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Slacklinen

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Jahren entstanden die Ursprünge des Slacklinens.
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Umfang bzw. einen Mindestdurchmesser von 30 cm soll ein Baum, der als Anschlagpunkt genutzt wird, mindestens haben.
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wird Slacklinen als Wettkampfsport betrieben.
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Arbeitslast sollte die genutzte Industrieschlinge mindestens aufweisen. Alternativ ist eine spezielle Slackline-Baumschlinge aus Polyesterflachban geeignet.
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über der Talsohle des Yosemite Valley befindet sich die legendäre Highline am „Lost Arrow".

Slacklinen ist eine Trendsportart, die hauptsächlich durch Balancieren auf einem Kunstfaserband, ähnlich dem Seiltanzen, charakterisiert ist. Im Gegensatz zum Drahtseil verhält sich die Slackline dynamisch. Das 25 - 50 mm breite Band aus Polyester oder Polyamid ist zwischen zwei Anschlagpunkten gespannt. Dies waren ursprünglich Bäume, inzwischen gibt es auch extra dafür entwickelte Anschlagpfosten. Diese sind z.B. in Slackline-Parks auf öffentlichen Grünflächen vorzufinden.

(1) Thomann, A., Jakob, E. (2012). Slacklinen in urbanen Räumen – am Beispiel der Stadt Köln. In Institut für Natursport und Ökologie (Hrsg.), Aktuelle Studien zu Entwicklung und Praxis der Trendsportart Slackline, Schriftenreihe Natursport und Ökologie – Band 28.

Der DOSB sowie der Österreichische und Schweizer Slackline-Verband sprechen Empfehlungen zur Platzwahl, zum Verhalten und zum Aufbau von Slacklines aus (2, 3). In ökologischer Hinsicht ist es wichtig, Begehungsbeschränkungen zu beachten, Nutzungskonflikte zu vermeiden und Abfall zu entsorgen.

Werden Bäume als Anschlagpunkte genutzt, sollte folgendes beachtet werden (2, 4, 5):

  • Professionellen Baumschutz verwenden, der den gesamten Baum umfassen sollte. Die Auflagebreite der Bänder oder Schlingen am Baum sollte mind. 5 cm betragen.
  • Der Baum muss gesund sein.
  • Bei vorhanden Rindenschäden, und wenn Totholz oder abgeknickte Äste in der Baumkrone vorhanden sind, auf andere Bäume ausweichen.
  • In der Wachstumsphase (März, April, Mai) keine Bäume mit dünner Rinde wie Buche, Ahorn, Birke etc. anspannen.
  • Nicht auf den Wurzeln herumtrampeln.
  • Bewegt sich der Baum beim Slacklinen sichtbar, so ist er zu dünn und ungeeignet.
  • Der Baumdurchmesser muss auf Anschlaghöhe mind. 30 cm betragen, dies entspricht ca. 1 m Umfang.
  • Geeignet sind Industrierundschlingen oder extra gefertigte Slacklineschlingen mit einer Arbeitslast von mindestens 1 t.
  • Scherbelastungen verhindern: Der Knoten muss von der Mitte des Stammes aus gesehen zum zweiten Fixpunkt zeigen.
  • Als Anschlagpunkt ungeeignet sind Masten, Laternen, Geländer und Spielgeräte.

An Kletterfelsen sind insbesondere folgende Punkte zu beachten (2):

  • Fixpunkte verwenden, die die Belastung durch das Spannen der Slackline unbeschadet überstehen.
  • Wegen der Dauerschwellbelastung keine (Bohr-)Haken von bestehenden Kletterrouten als Fixpunkte verwenden.
  • Rechtliche Einschränkungen wie Kletterverbote an Felsen oder Betretungsverbote auf Felsköpfen (Highlines) gelten selbstverständlich auch für Slackliner*innen.

Mancherorts wurde das Slacklinen verboten, weil beim Aufspannen der Slackline lokale Regelungen missachtet wurden. In einigen Städten jedoch wie z.B. in Köln, Stuttgart, Freiburg und München ist es erfolgreich gelungen, Slacklinen und Umweltschutz zu vereinen. Es wurden Zonen eingerichtet, in denen das Slacklinen erlaubt ist. Außerdem wurden künstliche Anschlagpunkte errichtet, um Bäume zu schonen. Auch geeigneter Baumschutz wird teilweise bereitgestellt (2). Für Slackliner*innen sind diese Maßnahmen zu respektieren und der Umwelt zuliebe einzuhalten. Wird an unerlaubten Plätzen geslackt, können Bußgelder die Folge sein.

(2) DOSB. (o. J.). Slacklinen – ein naturverträglicher Sport. Handlungsempfehlungen für Natursportaktive, Kommunalverwaltung und Grundstückbesitzer. Zugriff am 29.10.2019 unter: https://pimage.sport-thieme.de/pdf/Handlungsempfehlung-naturvertraglich-Slacklinen.pdf

(3) Buckingham, T., Spöttl, T., Jörren, D. (2014). Platzwahl, Verhalten und Aufbau – Generelle Empfehlungen zum Slackline Sport. Swiss Slackline und Slackline Verband Österreich. Zugriff am 29.10.2019 unter: https://www.slacklineverband.com/fileadmin/user_upload/Generelle_Empfehlungen_v1_2014.pdf

(4) Swiss Slackline und Slackline Verband Österreich. (2016). Slacklinen im Schulsport – Outdoor Empfehlungen.

(5) JDAV Bayern (Hrsg.). (2014). Macht‘s mit – Baumschutz beim Slacklinen. Faltblatt. Zugriff am 29.10.2019 unter: https://www.slacklineverband.com/fileadmin/user_upload/documents/150515slackline-flyer-V2_D.pdf

Deutschlandweit organisiert sich die Sportart durch den Deutschen Slacklineverband (6). Er vertritt die Interessen des Slacklinesports auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene. Gemeinsam mit den Schweizer, Österreichischen und U.S. Amerikanischen Slackline Verbänden wurde 2015 die International Slackline Association (ISA) mit Sitz in Bern (Schweiz) gegründet. Inzwischen umfasst sie weitere nationale Organisationen und unterhält diverse Partnerschaften aus der Slackline-Industrie. Sie unterstützt Slackline-Communities auf der ganzen Welt durch die Bereitstellung von Informationen, die Organisation von Events, die Entwicklung von Sicherheitsstandards, die Ausbildung von Trainer*innen und die Unterstützung von Athlet*innen zur Entwicklung der Sportart auf Breitensport - sowie auf professioneller Ebene bei (7).

(6) Deutscher Slacklineverband (2019). Homepage. Zugriff am 07.02.2019 unter https://deutscherslacklineverband.org/ 

(7) International Slackline Association (2018). General Presentation. Zugriff am 29.10.2019 unter: https://docs.google.com/file/d/17mKo6Rs_lwwENRw38Guj5pShXU4Q49j0/view

Slacklinen im urbanen Raum findet vorwiegend auf öffentlichen Grünflächen statt. Aufgrund des Wachstums der Szene ergriffen die Grünflächenämter einiger Städte reglementierende Maßnahmen. Städteübergreifende Maßnahmen bestehen bis dato nicht, denn die Herangehensweise zur Reglementierung bleibt den Ämtern jeder Stadt selbst überlassen. Demzufolge bestehen, je nach Stadt ,unterschiedliche Voraussetzungen für das Slacklinen: Sie reichen von kompletten Verboten (z.B. in Essen) über die Bereitstellung von Alternativen in Form von Slackline-Parks (z.B. in Köln und Freiburg) bis hin zur Ignorierung des Problems (z.B. in Düsseldorf) oder Duldung unter Vorbehalten, d.h. unter Beachtung entsprechender Handlungsempfehlungen (z.B. in München) (8).

Die Stadt Köln z.B. hat Slacklinen explizit in die Stadtordnung mit aufgenommen. In § 24 Sport und Spiele Abs. 2 steht: „Slacklining und vergleichbare, baumschädigende Sportarten sind nur an den dafür ausgewiesenen Stellen zulässig“ (9).

(8) Thomann, A. (2016). Die Entwicklung der Trendsportart Slackline im urbanen Raum. Dissertation am Institut für Natursport und Ökologie, Köln. S. 66.

(9) Kölner Stadtordnung. (2017). Satzung und ordnungsbehördliche Verordnung über die öffentliche Sicherheit und Ordnung für das Gebiet der Stadt Köln, i.d.F. vom 29.01.2017. Zugriff am 29.10.2019 unter: https://www.stadt-koeln.de/mediaasset/content/satzungen/koelner_stadtordnung_20170129.pdf

Slacklinen im urbanen Raum wird bevorzugt in naturnaher Umgebung, wie in städtischen Grünanlagen und auf öffentlichen Freiflächen mit Bäumen o.ä. Befestigungsmöglichkeiten, ausgeübt. Dabei sind passende Abstände der Bäume, geeignete Untergründe, das Vorhandensein einer ausreichend großen Fläche und die Wohnortnähe entscheidende Variablen. Soziale Faktoren wie das Treffen mit Freunden, Grillmöglichkeiten oder Raum für Selbstdarstellung spielen ebenso wie psychische Faktoren der Entspannung und Privatsphäre bei der Wahl des Ortes eine Rolle (10).

Bäume als ursprüngliche Anschlagpunkte zu nutzen zieht einige ökologische Diskussionen nach sich, weswegen Alternativen geschaffen wurden. In sog. Slackline-Parks sind extra dafür konzipierte Pfähle in unterschiedlichem Abstand aufgebaut. Wird dennoch an Bäumen geslackt, ist es unerlässlich, entsprechenden Baumschutz zu nutzen.

(10) Thomann, A. (2016). Die Entwicklung der Trendsportart Slackline im urbanen Raum. Dissertation am Institut für Natursport und Ökologie, Köln. S. 71.

Baumschädigungen, welche vor allem durch unsachgemäßen Aufbau der Slackline verstärkt werden, werden in zwei Arten kategorisiert (11). Zum einen ist die Standsicherheit des Baumes an sich betroffen. Durch die Krafteinwirkung der Slackline über den Stamm kann ein Hebel zum Wurzelwerk entstehen und dieses schädigen. Weiterhin kommt es zu Bodenverdichtung und Trittschäden. Zum anderen entstehen Schäden durch das Anschlagmittel direkt am Stamm: Bewegt sich die Slackline, wird die Auf- und Abbewegung auf das Anschlagmittel übertragen und schädigt folglich die Borke. Außerdem übt das Anschlagmittel der Slackline einen hohen Druck auf den Stamm aus. Dieser Anpressdruck beeinträchtigt das Kambium und kann in der schlimmsten Folge zum Absterben des Baumes führen. Der wirkende Druck auf den Baum variiert je nach Art, Breite und Material des Anschlagmittels sowie Art der Anbringung. Auch Dauer und Stärke der Krafteinwirkung, die je nach Bewegung der Slackliner*innen unterschiedlich sind, sowie Baumart, Umfang des Stammes, Lebensalter des Baums und Jahreszeit spielen eine Rolle (11). Bei schiefer Anbringung der Befestigung am Baum können weiterhin Schälungsschäden durch erhöhte Scherbelastung an der Rinde auftreten, was besonders im Zeitraum mit hoher Wasserführung in den Monaten Januar bis Mai bedenklich ist (12).

Je nach Bewegung der Slackliner*innen entstehen Belastungsspitzen auf den Fixpunkten der Slackline. Die beim Spannen der Slackline entstehende Spannkraft wird durch Bewegungen wie Aufspringen oder Wippen verdoppelt oder durch Sprünge sogar kurzzeitig verdreifacht. Folglich ist es umso wichtiger, die richtige Vorgehensweise bei Wahl und Anbringung der Anschlagmittel zu verfolgen, um die Krafteinwirkungen auf den Stamm möglichst gering zu halten (13). Die wirkende Kraft und der Druck auf die Bäume können durch verschiedene Maßnahmen verringert werden. Dies sind dickere und qualitativ hochwertigere Baumschutze, die Nutzung dickerer Bäume sowie die Vergrößerung der Breite des Gurtes (durch einen sauberen Anker sowie maximal gespreizte und flach, ohne Verdrehung angebrachte Gurte) (14).

(11) Thomann, A., Groß, J. (2012). Zur Druckverteilung durch den Slacklinesport auf den Baum als Anschlagstruktur. In Institut für Natursport und Ökologie (Hrsg.), Aktuelle Studien zu Entwicklung und Praxis der Trendsportart Slackline, Schriftenreihe Natursport und Ökologie – Band 28.

(12) DOSB (o.J.). Slacklinen – ein naturverträglicher Sport. Handlungsempfehlungen für Natursportaktive, Kommunalverwaltung und Grundstückbesitzer. Zugriff am 29.10.2019 unter: https://pimage.sport-thieme.de/pdf/Handlungsempfehlung-naturvertraglich-Slacklinen.pdf

(13) Thomann, A. (2016). Die Entwicklung der Trendsportart Slackline im urbanen Raum. Dissertation am Institut für Natursport und Ökologie, Köln. S. 44-47.

(14) Gesing, P., Bretagne, L., Buckingham, T., Keßler, R. (2017). Under Pressure: Impact of slings and tree protection on the distribution of pressure. Zugriff am 29.10.2019 unter: https://data.slacklineinternational.org/slacked-data/tree-protection/under_pressure_treepro_measurements_2017_v1_en.pdf/

  • (urbane) Grünflächen und Parks

Der Vorgänger des Slacklinens kann im Seiltanzen gesehen werden, dessen Ursprünge zu den Römern und Griechen der Antike zurückreichen. Darmsaiten bzw. Hanfseile dienten auch im Mittelalter den künstlerischen Seiltanzdarbietungen der damaligen Zeit. 1834 wurde das Drahtseil erfunden. Die Überquerung der Niagarafälle im Jahre 1859 und das illegal zwischen den World Trade Centern begangene Hochseil in 417 m Höhe im Jahre 1974 erregten hohes Aufsehen.

Das Slacklinen, wie wir es heute kennen, hat sich in den 80er-Jahren aus der Kletterszene entwickelt. Im Yosemite Valley in Kalifornien (USA) vertrieben sich Kletternde die Zeit mit Balancieren auf einer Kette. Bald darauf ersetzten Adam Grosowsky und Jeff Ellington die Kette durch Bandmaterial aus dem Bergsport und es entstand eine neue gleichgewichtsherausfordernde Trainingsform des Kletterns. 1985 wurde die legendäre 15 m lange Highline am „Lost Arrow“ im Yosemite Valley – 900 m über der Talsohle des Yosemite Valley – erstmals von Scott Balcom begangen. Um die Jahrtausendwende brachte Heinz Zak Highlines in die Alpen und somit nach Europa. Durch Dean Potter wurde die Sportart in der weltweiten Kletterszene bekannt gemacht – u.a. durch seine erfolgreiche ungesicherte Begehung des „Lost Arrow“ – und bei Slackline-Partys im „Camp 4“ kamen Anhänger*innen der Slackline-Szene aus aller Welt zusammen. Begeistert von dieser besonderen Atmosphäre veranstaltete er 2006 das erste internationale Slackline-Event in Scharnitz,Tirol. Die ersten Slackline-Sets in Europa kamen durch Mountain Equipment auf den Markt und das wachsende Angebot begeisterte schnell auch außerhalb der Kletterszene. Slacklining etablierte sich als Trendsport, was durch die Verbreitung spektakulärer Tricks verstärkt wurde. Andy Lewis brachte die Entwicklung des Jumplines entscheidend voran und gewann den ersten „Gibbon World Cup“ 2010 (15, 16).

Seit Anfang des 21. Jahrhunderts begann sich der Sport formal zu organisieren, sowohl im Rahmen der nationalen Sportgroßverbände, wie dem BTV, DSV oder DAV, als auch später durch eigene Slacklineverbände. Seit 2008 ist Slacklinen ein Wettkampfsport. Im Freizeit- und Breitensport und auch im Gesundheitssport ist die Aktivität inzwischen sehr beliebt und hat sich aus dem Bergsportsektor seinen Weg in das urbane Umfeld gebahnt (17).

(15) Engel, P. (2008). Slackline – ein neuer Trendsport? Hintergründe und Perspektiven. Dissertation am Institut für Sportwissenschaften, Tübingen. S. 4–7.

(16) Zak, H. (2011). Slackline. Das Praxisbuch. München: BLV Buchverlag.

(17) Thomann, A. (2016). Die Entwicklung der Trendsportart Slackline im urbanen Raum. Dissertation am Institut für Natursport und Ökologie, Köln. S. 38–39.

Das Slacklinen lässt sich je nach Breite, Länge, Dehnbarkeit und Spannung des Bandes sowie der gewählten Höhe und des Untergrunds sehr vielseitig gestalten.

Lowlinen

Die Slackline wird in niedriger Höhe angebracht, sodass ein gefahrloses Abspringen möglich ist. Dies entspricht dem alltagsgebräuchlichen „Slacklinen“. Die Länge erstreckt sich meist über bis zu 15 m, auf der die Line mittelstraff gespannt wird. Einfache Bewegungsformen sind z.B. Stehen, Gehen, rückwärts Gehen, Umdrehen und Hinsetzen (18).

Jumplinen/Tricklinen

Jumplines eignen sich für spektakuläre Tricks ähnlich wie auf dem Trampolin, bspw. Salti oder Bounce-Elemente auf den Rücken oder den Bauch. Die Jumplines werden auf kurzen Abständen bis hin zu einer Länge von 15 - 20 m sehr straff gespannt und ungefähr auf Brusthöhe montiert (19).

Rodeolinen

Rodeolines sind stark durchhängende Lines, die in 2 - 3 m Höhe fixiert werden und deren Fixpunkte 3 - 5 m auseinanderliegen. Charakterisiert ist die Begehung der Rodeoline durch Gehen, Drehen und Hinsetzen, und wer schon geübter ist schafft es auch die Line zum Schwingen („Surfen“) zu bringen (19).

Longlinen

Bei dieser Slackline-Disziplin für Fortgeschrittene werden Bandlängen ab 30 m genutzt. Neben den erhöhten Anforderungen an das technische Können sind auch andere Verhältnisse hinsichtlich des Aufbaus und der Platzwahl gegeben. Ausführliche Informationen dazu finden sich in den Empfehlungen der International Slackline Association für Longliner*innen. Einige Slackline-Fähigkeiten werden beim Einstieg ins Longlinen vorausgesetzt. Dazu zählen das Aufschwingen auf die Line von unten, der Sitzstart sowie das Absitzen auf der Line und die Fähigkeit, eine Slackline von 30 m ohne Anstrengung in beide Richtungen zu laufen (20).

Highlinen

Das Highlinen gilt als Königsdisziplin des Slacklinens. Highlines führen über Schluchten oder sind zwischen Felsen befestigt. Ab einer Höhe von 15 - 20 m über dem Boden spricht man vom Highlinen. Eine legendäre Highline, die sogar ungesichert überquert wurde, befindet sich 900 m über der Schlucht des Yosemite Valley. Im Normalfall wird jedoch nur gesichert über die Highline gelaufen. Beim Highlinen ist ein gefahrloses Abspringen nicht möglich, was erhöhte Sicherheitsvorkehrungen für den Fall eines Absturzes mit sich bringt. Dafür wird eine Leash zwischen Gurt und Highline verwendet. Für den Aufbau der Highline ist professionelle Erfahrung notwendig und neben dem erhöhten Verletzungsrisiko bestehen natürlich auch erhöhte Anforderungen an die mentale Stärke des Sportlers, der sich in atemberaubenden Höhen bewegt (19).

Waterlinen

Der besondere Reiz des Waterlinens besteht im Balancieren über Wasser. Gegenüber den stehenden Gewässern ist bei Fließgewässern der Gleichgewichtssinn noch stärker herausgefordert, da die Strömung zusätzlich ablenkt. Jedoch bestehen beim Waterlinen auch höhere Gefahren. Neben Erschöpfungszuständen bei kalten Wassertemperaturen können Verletzungen beim Aufschlagen auf der Wasseroberfläche oder durch Aufschlagen auf Steinen und Felsen nahe der Wasseroberfläche auftreten. Waterliner*innen sollten die Grundlagen der Wasserrettungsmethoden für einen möglichen Notfall beherrschen. Ebenso können Rettungsreifen o.ä. Notfallausrüstung hilfreich sein (19, 21).

(18) Österreichischer Slacklineverband. (2019). Slacklinen – was ist das? Zugriff am 29.10.2019 unter: https://www.slacklineverband.com/know-how/allgemeine-infos/

(19) Zak, H. (2011). Slackline. Das Praxisbuch. München: BLV Buchverlag.

(20) Buckingham, T., Spöttl, T. (2016). Longlines – lange Slacklines, Empfehlungen für Longliner/innen. International Slackline Association. Zugriff am 29.10.2019 unter: http://slacklineinternational.org/wp-content/uploads/2014/12/longline_recommendations_2016_EN_web_v2.pdf

(21) International Slackline Association. (2015). Unfallwarnung. Trommelfellverletzung beim Waterlinen. Zugriff am 29.10.2019 unter: https://www.slacklineverband.com/fileadmin/user_upload/AccidentWarningsTrommelfellISA20151005de_v1.pdf

Die Motive zum Betreiben der Sportart sind vielfältig. Entspannung, Spiel, Spaß und Herausforderung im mentalen und körperlichen Sinne sind die allgemeinen Motive zur Ausübung des Slacklinens (22). Die Slackline an sich hat einen hohen Aufforderungscharakter durch das dynamisch wirkende Seil. Für Anfänger*innen besteht die Herausforderung bereits im einfachen Überqueren des Seils, für Fortgeschrittene bis hin zum Profi bietet das Üben von Tricks eine sportliche und mentale Herausforderung. Sowohl räumliche als auch zeitliche und finanzielle Einstiegsbarrieren sind gering. Die soziale Komponente der Freizeitbeschäftigung in Gruppen in Kombination mit dem Aufenthalt in Parks oder anderen meist urbanen Grünflächen spielen eine große Rolle. So sind laut einer 2012 durchgeführten Befragung in der Stadt Köln der Aufenthalt im Grünen, die Möglichkeit der wohnortnahen Ausübung und die entspannte Atmosphäre unter Freunden Hauptmotive zum Slacklinen (23). Ein weiterer Vorteil ist die einfache Handhabung und damit einhergehende Mobilität mit dem Sportgerät. So können verschiedene Räume beliebig aufgesucht und erlebt werden. Faktoren für die Wahl des Standortes sind Beschaffenheit und Distanz der Anschlagpunkte, variable Wahlmöglichkeit der Aufspannlängen, Untergrundbeschaffenheit und gute Erreichbarkeit. Die Anreise liegt bei einem Großteil bei unter 15 Min. (23).

Laut einer weiteren Studie dient Slacklinen für 80 % der Befragten dem Gleichgewichtstraining und der Entspannung. Generell ist die Motivation vorwiegend durch psychische Faktoren (40 %) geprägt, vor körperlichen (33 %) und sozialen (27 %) Faktoren (24).

Slacklinen wird inzwischen als Trainingsmittel im Breiten- sowie im Leistungssport diverser Sportarten angewandt. Bergsteigen, Klettern, Skifahren, Kampfsport etc. sind Sportarten, die ein gutes Gleichgewichtsgefühl voraussetzen (22, 24).

(22) Zak, H. (2011). Slackline. Das Praxisbuch. München: BLV Buchverlag.

(23) Thomann, A., Jakob, E. (2012). Slacklinen in urbanen Räumen – am Beispiel der Stadt Köln. In Institut für Natursport und Ökologie (Hrsg.), Aktuelle Studien zu Entwicklung und Praxis der Trendsportart Slackline, Schriftenreihe Natursport und Ökologie – Band 28.

(24) Engel, P. (2008). Slackline – ein neuer Trendsport? Hintergründe und Perspektiven. Dissertation am Institut für Sportwissenschaften, Tübingen. S. 53–54.

Slacklinen stellt hohe Anforderungen an Konzentration, Koordination und Gleichgewicht. Es trainiert durch das Balancieren und den damit einhergehenden Ausgleichsbewegungen den gesamten Bewegungsapparat. Mit zunehmender Bandlänge ist die (mentale) Ausdauerfähigkeit stärker gefordert, um die Konzentration aufrecht zu halten. Dies gilt ebenso für zunehmende Höhen. Selbstvertrauen zu gewinnen, Angst zu überwinden und persönliche Grenzen zu erfahren, sind große Bestandteile des Slacklinens. Kontrolliertes Stürzen gehört ebenso zum Training wie das Aufwärmen zu Beginn. Wer mit der Sportart anfängt, sollte sich nach und nach an längere Strecken und an höhere Abstände zum Boden herantasten. Mit der Übung bilden sich die Voraussetzungen zum Erlernen von Tricks aus.

Im Prinzip setzt Slacklinen also keine besonderen Fähigkeiten zur Ausübung voraus. Durch beständiges Üben entwickeln sich die angesprochenen Fähigkeiten kontinuierlich weiter.

Auf generelle Verbote des Slacklinings als Folge von ökologischen Bedenklichkeiten auf öffentlichen Grünflächen wurde in der Slackline-Szene überwiegend mit Unverständnis reagiert. Daraufhin wurde mancherorts bereits eine sinnvolle und von allen beteiligten Gruppen akzeptierte Aktivitätslenkung im Naturraum angestrebt. Beispiele sind in Köln, Stuttgart, Freiburg, Immenstadt, Münster, Karlsruhe und München zu finden.

Einige Städte haben zwar ein Verbot des Slacklinens ausgesprochen, sich im Gegenzug jedoch um Alternativen bemüht. So haben sich Zonen mit slacklinetauglichen Pfosten, die in unterschiedlichen Abständen zueinander stehen, etabliert. In Freiburg z.B. stehen neun solcher Anlagen im gesamten Stadtgebiet zur Verfügung, in Münster 18 (25, 26, 27).

(25) Freiburg im Breisgau. (o.J.). Slacklining in Freiburg. Zugriff am 29.10.2019 unter: https://www.freiburg.de/pb/site/Freiburg/get/params_E-38098006/923240/FlyerSlacklining.pdf

(26) Münster. (2016). Slackline-Anlagen in Münster. Zugriff am 29.10.2019 unter: https://www.stadt-muenster.de/fileadmin//user_upload/stadt-muenster/67_umwelt/pdf/slackline-anlagen_muenster2016.pdf

(27) Thomann, A., Schindelwick, S. (2012). Zur Erstellung von Slacklineparks. In Institut für Natursport und Ökologie (Hrsg.), Aktuelle Studien zu Entwicklung und Praxis der Trendsportart Slackline, Schriftenreihe Natursport und Ökologie – Band 28.

In München haben Vertreter*innen der Sektion München des DAV gemeinsam mit der Parkverwaltung des Englischen Gartens Handlungsempfehlungen erarbeitet, um einem generellen Verbot vorzubeugen, aber dennoch für das Thema Umweltschutz beim Slacklinen zu sensibilisieren und zum entsprechenden Verhalten aufzurufen. Die zugrundeliegende Haltung zeigt sich in folgendem Zitat: „Nur wenn sich alle Beteiligten verantwortungsbewusst zeigen und ihren Teil beitragen, kann es eine nachhaltige Entwicklung ohne Verbote geben“ (28).

(28) DAV (2013). Handlungsempfehlungen Slacklinen im Englischen Garten. Zugriff am 29.10.2019 unter: https://www.jdav-bayern.de/fileadmin/data/Slackline/750-Handlungsempfehlung_Slacklinen_im_Englischen_Garten.pdf