifahren (13,8 %) und Eislaufen (6,4 %) ist dies verhältnismäßig wenig. Doch ebenso wie das Skifahren ist Snowboarden eine relativ kostenintensive Sportart. Snowboarder*innen sind bereit täglich 60 - 70 € für die Unterkunft auszugeben. Die Ausgabenbereitschaft für Wintersportausrüstung und sonstige Dienstleistungen liegt deutlich über der, der Skifahrer*innen. Die Konsumausgaben insgesamt liegen jährlich bei 2 Mrd. €. Im Vergleich zum Skifahren mit 10,8 Mrd. € erscheinen die Ausgaben zunächst sehr gering. Bei den Ausgaben für Sportreisen liegt das Snowboarden (1,4 Mrd. €) jedoch an dritter Stelle, direkt hinter dem Skifahren (3,5 Mrd. €) und dem Wandern (2,6 Mrd. €). Besonders beim Snowboarden fallen, neben den Kosten für die Ausrüstung, 57 % aller Ausgaben auf die Fahrten zum Sport an. Etwa zwei Drittel der Snowboarder*innen geben an, mindestens einmal im Jahr in den Wintersporturlaub zu fahren, während es beim Skifahren nur die Hälfte aller Personen sind. Trotz der vergleichsmäßig geringen Anzahl sind die Snowboarder*innen also dennoch ein ökonomisch wertvoller Faktor (31). Ein weiterer wirtschaftlicher Faktor im Wintersport und ebenso im Snowboarden ist die Präparation von Pisten. Die Durchschnittskosten pro Pistenkilometer liegen jährlich bei 260.000 €. Etwa 950 Pistenkilometer müssen in Stand gehalten werden. Trotz allem sind die Ausgaben für die Wintersportstätten vergleichsmäßig gering. Sie betragen nur 1,8 % aller Kosten, die für Sportstätten in Deutschland investiert werden (32).

(31) Roth, R. (2012). Grundlagenstudie Wintersport Deutschland. Köln: Deutsche Sporthochschule Köln.

(32) Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. (2013). Wirtschaftsfaktor Wintersport.

Die Kampagne „Respektiere deine Grenzen“ wurde 2004 von der Vorarlberger Landesregierung ins Leben gerufen, um für den schützenswerten Naturraum zu sensibilisieren und dazu aufzurufen, Verantwortung im Umgang mit der Natur zu übernehmen. Inzwischen beteiligen sich weitere österreichische Länder, sowie die Schweiz, das Fürstentum Liechtenstein und Bayern an dieser Initiative (33). Die zentralen Säulen der Kampagne sind Aufklärung über die komplexen Zusammenhänge und Wechselwirkungen zwischen Mensch und Natur, die Medienarbeit zur Verbreitung der Botschaften sowie die Markierung der Schutzzonen und Wege.

(33) Amt der Vorarlberger Landesregierung. (2018). Zugriff am 19.10.2020 unter: www.vorarlberg.at/respektiere