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Klettern

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Kletteranlagen gibt es in Deutschland. Davon sind 207 vom DAV betriebene Kletteranlagen.
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Kletterregionen wird in Deutschland an unterschiedlichen Felsformationen in der Natur geklettert.
Zu den felsenreichsten Gebieten zählen:
- das Elbsandsteingebirge
- das Nördliche Frankenjura
- der Pfälzer Wald
- das Weser-Leine-Bergland
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aktive Kletterer*innen werden vom DAV in Deutschland vermutet. Davon sind rund 24 % Jugendliche und junge Erwachsene. Rund 18 % sind über 60 Jahre alt. 42,2 % sind Frauen.
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Menschen aus Deutschland betrieben im Jahr 2017 Bergsteigen in ihrer Freizeit.
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der Unfälle passieren laut Kletterhallenstatistik (2016) beim Bouldern.

Klettersport wird in allen Hoch- und Mittelgebirgen seit weit über 100 Jahren ausgeübt. Bei der Erforschung der Hochgebirge war das Klettern eine notwendige Begleiterscheinung, entwickelte sich mit der Zeit aber immer mehr zur abenteuerlichen Herausforderung für Individualisten*innen und hin zum heutigen Freizeitsport. Beim Klettern nutzt man hauptsächlich Hände und Füße, um auf Felsen oder Berge zu gelangen. Klettern erfordert körperliche und geistige Fitness, sowie eine gute Einschätzung des persönlichen Leistungsvermögens. Dazu zählen Konzentrationsvermögen, Selbstwahrnehmung, Umgang mit Angst und Selbstüberschätzung, Sensibilität für die eigenen sowie für die Grenzen der Kletterpartner*innen, Teamfähigkeit, Rücksichtnahme und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.

Die „10 Regeln“ sind ein klettersportlicher Verhaltenskodex, der von allen Kletterverbänden mitgetragen und von den Aktiven allgemein akzeptiert wird. Er sichert nicht nur die ökologische Qualität der Felsgebiete, sondern trägt auch dazu bei, die Klettermöglichkeiten in der Natur zu erhalten.

  1. Aktuelle Kletterregelungen beachten 
    Informieren Sie sich rechtzeitig über die aktuellen Regelungen. Ge- und Verbote findet man im Internet unter www.dav-felsinfo.de, auf Infotafeln in den Klettergebieten und in guten Kletterführern.
     
  2. Umweltverträglich anreisen
    Wenn Sie bei der Anreise in die Klettergebiete öffentliche Verkehrsmittel benutzen oder Fahrgemeinschaften bilden, entlastet dies die Umwelt. Parkmöglichkeiten sind in vielen Klettergebieten rar.
     
  3. Nur zugelassene Parkplätze nutzen 
    Wildes Parken ist nicht nur ein Ärgernis für Anlieger*innen oder Landwirte*innen, sondern kann auch die Vegetation schädigen. Nutzen Sie zum Parken deshalb nur die vorgesehenen Parkplätze.
     
  4. Nicht auf Abwege geraten
    Der Wald unterhalb der Felsen geht häufig in steile Geröllhalden über. Diese Biotope sind wegen ihrer flachgründigen Böden äußerst trittempfindlich. Halten Sie sich an die üblichen Zustiegspfade und schonen Sie die heimischen Pflanzen.
     
  5. Pflanzenbewuchs erhalten
    Die Vegetation der Felsen setzt sich oft aus einer Vielzahl von Kleinstbiotopen zusammen. Achten Sie deshalb darauf, Felsen mit ausgeprägter Vegetation nur behutsam und stark bewachsene Wandbereiche gar nicht zu begehen. Die Pflanzen- und Tierwelt der häufig versteckt im Wald liegenden Boulderfelsen ist zwar oft nicht so spektakulär wie an den großen Felsen, weniger schützenswert ist sie deshalb aber nicht. Auch unter den Schattenpflanzen finden sich viele seltene Arten: Vor allem Flechten, Moose und Farne aber auch Blütenpflanzen.
     
  6. Tabuzonen respektieren
    Unterhalb von Felskopfbereichen mit sensibler Vegetation, die vor Trittbelastung geschützt werden soll, werden Umlenk- und Abseilhaken angebracht. Sensible Felszonen, in denen das Beklettern den Bestand einer Art oder einer Vegetationsgesellschaft gefährden würde, werden im Rahmen von Kletterkonzeptionen stillgelegt. Gesperrte bzw. offene Felsbereiche sind an den bundesweit einheitlichen Symbolen Kreuz und Pfeil zu erkennen.
     
  7. Brutzeiten sind Sperrzeiten 
    Während die geschützten, in den Felsen beheimateten Vogelarten brüten und ihre Jungen aufziehen, wird im Bereich der Brutplätze eine zeitlich befristete Sperrung verhängt. Durch die Beachtung dieser Sperrungen tragen Kletterer*innen zum Schutz seltener Vögel wie Wanderfalke und Uhu bei. Informationen über befristete Sperrungen bieten Hinweistafeln an den Felsen oder das Internet unter www.dav-felsinfo.de.
     
  8. Keinen Müll zurücklassen
    Achtlos weggeworfene Abfälle verschandeln die Felsgebiete nicht nur optisch: Pflanzen und Tiere reagieren auf Veränderungen ihres Lebensraumes sehr empfindlich. Müll darf deshalb in keinem Fall am Fels zurückbleiben, Fäkalien müssen vergraben und für Lagerfeuer dürfen nur ausgewiesene Feuerstellen genutzt werden.
     
  9. Nutzen bieten, Nutzen ernten
    Nutzen Sie für Übernachtung und Verpflegung lokale Gasthöfe oder Zeltplätze. So profitiert auch die ansässige Bevölkerung vom Klettersport und der persönliche Kontakt zu den Einheimischen hilft, mögliche Vorurteile gegenüber Kletterern auszuräumen.
     
  10. Sanierungen und Erschließungen abstimmen
    In vielen Klettergebieten wurden Arbeitskreise für Klettern und Naturschutz (AKN) gegründet, die sich dem naturverträglichen Klettersport verschrieben und auch Regeln zur Erschließung von Neutouren entwickelt haben. Nur wenn diese Beschlüsse eingehalten werden, können Felsbereiche geschützt und Konflikte vermieden werden (1).

(1) Deutscher Alpenverein e.V. (2015). Klettern und Naturschutz – Leitbild um naturverträglichen Klettern in Deutschland. Zugriff am 04.08.2020 unter: https://www.alpenverein.de/chameleon/public/ab1f9be1-375f-da38-0c67-c602581a6379/Leitbild-Klettern_18474.pdf

Klettern erfreut sich seit etwa 1990 zunehmender Beliebtheit, nicht zuletzt durch die seitdem entstandenen künstlichen Kletteranlagen (Kletterhallen und Außenanlagen).

Der Deutsche Alpenverein (DAV) stellt als größte Bergsportvereinigung der Welt mit über 1 Mio. Mitgliedern in 356 Sektionen die größte Interessensvertretung der Bergsteiger*innen und Kletterer*innen dar (Stand 2017). Daneben vertreten die Interessengemeinschaft Klettern (IG Klettern) und die NaturFreunde Deutschlands den Klettersport und das naturverträgliche Klettern. Aktuell geht der DAV von mindestens 500.000 aktiven Kletterern*innen in Deutschland aus (Stand 2017). Dabei sind ausschließlich Kletterer*innen, die auch im DAV Mitglied sind, einbezogen. Rund 24 % sind Jugendliche und junge Erwachsene. Rund 18 % sind über 60 Jahre alt. Der Anteil der Frauen liegt bei 42,2 % (2). Daneben üben einige die Sportart individuell, also ohne Mitgliedschaft, aus. Laut einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach betreiben rund 8,82 Mio. Menschen in ihrer Freizeit Bergsport. Davon betreiben 7,8 Mio. ab und zu Bergsport und 1,02 Mio. häufig (3).

Der DAV betreibt 207 von den über 400 Kletteranlagen in Deutschland (2). Wer lieber am Fels klettert, kann sich zu Kletterfelsen und zum naturverträglichen Klettern auf dav-felsinfo.de informieren (4).

(2) Deutscher Alpenverein. (2017). Klettern im DAV – Zahlen und Fakten. Zugriff am 04.08.2020 unter: https://www.alpenverein.de/chameleon/public/6b648f65-9aa7-32c4-b9bb-4f562243b131/Klettern-Fakten-2017_26050.pdf

(3) IfD Allensbach. (2019). Anzahl der Personen in Deutschland, die in der Freizeit Bergsteigen betreiben, nach Häufigkeit von 2014 bis 2018 (in Millionen). Zugriff am 04.08.2020 unter: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/171163/umfrage/haeufigkeit-von-bergsteigen-in-der-freizeit/

(4) Deutscher Alpenverein. (2017). DAV-Felsinfo.de. Zugriff am 04.08.2020 unter: https://www.alpenverein.de/natur/naturvertraeglicher-bergsport/klettern-naturschutz/felsinfo-felsinformationssystem-dav-felsinfo-klettern-bouldern-naturschutz-naturvertraeglich_aid_27563.html

Allgemein wird durch §14 Abs. 1 des BWaldG geregelt, dass die Betretung des Waldes zum Zwecke der Erholung gestattet ist, jedoch auf eigene Gefahr, besonders in Bezug auf die waldtypischen Gefahren, erfolgt (5). Des Weiteren besagt §7 Abs. 1 Nr. 3 BNatSchg, dass ebenfalls die natur- und landschaftsverträgliche sportliche Betätigung, zu der auch das Klettern gehört, in der freien Landschaft  gestattet ist, soweit dadurch die sonstigen Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege nicht beeinträchtigt werden (6,7).

Möchte man sich zum Klettern also in die freie Natur begeben, ist dies erlaubt, allerdings müssen sich Kletterer*innen vorab über die Naturschutzregelungen vor Ort informieren. Bspw. sind viele Felsen, dadurch dass sie nicht wirtschaftlich genutzt werden, ein Lebensraum für Pflanzen und Tiere und somit schützenswert. Wie strikt dieser Schutz reguliert ist, wird durch den gesetzlichen Schutzstatus vorgegeben (7).

Zwar ist das Mitführen der notwendigen Ausrüstung zum Klettern am Fels im Rahmen des Betretungsrechts erlaubt, das Anlegen eines Klettersteigs mit Stufen, Leitern oder langen Drahtseilversicherungen allerdings nicht. Man darf trotzdem Haken oder Bohrhaken an den Fels anbringen, da diese der Sicherung der Kletterer*innen dienen (8).

(5) Bundeswaldgesetz vom 2. Mai 1975 (BGBl. I S. 1037), das zuletzt durch Artikel 1 des Gesetzes vom 17. Januar 2017 (BGBl. I S. 75) geändert worden ist.

(6) Bundesnaturschutzgesetz vom 29. Juli 2009 (BGBl. I S. 2542), das zuletzt durch Artikel 1 des Gesetzes vom 15.September 2017 (BGBl. I S. 3434) geändert worden ist.

(7) Deutscher Wanderverband (DWV, Hrsg.). (2015). Infosammlung Natursport. Allgemeine und rechtliche Aspekte für die Ausübung von Natursportarten und die Herstellung begleitender Infrastruktur. 1. Auflage.

(8) Deutscher Alpenverein e.V. (2010). Leitfaden Recht zum Klettern in der Natur: Rechtliche Hinweise für Felsbetreuer und alle die das Klettern an Naturffelsen und Steinbrüchen betrifft. Zugriff am 04.08.2020 unter: https://ig-klettern-niedersachsen.de/wp-content/uploads/2010-04-DAV-leitfadenrechtzumkletternindernatur.pdf

Die Auswahl der Kletterfelsen erfolgt anhand der Ansprüche der Sportler*in an den Naturraum. Der besondere Reiz des Sports liegt vor allem im hohen Naturerlebniswert. Felsen gehören zu den empfindlichen Lebensräumen, in denen viele seltene Tier- und Pflanzenarten (Uhu, Wanderfalke, Moose etc.) vorkommen. Die zunehmende Zahl an Kletterer*innen, denen nur eine begrenzte Anzahl an Felsen zur Verfügung steht, führt in einigen Gebieten zu einer hohen Nutzungsintensität. Hier kann es zu nachhaltigen Störungen von Tieren und Pflanzen kommen. Lenkungskonzepte, die von Klettersportlern*innen und Naturschützern*innen erarbeitet werden, dienen dem Schutz der Natur und sichern die Klettermöglichkeiten.

In erster Linie sind für Kletterer*innen Felsen bzw. Felswände attraktiv, die möglichst festes Gestein und zugleich wenig oder gar keinen Bewuchs aufweisen. Von großer Bedeutung hinsichtlich der Frequentierung eines Klettergebietes ist dessen Größe, d.h. die Zahl an Einzelfelsen bzw. Felsfläche und der vorhandenen Kletterrouten sowie die Absicherung mit bereits vorhandenen Haken. Die Infrastruktur ist ebenfalls wichtig, also die Erreichbarkeit mit eigenem Fahrzeug und öffentlichen Verkehrsmitteln, Parkplätze und Übernachtungsmöglichkeiten, sowie die Länge des Zustiegs und die Beschaffenheit der Felsfußbereiche (Einstiege in die Routen).

In Deutschland wird in rund 30 Kletterregionen an ganz unterschiedlichen Felsformationen in der Natur geklettert. Der Hauptteil der rund 4.000 bekletterbaren Felsen liegt in den Mittelgebirgen. Zu den felsenreichsten Gebieten zählen das Elbsandsteingebirge (1.100 Klettergipfel), das Nördliche Frankenjura (rund 1.000 Felsen), der Pfälzer Wald und das Weser-Leine-Bergland (9).

(9) Deutscher Alpenverein e.V. (2015). Klettern und Naturschutz – Leitbild zum naturverträglichen Klettern in Deutschland. Zugriff am 03.08.2020 unter:  https://www.alpenverein.de/chameleon/public/ab1f9be1-375f-da38-0c67-c602581a6379/Leitbild-Klettern_18474.pdf

Es steht außer Frage, dass das Klettern direkte und indirekte Belastungen für die Natur darstellen kann. Diese Belastungen treten in unterschiedlichem Ausmaß in den verschiedenen Strukturtypen eines Felsbiotops und in ihrem Umfeld auf. Sie sind abhängig von der Frequentierung der Kletterer*innen. Ein starker und ungeregelter Kletterbetrieb kann zur Verarmung von seltenen Pflanzen und zur Störung von Biotopen führen. Hauptsächlich treten Vegetationsschäden in den Bereichen unterhalb der Felsen, die Einstiegsbereiche für Kletterer*innen, und an den Felsköpfen, dem Ausstiegsbereich, auf. Die Schäden in der Felswand sind verhältnismäßig gering. Entsprechende Lenkungsmaßnahmen für die Entlastung der Zu- und Ausstiege werden durch Umlenkhaken, das Verbot des Betretens der Felsköpfe und markierte und befestigte Zustiegswege gegeben (10).

Neben den Auswirkungen auf die Vegetation können bei Fehlverhalten auch die im Naturraum lebenden Tierarten gestört werden, so z.B. felsbrütende Vogelarten, die bei entsprechender Störwirkung zum Teil ihren Brutplatz aufgeben.

(10) Deutscher Alpenverein e.V. (2015). Klettern und Naturschutz – Leitbild zum naturverträglichen Klettern in Deutschland. Zugriff am 04.08.2020 unter: https://www.alpenverein.de/chameleon/public/ab1f9be1-375f-da38-0c67-c602581a6379/Leitbild-Klettern_18474.pdf

Naturschützer*innen und die regionale Bevölkerung (Eigentümer*innen und Anwohner*innen) sowie andere Natursportausübende können sich durch Kletternde gestört fühlen. Eine hohe Frequentierung von Kletterer*innen entspricht gleichzeitig einer erhöhten Lautstärke, vermehrtem Verkehrsaufkommen und zunehmenden Vegetationsschäden. Entsprechend fördert der DAV kletterethisches und respektvolles Verhalten (siehe Verhaltensregeln oben) und unterstützt damit eine Entwicklung, die den Bedürfnissen und Ansprüchen der unterschiedlichen Nutzergruppen beim Felsklettern Rechnung trägt (11).

(11) Deutscher Alpenverein e.V. (2013). Outdoor-Klettern. Das offizielle Lehrbuch zum DAV-Kletterschein. München: BLV Buchverlag GmbH & Co. KG.

Als die „Geburtsstunde des Bergsteigens“ gilt der 26. April 1336. Der italienische Dichter Francesco Petrarca bestieg an diesem Tag erstmals den Gipfel des Mont Ventoux in der Provence. Erst wesentlich später entwickelt sich das sportlich motivierte Klettern. Im Jahr 1864 bestiegen Schandauer Turner erstmals den Falkenstein in der Schweiz. 1865 wurde das Matterhorn erstiegen und im Jahr 1869 der Deutsche Alpenverein gegründet (12).

Zunächst wurden die Gipfel der Alpen auf den leichtesten Wegen bestiegen, die in der Regel über Gletscher und Grate sowie durch Rinnen führten. Danach wurden die nächst schwierigeren Aufstiege angegangen, bis schließlich die Durchsteigung der Wände als Herausforderung übrigblieb. Solche Unternehmungen erforderten zunehmend klettertechnische Fähigkeiten und somit ein entsprechendes Training.
Mit wachsendem Schwierigkeitsgrad stiegen die Anforderungen an die Sicherheit.

Durch verbesserte Sicherungstechnik konnten immer schwierigere Felswände der Alpen und Mittelgebirge durchstiegen werden. Das „Technische Klettern“ entstand, bei dem zunächst Haken und Karabiner, später auch kurze in die Haken eingehängte Strickleitern, zur Fortbewegung dienten. In den 1960er Jahren gipfelte diese Entwicklung schließlich in überwiegend technischen Kletterrouten, die dem Ideal der „Linie des fallenden Tropfens“, also die kürzeste Verbindung vom Gipfel bis zum Boden, möglichst nahe kamen. Letztendlich stellte das technische Klettern jedoch eine Sackgasse dar, weil keine Steigerungen der bewältigten Schwierigkeiten erfolgten.

Ab ca. 1975 wendeten sich die ersten Kletterer*innen von dieser Art der Kletterei ab, und der freien Begehung von bis dahin technischen Kletterrouten zu. Dabei wurde das Seil zwar zur Sicherung in die Haken eingehängt, diese jedoch bewusst nicht als Fortbewegungshilfen verwendet. Zur Durchkletterung der Route wurden ausschließlich im Fels vorhandene, natürliche Strukturen benutzt. Der Gedanke des Freikletterns wurde schnell als sportliche Herausforderung angenommen. Galt zuvor noch der 6. Schwierigkeitsgrad als das äußerste Menschenmögliche, so musste die Skala nun nach oben geöffnet werden. Gezieltes Training wurde als Grundlage zur Steigerung des eigenen Klettervermögens erkannt, was geradezu eine Leistungsexplosion nach sich zog. War noch 1977 der ersten Kletterroute offiziell der 7. Schwierigkeitsgrad zuerkannt worden, konnte das Niveau in nur sechs Jahren bis zum unteren 10. Grad gesteigert werden. Der 11. Grad wurde dann weltweit erstmalig 1993 in der Fränkischen Schweiz geklettert.

Zugleich entdeckte man kleine Felsen als hervorragendes Übungsterrain. Quasi in Absprunghöhe über dem Boden, ohne störende Ausrüstungsgegenstände und Angst vor einem Sturz, können die komplexesten Bewegungsabfolgen geübt und höchste Schwierigkeiten geklettert werden. Das „Bouldern“ (Boulder = Felsblock) hat sich mittlerweile fast schon zu einer eigenständigen Disziplin des Klettersports mit einer eigenen Schwierigkeitsskala entwickelt.

Bei den Olympischen Spielen in Tokio 2021 wird Sportklettern erstmals olympisch. Dort treten die Athleten in den Disziplinen Lead, Speed und Bouldern gegeneinander an (13).

(12) Stückl P. & Sojer, G. (2006). Bergsteigen. München: Bruckmann.

(13) Deutscher Alpenverein. (2016). Klettern ist olympisch! Zugriff am 03.08.2020 unter: https://www.alpenverein.de/klettern-ist-olympisch_aid_28055.html

Alpines Klettern

Hierunter fallen sowohl das freie als auch das technische Klettern in den Fels- und Eiswänden aller Hochgebirge der Welt, bei dem man sich den dortigen, spezifischen Gefahren aussetzt. Für die meist langen Kletterrouten mit einer Vielzahl an Seillängen benötigt man Zeit und eine gute Kondition. Eine genaue Tourenplanung ist bei größeren Unternehmungen unerlässlich. Überschätzen der eigenen Leistungsfähigkeit, fehlerhafte Planung und unzureichende Ausrüstung können schnell zu ernsthaften Problemen führen.

Bouldern

Bouldern ist das Probieren und Bewältigen von schwierigen Kletterpassagen in Absprunghöhe, wobei in der Regel auf eine Seilsicherung verzichtet wird. Lediglich bei höheren Boulderproblemen (Highballs) kommt beim Üben der Bewegungsabläufe gelegentlich ein Seil zum Einsatz. Das Bouldern eignet sich hervorragend zur Schulung von Kraft und Technik. An Ausrüstung werden lediglich Kletterschuhe und Crashpad (faltbare Sturzmatte) benötigt.

Sportklettern

Das Durchsteigen jeder Kletterroute in jeder Form stellt letztendlich eine sportliche Leistung dar und kann somit unter diesem Begriff verstanden werden. Im engeren Sinne ist mit „Sportklettern“ jedoch das, an der Bewältigung möglichst hoher Schwierigkeitsgrade orientierte, Freiklettern von gut abgesicherten Kletterrouten zu verstehen, für das ein persönliches Training zur Leistungssteigerung betrieben wird. Übliche Ausrüstung sind Klettergurt, Kletterschuhe, Helm und Seil sowie diverse Karabiner, Express-Schlingen, Abseilgerät, Klemmkeile und Bandschlingen.

Eisklettern

Eisklettern ist das Erklettern gefrorener Wasserfälle und erfordert spezielle Kenntnisse und eine besondere Ausrüstung. Es stellt aufgrund der potentiellen Instabilität der Eisgebilde und der enormen Verletzungsgefahr im Falle eines Sturzes eine gefährliche Variante des Klettersports dar.

Mixedklettern ist das Klettern in aus Fels und Eis kombinierten Kletterrouten. Da die zur Fortbewegung im Eis notwendigen Steigeisen und Eisbeile nicht zwischendurch abgelegt werden können, müssen auch die Felspassagen damit durchklettert werden (Drytooling). Die Absicherung erfolgt zumeist durch im Fels verankerte Haken und Bohrhaken. Die Ausrüstung besteht im allgemeinen aus Klettergurt, steigeisen, festen Bergschuhen, Helm, Seil, Steigeisen, Eisbeile (kleine Pickel mit gekrümmter Haue), diversen Eisschrauben, Karabinern und Bandschlingen sowie wasserdichter und warmer Bekleidung.

Freiklettern

Freiklettern ist das seilgesicherte Durchsteigen einer Kletterroute ohne Verwendung künstlicher Hilfsmittel, d.h. es wird ausschließlich das Griff- und Trittangebot des Gesteins genutzt. Die im Fels vorhandenen Haken sowie selbst angebrachte mobile Sicherungspunkte (Klemmkeile, Schlingen), in die das Seil mittels Karabinern eingehängt wird, dienen lediglich zur Sicherung.

Technisches Klettern

Technisches Klettern beschreibt das gesicherte Durchklettern von Passagen oder ganzen Seillängen einer Kletterroute unter Verwendung vorhandener sowie gegebenenfalls selbst anzubringender Sicherungspunkte, welche zur Fortbewegung verwendet werden. Zusätzlich zur o.g. Ausrüstung kommen hierbei Kletterhammer, Steigklemmen, Trittleiter(n), Bohrgerät, Meißel und gegebenenfalls ein Sitzbrett zum Einsatz.

Solo/ Free Solo

Jede Form des Kletterns kann selbstverständlich auch allein, d.h. ohne Sicherungs- bzw. Seilpartner*in ausgeübt werden. Jedoch heißt „Solo“ nicht, dass man hierbei auf eine persönliche Absicherung generell verzichtet, die zwar schwierig und aufwendig ist, aber durchaus oft zur Anwendung kommt. Daher wird allgemein zwischen „Solo“ (mit zumindest teilweiser Selbstsicherung in den schwierigen Passagen oder Seillängen) und „Free Solo“ (ohne jegliche Selbstsicherung) unterschieden. Beim „Free Solo“ wird an Ausrüstung in der Regel lediglich das notwendige Schuhwerk und ein Helm verwendet.

Der Zuwachs an Kletterern und Kletterhallen im urbanen Raum zeigt, dass ein großer Reiz von dieser Sportart ausgeht. Hier steht nicht nur körperliche Fitness, sondern hauptsächlich das Erlebnis selbst im Vordergrund (14).

Der besondere Reiz des Kletterns liegt im Verlassen des normalen, festen Bodens, im Spiel mit der Schwerkraft und der Auseinandersetzung mit der Aufgabe, eine Felswand auf einer naturgegebenen, selbst ausgesuchten Linie zu durchsteigen. Felsen und Felswände, meist in eine besonders attraktive, naturnahe Landschaft eingebettet, verbinden den Klettersport mit einem sehr hohen Naturerlebnis- und Erholungswert. Eine besonders große Anziehungskraft üben Felsen aus, nach deren Erkletterung man zusätzlich mit einer prächtigen Aussicht belohnt wird.

Klettern gibt auch die Möglichkeit an individuelle Grenzen zu stoßen, diese zu überwinden und dabei eigene Kompetenzen zu erleben und die persönliche Leistungsfähigkeit zu verbessern. Nach Hepp et al. (1992) bieten Kletterrouten wechselnde Anforderungen und Vielseitigkeit, sodass sowohl körperliche Leistungsfähigkeit als auch Kreativität gefragt sind (14).

(14) Bauer, L. (2013). Fels oder Halle - Die Natur als beeinflussender Faktor für Flow und Wohlbefinden beim Klettern. Zugriff am 04.08.2020 unter: http://othes.univie.ac.at/28827/1/2013-05-02_0504570.pdf

Ein Mindest- oder Höchstalter gibt es beim Klettern nicht, da jeder den Sport im Rahmen seiner persönlichen Fähigkeiten ausüben kann. Allerdings empfiehlt sich eine theoretische und praktische Ausbildung bzw. ein Kletterkurs, um sich mit den vielfältigen Sicherungs- und Klettertechniken vertraut zu machen. Man benötigt zudem einen/eine Kletterpartner*in, von dessen Fähigkeiten und Kenntnissen man überzeugt ist, denn schließlich vertraut man ihm/ihr das eigene Leben an. 

Zwischen dem Klettern in der Halle und draußen am Naturfels gibt es bedeutende Unterschiede. Der Naturfels verlangt ein erhebliches Mehr an psychischer Stärke, an Kreativität zum Erkennen der Bewegungsabläufe sowie an Kenntnissen und Erfahrungen mit den verschiedenen Sicherungs- und Klettertechniken.

Ebenso sind physische Voraussetzungen wie Beweglichkeit, Kraft und Ausdauer sowie geistige und seelische Gesundheit von großer Bedeutung. Für das Bewältigen einer schwierigen Route oder das Durchstehen einer heiklen Situation ist Selbstvertrauen wichtig, das Wissen um die eigenen Fähigkeiten und eine realistische Selbsteinschätzung vorausgesetzt.

Je nach ausgeübter Kletter-Disziplin unterscheidet sich die Ausrüstung in ihrer Spezifik. Beim Felsklettern, dem klassischen Freiklettern, benötigt man in jedem Fall ein Seil, Klettergurt, Helm, Sicherungsgerät und Verschlusskarabiner. Beim Indoor Klettern sind meist nur der Klettergurt, Kletterschuhe und das Sicherungsgerät + Verschlusskarabiner notwendig (15).

(15) Stückl, P., Sojer, G. (2006). Bergsteigen. München: Bruckmann.

Rund 5,3 Mrd. € werden in Deutschland für den Natursport ausgegeben, zu dem auch das Klettern, Bouldern und Bergsteigen gehört.

Speziell auf das Klettern und Bouldern bezogen, sind die Ausgaben für Fahrten ohne Sporturlaube am höchsten. Dies ist typisch für Outdoorsportarten, da zum Klettern am Fels meist eine lange Anfahrt aus dem urbanen Raum erfolgt. Da die Studie nicht zwischen Klettern am Fels und in der Halle unterscheidet, fallen hier auch die hohen Ausgaben für die Nutzung von Sportanlagen auf (16). Die folgende Abbildung zeigt die prozentuale Aufteilung der Ausgaben im Klettersport im Vergleich zu anderen Sportarten.

(16) BMWi, BISp (Hrsg.). (2017). Wirtschaftsfaktor Outdoorsport: Aktuelle Daten zur Sportwirtschaft. Berlin: BMWi. Zugriff am 04.08.2020 unter: https://www.bisp.de/SharedDocs/Downloads/SSK/Wirtschaftsfaktor_Outdoorsport.pdf?__blob=publicationFile&v=1

Im Frankenjura gelten Kletterkonzepte, welche teilweise seit 1992 bestehen und seither stetig weiterentwickelt wurden. In einigen Klettergebieten ist die Konzeption bereits vollendet. Somit besteht dort eine Grundlage zur Zusammenarbeit von Klettern und Naturschutz.

Die Kletterfelsen befinden sich teilweise in Schutzgebieten unterschiedlicher Kategorien und sind überwiegend gesetzlich geschützte Biotope. Um Interessen der Kletterer*innen und der Naturschützer*innen zusammenzubringen, haben sich Arbeitskreise organisiert, bestehend aus Vertretern von Behörden und Klettersport- und Naturschutzverbänden. Enstanden ist so das Konzept der Zonierung, sprich die einzelnen Felsen werden in verschiedene Zonen eingeteilt:

Schutzzone I: Kletterverbot

Schutzzone II: Freigabe zum Klettern auf bestehenden Routen

Schutzzone III: Erlaubnis der Erschließung von Neurouten

Zudem empfehlen die Konzepte auch Maßnahmen in der Umgebung wie Zufahrten, Parkmöglichkeiten und Zustiege. Es handelt sich hierbei nicht um einen rechtlich bindenden Vertrag, sondern um eine Regelung die aus der Zusammenarbeit von Sport und Naturschutz entstanden ist und von beiden Seiten respektiert wird (17).

(17) Deutscher Alpenverein. (2003). Kletterkonzept Oberes Trubachtal. Eine Leitlinie zum naturverträglichen Klettern. Zugriff am 03.08.2020 unter: http://kletterinfozentrum.de/kletterkonzept

Zu dem Bochumer Bruch im bergischen Land, der als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen ist, haben die Naturschutzbehörde und der DAV-Landesverband eine Vereinbarung abgeschlossen. Diese besagt, dass die Behörde Gebiete einzeln von Schutzgebietsausweisungen befreien kann, sofern die Abweichung mit den öffentlichen Belangen des Naturschutzes vereinbar ist. Dies kann einseitig beschlossen werden oder, wie in diesem Falle, durch eine öffentlich-rechtliche Vereinbarung zwischen den beiden Parteien. Hierbei werden auchdie räumlichen, zeitlichen oder sonstigen Bedingungen des Kletterns im Detail bestimmt (18).

(18) Deutscher Alpenverein e.V. (2015). Klettern und Naturschutz – Leitbild zum naturverträglichen Klettern in Deutschland. Zugriff am 04.08.2020 unter: https://www.alpenverein.de/chameleon/public/ab1f9be1-375f-da38-0c67-c602581a6379/Leitbild-Klettern_18474.pdf