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Wandern

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geben Wanderer*innen durchschnittlich während eines Tagesausflugs aus.
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der Wanderer*innen besitzen wetterfeste Jacken.
- 80 % besitzen Tagesrucksäcke
- 72 % besitzen Wanderschuhe
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aller Deutschen können als aktive Wanderer*innen bezeichnet werden.
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wurde der Deutsche Alpenverein gegründet, der sich um die Erschließung von Wanderwegen in den Alpen kümmerte.
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beträgt der geschätzte gesamtökonomische Effekt, der im Kontext mit Wandern steht.
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Mitglieder zählt der Deutsche Wanderverband.

Wandern ist im Allgemeinen eine Form des Gehens, die sich von anderen Laufsportarten dadurch unterscheidet, dass sie Schrittfolgen ohne Flugphasen beinhaltet (1). Es hängt stark vom individuellen Empfinden ab, ob man von einem Spaziergang oder von einer Wanderung spricht. Je nach Definition wird versucht durch Geschwindigkeit, zurückgelegte Wegstrecke, Dauer oder Motivlage das Wandern von anderen Sportarten und Fortbewegungsformen abzugrenzen. Eine der häufigsten Definitionen des Wanderbegriffs ist die Definition des Deutschen Wanderverbands (DWV), welche Wandern als Gehen in der Landschaft bezeichnet. Demnach handelt es sich beim Wandern um „eine Freizeitaktivität mit unterschiedlich starker körperlicher Anforderung, die sowohl das mentale, wie physische Wohlbefinden fördert. Charakteristisch für eine Wanderung sind: eine Dauer von mehr als einer Stunde, eine entsprechende Planung, die Nutzung spezifischer Infrastruktur sowie eine angepasste Ausrüstung“ (2).

(1) Menzel, A., Endreß, M., Dreyer, A. (2008). Wandertourismus in deutschen Mittelgebirgen. Produkte - Destinationsmarketing - Gesundheit, Hamburg: ITD-Verlag

(2) Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, (BMWi, Hrsg.) (2010). Forschungsbericht: Grundlagenuntersuchung Freizeit- und Urlaubsmarkt Wandern – Langfassung, Zugriff am 15.10.2019 unter: http://www.wanderverband.de/conpresso/_data/Forschungsbericht_web.pdf

Obwohl Wandern prinzipiell als umweltverträgliche Natursportart eingestuft werden kann, grenzen Wanderstrecken oftmals an sensible Naturräume an, weshalb es für Wanderer*innen wichtig ist auf die umliegende Flora und Fauna Rücksicht zu nehmen. Insgesamt können Wanderer*innen einen Beitrag zum Schutz der Natur durch folgende Verhaltensweisen leisten:

  1. Keine Fernreisen unternehmen, um Wandern zu gehen.
  2. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln statt mit dem eigenen PKW anreisen.
  3. Abfall und Einwegverpackungen so weit wie möglich vermeiden und Müll auf keinen Fall in der Natur entsorgen.
  4. Auf den vorgesehenen Wegen bleiben und Weg- sowie Hinweisschilder beachten.
  5. Beim Kauf von wanderbezogener Ausrüstung auf eine nachhaltige Herstellung achten (3).

(3) Seifert-Rösing, I. (2011). Wander Wissen von A bis Z. Stuttgart: Verlag Pietsch

Insgesamt ist die Organisation des Wandersports auf nationaler und auch auf internationaler Ebene sehr komplex. Auf Orts-, Kreis- und Regionalebene wird der Wandersport in der umliegenden Umgebung meist von Wander-, Bergsteiger- und Klettervereinen geregelt. Zu den Aufgabenbereichen zählen unter anderem die Pflege und Markierung von Wanderwegen sowie Natur- und Umweltschutzaufgaben. Ebenfalls haben sich die meisten regionalen Vereine einem überregionalen Wanderverein angeschlossen bzw. sind Mitglied im Verband Deutscher Gebirgs- und Wandervereine e.V. (kurz: Deutscher Wanderverband (DWV)). Eine Eingliederung in den jeweiligen Landessportbund liegt bei den Wandervereinen selten vor. Der DWV ist seinerseits Mitglied in der Europäischen Wandervereinigung (EWV). Darüber hinaus sind zehn deutsche Hauptwandervereine, wie z.B. der Schwäbische Albverein e.V., Sauerländische Gebirgsverein e.V., Schwarzwaldverein e.V., Spessartbund, Harzklub e.V., auch direkte Mitglieder der EWV (4). Der Deutsche Wanderverband stellt hierbei mit rund 600.000 Vereinsmitgliedern den größten Wanderverband in der EWV dar (5).

Auf regionaler Ebene schließen sich in den entsprechenden Landschafträumen häufig die alpinen Vereine an die Wandervereine an. Im Rahmen der alpinen Vereine werden vor allem die Ausbildung in Kletter- und Lawinenkunden, sowie Ausbildungen zu Bergführer*innen durchgeführt. Wie auch die Wandervereine sind die regionalen alpinen Vereine in einer überregionalen Vereinsstruktur, wie dem Deutschen Alpenverein (DAV), zusammengeschlossen. Diese sind durch die Landesverbände in der Union International des Associations d`Alpinisme (UIAA) vertreten. Zusätzlich ist der Deutsche Alpverein als nichtolympischer Spitzenverband im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) organisiert.

Die Studie Wirtschaftsfaktor Outdoorsport gibt für das Wandern in Deutschalnd einen Organisationsgrad von 3 % an. Für viele, vor allem jüngere Wanderer*innen, sind die Vereine sehr traditionell ausgerichtet und eine aktive Mitgliedschaft erscheint wenig attraktiv (6).

(4) Europäische Wandervereinigung (2018). Mitgliedervereine. Zugriff am 15.10.2019 unter: http://www.era-ewv-ferp.com/de/ewv/mitgliedervereine/

(5) Dreyer, A., Menzel, A., Endreß, M. (2010). Wandertourismus – Kundengruppen, Destinationsmarketing, Gesundheitsaspekte. München: Oldenbourg Verlag

(6) Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie und Bundesinstitut für Sportwissenschaft (2017). Wirtschaftsfaktor Outdoorsport. Aktuelle Daten zur Sportwirtschaft. Berlin: Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie

Allgemein wird durch § 14 Abs. 1 des BWaldG geregelt, dass die Betretung des Waldes zum Zwecke der Erholung gestattet ist, jedoch auf eigene Gefahr, besonders in Bezug auf die waldtypischen Gefahren, erfolgt (7). Zu waldtypischen Gefahren zählen unter anderem abbrechende Äste, umstürzende Bäume, Schlaglöcher, hervorstehende Steine auf Feld- und Waldwegen, Steinschlag, Glatteis, Schneeverwehungen und Lawinen. Der § 59 Abs. 1 BNatSchG schließt zudem das Recht ein, die freie Landschaftauf Straßen und Wegen, sowie auf ungenutzten Grundflächen zum Zweck der Erholung betreten zu dürfen. Zum Betreten wird unter anderem Spazieren gehen, Wandern und Nordic Walking gezählt (8). Jedoch ist hier anzumerken, dass das Übernachten in der freien Landschaft nicht mehr im Betretungsrecht mit inbegriffen ist und je nach Ländern bzw. Bundesländern andere Regelungen bestehen. Weiterführend umfasst der Begriff der freien Landschaft auch Waldflächen. Auch darf der Wald außerhalb der Wege, gemäß der Landeswaldgesetze, in Verbindung mit dem BWaldG betreten werden. Insgesamt ist das Betretungsrecht jedoch gemäß des § 59 Abs.1 BNatSchG auf den Erholungszweck beschränkt. Eine Ausweitung diesbezüglich findet sich im Rahmen des § 7 Abs. 1 Nr. 3 BNatSchG wieder, der besagt, dass die natur- und landschaftsverträgliche sportliche Betätigung in der freien Landschaft gestattet ist, soweit dadurch die sonstigen Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege nicht beeinträchtigt werden.

Insgesamt muss jedoch darauf geachtet werden, dass Beschränkungen des Betretungsrechts in der freien Landschaft von Landesnaturschutzgesetzen, Verordnungen, Satzungen und Einzelanordnungen jederzeit vorkommen können. Um Konflikte zu vermeiden, sollten hier am besten die Hinweis- und Wegschilder auf den Wanderwegen befolgt werden (9).

(7) Bundeswaldgesetz vom 2. Mai 1975 (BGBl. I S. 1037), das zuletzt durch Artikel 1 des Gesetzes vom 17. Januar 2017 (BGBl. I S. 75) geändert worden ist

(8) Bundesnaturschutzgesetz vom 29. Juli 2009 (BGBl. I S. 2542), das zuletzt durch Artikel 1 des Gesetzes vom 15.September 2017 (BGBl. I S. 3434) geändert worden ist

(9) Deutscher Wanderverband (DWV, Hrsg.) (2015). Infosammlung Natursport. Allgemeine und rechtliche Aspekte für die Ausübung von Natursportarten und die Herstellung begleitender Infrastruktur. 1. Auflage

Obwohl Wandern prinzipiell in jedem Landschaftsraum ausgeübt werden kann, gibt es starke Präferenzen bezüglich der bevorzugten Landschaftstypen. Die Mittelgebirge sind mit Zielgebieten wie dem Schwarzwald, Bayerischen Wald, Allgäu und Harz als bedeutende wanderaffine Destinationen zu nennen. Auch jüngere Wanderdestinationen wie der Bodensee, die Lüneburger Heide oder die Mosel sind bei der spontanen Nennung von Zielgebieten weit vorne (10). Obwohl etwa 50 % der Aktiven bevorzugt im Mittelgebirge wandern, sind auch leichte Wanderungen im Flachen ein beliebtes Ziel für knapp 30 % der aktiven Wanderer*innen. Nur etwa 21 % wünschen sich anspruchsvolle Wanderungen mit großen Höhenunterschieden. Auch das norddeutsche Tiefland bietet Wandern in seinem Portfolio an, z.B. die Nordpfade im Lkr. Rothenburg-Wümme (11). Individuelle Vorlieben für die unterschiedlichen Gebirgsregionen variieren außerdem stark nach dem Wohnort. So werden das Mittelgebirge und das Flachland vorrangig von Wanderer*innen bevorzugt, die räumlich und topografisch in der Nähe wohnen. Das Hochgebirge wird dagegen überdurchschnittlich stark von Wanderer*innen präferiert, für die das Hochgebirge einen Kontrastpunkt zur eigenen landschaftlichen Umgebung darstellt (12).

Der „allgemein interessierte und geübte Wanderer“ ist gerne auf attraktiven und abwechslungsreichen Wegen und stellt hohe Anforderungen an den Wanderweg. Wanderer*innen bevorzugen meist möglichst naturbelassene Wege, während asphaltierte Strecken als unangenehm empfunden werden. Die Wanderer*innen erwarten neben einer attraktiven Landschaft, bevorzugt mit Aussichtspunkten, vor allem ein gut organisiertes Wanderleitsystem im Gelände, welches ihnen als Orientierungshilfe bei der Wanderung dient (13). Hier bietet sich ein System von Wanderwegen an, dass zwischen den Bedürfnissen der Wanderer*innen und denen des Naturschutzes vermittelt. Diesem abgestimmten System kommt eine Lenkungsfunktion in Hinblick auf Besucherströme zu, die besonders für ökologisch sensible Räume relevant ist. Die Anforderungen von Wanderer*innen an die Wanderwege spiegeln sich in Qualitätskriterien für Wanderer*innen, z.B. beim „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“, wider, bei dem mit 23 Wahl- und 9 Kernkriterien die Wirkung von Natur und Landschaft auf die Wanderer*innen bewertet wird. Strukturelle Voraussetzungen umfassen neben den Wanderwegen, Wegmarkierungen und Wegweisern auch Freizeit- und Grillplätze, Schutz- und Berghütten, Brücken, Schautafeln, Erlebnispfade sowie Wanderparkplätze (14).

(10) Project M GmbH (2014). Wanderstudie. Der deutsche Wandermarkt 2014.

(11) BTE Tourismus- und Regionalberatung, Deutscher Wanderverband (2018). Wandertourismus in Deutschland.

(12) Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (2010). Forschungsbericht: Grundlagenuntersuchung Freizeit- und Urlaubsmarkt Wandern – Langfassung. Berlin: Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie.

(13) Wanderbares Deutschland (o.J.). Prädikat für Wanderwege. Kassel: Deutscher Wanderverband Service GmbH. Letzter Zugriff am 15.10.2019 unter: https://www.wanderbares-deutschland.de/wanderwege/qualitaetswege/das_qualitaetszeichen.html

(14) Wanderbares Deutschland (o.J.). Qualitätsweg Wanderbares Deutschland. Kassel: Deutscher Wanderverband Service GmbH. Letzter Zugriff am 15.10.2019 unter: https://www.wanderbares-deutschland.de/wanderwege/qualitaetswege/das_qualitaetszeichen.html

Insgesamt kann Wandern als eine der umweltverträglichsten Natursportarten angesehen werden, da der Einschnitt in die Natur aufgrund der Wanderaktivitäten sehr gering ist (15, 16). So können z.B. bereits angelegte Forstwege zum Wandern genutzt werden und es müssen nur wenige Wege speziell für das Wandern angelegt werden. Da besonders naturbelassene Wege bei Wanderer*innen bevorzugt werden, müssen die Wege außerdem nicht asphaltiert werden, sodass der Eingriff in das umliegende Ökosystem geringer ausfällt (17). Belastend für die Umwelt wirken sich allerdings die Anreise mit dem PKW und die benötigte Infrastruktur, wie Parkplätze, Besucherzentren und evtl. Beherbergung und Gastronomie aus. Durch den Auf- und Ausbau der Infrastruktur werden unter anderem Lärm, Boden-, Wasser, und Luftverschmutzung, sowie eine Zerschneidung der Naturräume und Flächenversiegelung verursacht (15).

Neben diesen möglichen negativen Einflüssen gibt es noch zahlreiche weitere Störfaktoren bezüglich der Tierwelt, welche in direkte und indirekte Störungen unterteilt werden können. Zu den direkten Störfaktoren gehören dabei alle Aktivitäten, die eine Verhaltensänderung der Tiere verursachen (18). Hierzu zählen das reine Aufschrecken von Tieren, die konditionelle Schwächung bzw. gesamtheitliche Veränderung der Fitness, sowie eine Beeinflussung der Population und des gesamten Ökosystems (19). Auch wenn sich Wanderer*innen nicht sonderlich laut verhalten, können die reine Anwesenheit, die natürlichen Geräusche beim Wandern und ebenso die Gerüche dazu führen, dass Tiere sich in ihrem Lebensraum gestört fühlen. Entscheidend bei diesen Störeinflüssen ist, ob die Tiere Möglichkeiten haben sich an die Veränderungen anzupassen. Bleiben Wanderer*innen auf den vorgesehenen Wanderwegen wird das Verhalten für die Tiere in gewisser Weise berechenbar und das Verhalten kann entsprechend der Störlinien angepasst werden (18).

Problematisch ist in diesem Zusammenhang jedoch das Verlassen der angelegten Wege, da dadurch Tiere verstärkt aufgeschreckt werden können und es zu zusätzlichen Trittschäden in evtl. bewusst nicht erschlossenen, sensiblen Naturräumen kommen kann. Besonders gefährlich sind solche Störungen der Tiere im Winter, da in dieser Zeit viele Tiere sehr sparsam mit ihren Energievorräten umgehen müssen und diese Reserven durch das unerwartete Aufschrecken verbraucht werden (19, 20). Von indirekten Störfaktoren spricht man daher, wenn durch den Sporttourismus die Fläche des für Wildtiere geeigneten Lebensraums reduziert wird oder eine Verschiebung der Konkurrenzbedingungen zwischen Tierarten stattfindet. Dies tritt z.B. ein, wenn ein sehr hohes Müllaufkommen im Naturraum durch die Wanderer*innen verursacht wird und so Tierarten gefördert werden, welche Abfälle als Nahrung nutzen (18). 

Obwohl Wandern insgesamt als umweltverträgliche Sportart eingestuft werden kann, ist es dennoch wichtig sich als Wanderer*in bewusst zu machen, dass man sich in einem Naturraum befindet, welcher vielen Tier- und Pflanzenarten als Lebensraum dient und daher entsprechend Rücksicht genommen werden muss.

Laut einer Umfrage des DWV halten 79 % aller Natursporttreibenden Umwelt- und Klimaschutz für sehr wichtig. Entsprechend sind Wanderer*innen, die die größte Gruppe unter den Natursporttreibenden ausmachen, für diese Botschaft in der Regel sehr gut erreichbar (21).

(15) Dreyer, A., Menzel, A., Endreß, M. (2010). Wandertourismus – Kundengruppen, Destinationsmarketing, Gesundheitsaspekte. München: Oldenbourg Verlag

(16) Job, H., Vogt, Ö. (2003). Freizeit/Tourismus und Umwelt – Umweltbelastungen und Konfliktlösungsansätze. erschienen in: Becker, C. Hopfinger, H. und Steinecke, A. (Hrsg.). Geographie der Freizeit und des Tourismus, München: Oldenbourg Verlag

(17)  Wanderbares Deutschland (o.J.). Prädikat für Wanderwege. Kassel: Deutscher Wanderverband Service GmbH. Zugriff am 15.10.2019 unter: https://www.wanderbares-deutschland.de/wanderwege/qualitaetswege/das_qualitaetszeichen.html

(18) Suchant, R. (2005). Sporttourismus in Wildtierlebensräumen (?)(!). erschienen in: Institut für Natursport und Ökologie (Hrsg.) (2005). Kongressbericht. Umwelt, Naturschutz und Sport im Dialog. Sport in Naturschutzgebieten. 2. Kongress an der Deutschen Sporthochschule Köln vom 13. – 14. September 2004

(19) Stock, M. Bergmann, H.-H., Helb, H.-W., Keller, V., Schnidirg-Petrig, R. & Zehnter, H.-C. (1994). Der Begriff Störung in naturschutzorientierter Forschung: ein Diskussionsbeitrag aus ornithologischer Sicht, erschienen in: Zeitschrift für Ökologie und Naturschutz 3, S.49 – 57

(20) Seifert-Rösing, I. (2011). Wander Wissen von A bis Z. Stuttgart: Verlag Pietsch

(21) Deutscher Wanderverband (2019). Natursport in Deutschland - eine Studie zu Einstellungen, Verhalten und Kommunikation von Natursporttreibenden. Letzter Zugriff am 25.02.2020 unter: https://natursport-umwelt-bewusst.de/download/2493/

Konflikte mit anderen Sportler*innen
Da nur selten Wege für verschiedene Natursporttreibende getrennt ausgewiesen werden (z.B. für Wanderer*innen und Mountainbiker*innen), kommt es besonders in touristisch stark frequentierten Bereichen und Naherholungsgebieten zu Nutzungskonflikten bzw. zu einem eher subjektiven Gefühl der Störung und Unfallgefahr (22). Gemäß der Sozial-Konflikte-Studie Harz (23) birgt das schnelle und vor allem lautlose Annähern von Mountainbiker*innen von hinten an die Wanderer*innen das größte Konfliktpotential, da durch das plötzliche Auftauchen die Wanderer*innen erschreckt werden. Aus Sicht der Mountainbiker*innen werden Wanderer*innen oftmals als langsamere Hindernisse angesehen. Ebenso herrscht ein mangelndes Verständnis für die andere Sportart aufgrund der unterschiedlichen Motivationen und den Altersunterschieden zwischen den beiden Gruppen. Jedoch fühlen sich lediglich ein Viertel der befragten Wanderer*innen von den Mountainbiker*innen aufgrund der hohen Fahrgeschwindigkeit oder zu spätem Abbremsen gestört. Insgesamt ist hier anzumerken, dass objektiv betrachtet beim Aufeinandertreffen von Wanderer*innen und Mountainbiker*innen ein geringes Konfliktpotential besteht, wenn beide Parteien ein rücksichtsvolles Verhalten an den Tag legen (24).

Viele Natursporttreibende (gut 80 %) sind heute zudem Multisportler*innen, d.h. sie betreiben mehr als eine Natursportart. So geben 67 % der Mountainbiker*innen an, auch zumindest gelegentlich zu Wandern. Umgekehrt geben zumindest 14 % der Wanderer*innen an, auch mit dem Mountainbike unterwegs zu sein (25).

Konflikte mit Jäger*innen
Besonders bei stark frequentierten Bereichen sind zudem Jäger*innen in ihrer Ausübung beeinträchtigt, da durch Wanderer*innen Wildtiere gestört werden können und sich eventuell in andere Gebiete zurückziehen müssen (26). Bei einem hohen Aufkommen von Wanderer*innen (genauso wie bei anderen Naturnutzenden) besteht dabei die Gefahr, dass sich der Wildbestand in betroffenen Gebieten verändert oder verkleinert (27). Aufgrund der hohen Pachten, die seitens der Jäger*innen bezahlt werden müssen, tritt schnell Unzufriedenheit ein und die Jäger*innen können unter Umständen eine Absenkung der Jagdpacht aufgrund des geringeren Wildbestands fordern. Dies würde wiederum wirtschaftliche Verluste für die Grundbestizer*innen mit sich bringen und das Konfliktpotential weiter erhöhen (24).

Konflikte mit anderen Naturnutzern
Laut einer Studie geben sowohl Mountainbiker*innen (29 %) als auch Wanderer*innen (20 %) an, schonmal Konflikte mit Hundebesitzer*innen gehabt zu haben.

Insgesamt geben aber 53 % der Wanderer*innen an, noch keine Probleme mit anderen Naturnutzer*innen gehabt zu haben, weitere 40 % nur (sehr) selten. Dies spricht dafür, dass das Miteinander in der Fläche recht gut funktioniert (25).

(22) Dreyer, A., Menzel, A., Endreß, M. (2010). Wandertourismus – Kundengruppen, Destinationsmarketing, Gesundheitsaspekte. München: Oldenbourg Verlag

(23) Reibetanz, S. (2008). Zielgruppenkonflikte zwischen Mountainbikern und Wanderern am Beispiel der Nationalparkregion Harz, unveröffentlichte Diplomarbeit, Hochschule Harz, Wernigerode, Auszüge erschienen in: Dreyer, A., Menzel, A., Endreß, M. (2010). Wandertourismus – Kundengruppen, Destinationsmarketing, Gesundheitsaspekte. München: Oldenbourg Verlag

(24) Löser, T. (2013). Waldnutzungskonflikte durch Outdooraktivitäten. Eine Analyse am Beispiel der touristischen Destination Sauerland – erschienen in: GEOFOCUS Heft 6. Zugriff am 15.10.2019 unter: https://www.uni-marburg.de/de/fb19/forschung/reihen/geofocus-marburg-pdf/geofocus6.pdf

(25) Deutscher Wanderverband (2019). Natursport in Deutschland - eine Studie zu Einstellungen, Verhalten und Kommunikation von Natursporttreibenden. Letzter Zugriff am 25.02.2020 unter: https://natursport-umwelt-bewusst.de/download/2493/

(26) Suchant, R. (2005). Sporttourismus in Wildtierlebensräumen (?)(!). erschienen in: Institut für Natursport und Ökologie (Hrsg.) (2005). Kongressbericht. Umwelt, Naturschutz und Sport im Dialog. Sport in Naturschutzgebieten. 2. Kongress an der Deutschen Sporthochschule Köln vom 13. – 14. September 2004

(27) Stock, M. Bergmann, H.-H., Helb, H.-W., Keller, V., Schnidirg-Petrig, R. & Zehnter, H.-C. (1994). Der Begriff Störung in naturschutzorientierter Forschung: ein Diskussionsbeitrag aus ornithologischer Sicht, erschienen in: Zeitschrift für Ökologie und Naturschutz 3, S.49 – 57

Die Anfänge des Wanderns gehen bereits ins 18. Jahrhundert zurück. Hier standen jedoch nicht der Spaß und die Erholung, sondern primär wirtschaftliche Gründe, im Vordergrund. So waren Wanderungen im Mittelalter fester Bestandteil bestimmter Berufs- und Sozialgruppen wie z.B. bei Kaufleuten, Händlern und jungen Handwerkern. Bis ins 17./18. Jh. galten Berge und tiefe Wälder als gefährlich und unheimlich, und wurden von Großteilen der Gesellschaft gemieden (28). Dies änderte sich jedoch ab der Mitte des 19. Jh., welches auch als goldenes Zeitalter des Alpinismus bezeichnet wird (29). Hier kam es zu zahlreichen Erstbesteigungen der Hochgebirge und der Eroberungsgedanke etablierte sich in der Gesellschaft (30). Durch die Gründung des Deutschen Alpenvereins (DAV) im Jahr 1869, wurden die Alpen zunächst durch Wege und einfache Unterkünfte erschlossen, und später auch erste Naturschutzrichtlinien implementiert. Wandern wurde nun zunehmend nicht nur aus wirtschaftlicher Notwendigkeit, sondern zum Genuss und Spaß betrieben. So gründete sich bereits 1864 mit dem „Badischen Schwarzwaldverein“ der erste deutsche Wanderverein. 1883 gründeten 15 Gebirgs- und Wandervereine den heutigen DWV unter dem Namen Verband Deutscher Touristen-Vereine. Im 20. Jh. wurde der Wandersport dann besonders durch die Jugendbewegung geprägt, welche sich von traditionellen Gesellschaftsformen differenzieren wollte, und Abenteuer und Abhärtung unter Gleichgesinnten in der Natur suchte (28).

Durch die zunehmende Beliebtheit des Wanderns wurde die Infrastruktur in Form von Aussichtsstürmen, Wanderheimen und Wanderhütten sowie provisorischen Jugendunterkünften verbessert. Ab den 60er-Jahren etablierten sich ebenfalls zunehmend Vereinsstrukturen im Bereich Wandern. Nach dem Zweiten Weltkrieg gründeten sich der Deutsche Wanderer- und Bergsteigerverband im Jahr 1957 und die Europäische Wandervereinigung im Jahr 1969 (29). Neben der Erhaltung der Infrastruktur wurden zunehmend naturschutzorientierte Aufgabenbereiche in die Vereinsarbeit mit aufgenommen (29). Insgesamt ging man jedoch bis in die 70er-Jahre davon aus, dass Wanderer*innen eine Zielgruppe ohne besondere Bedürfnisse darstellen. Erst ab den späten 90er-Jahren erfolgte ein Umdenken und die Bedürfnisse der Wanderer*innen wurden anerkannt und zukünftig in der Wegeplanung berücksichtigt (31).

(28) Dreyer, A., Menzel, A., Endreß, M. (2010). Wandertourismus – Kundengruppen, Destinationsmarketing, Gesundheitsaspekte. München: Oldenbourg Verlag

(29) Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (2010). Forschungsbericht: Grundlagenuntersuchung Freizeit- und Urlaubsmarkt Wandern – Langfassung. Berlin: Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie.

(30) Specht, J. (2009). Fernwandern und Pilgern in Europa. Über die Renaissance der Reise zu Fuß, Wien: Profil-Verlag (Eichstätter Tourismus- wissenschaftliche Beiträge, 11)

(31) Deutscher Wanderverband (2008). 125 Jahre Wandern und mehr.Petersberg: Michael Imhof Verlag

Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an verschiedenen Wanderarten, die unterschiedlich kategorisiert werden. Durch moderne Wandervarianten sowie moderne Bezeichnungen, wie Hiking statt Wandern, wird versucht das Image des Wanderns zu verjüngen und auch junge Konsumentengruppen anzusprechen (32). Wandern kann allgemein anhand verschiedener Parameter wie Höhenlagen, Dauer, Motivation und Thema unterschieden werden.

Bei der Unterscheidung nach Höhenlagen ist vor allem der Landschaftsraum entscheidend. So beinhalten Wanderungen geografische Veränderungen wie eine Veränderung des Höhenprofils, unterschiedliche Steigungen und ebenfalls klimatische Veränderung, wie z.B. Veränderungen des Luftdrucks und der Temperatur. Je nachdem, wie stark diese Differenzen ausfallen, ergeben sich unterschiedlich starke Belastungsanforderungen beim Wandern (32).

Flachlandwanderungen
Bei Flachlandwanderungen durch Heidelandschaften, an Küsten oder Stränden wird insgesamt eine geringe körperliche Belastung gefordert, da wenige Auf- und Abstiege vorhanden sind. Ebenfalls werden in Abhängigkeit von der Gehgeschwindigkeit und der Streckenlänge die Gelenke geschont und der Blutdruck steigt nicht sonderlich an. Eine besondere Form der Flachlandwanderung stellt das Wattwandern dar, da sich hier spezielle körperliche Anforderungen durch den moorartigen Untergrund ergeben und ein gewisses Risiko aufgrund der Gezeitenabhängigkeit besteht. Ähnlich anstrengende körperliche Anforderungen ergeben sich auch beim Wandern auf sandigen Wegen (32, 33).

Mittelgebirgswanderungen
Bei Mittelgebirgswanderungen sind vor allem sehr schöne Aussichten durch die stetig wechselnden Landschaften und Streckenprofile prägend. Jedoch sind auch die physischen Belastungen wie z.B. der benötigte Kraftaufwand, durch die stärkeren Auf- und Abstiege höher. Zudem muss die Laufgeschwindigkeit und Schrittgestaltung aufgrund der unterschiedlichen Landschaftsprofile angepasst werden (32, 33).

Hochgebirgswanderungen
Wanderungen im Hochgebirge stellen die anspruchsvollste Form des Wanderns dar, weil meteorologische Besonderheiten, starke Höhenunterschiede, gebirgsspezifische Streckenbedingungen und Gefahren, sowie hohe körperliche Anforderungen aufeinander treffen. Oftmals suchen Wanderer*innen im Bereich der Hochgebirgswanderungen bewusst körperliche und psychische Herausforderungen. Nicht unüblich sind hier auch Teiletappen entlang von Klettersteigen, welche eine spezielle Ausrüstung und ein hohes Maß an Vorbereitung voraussetzen (32).

 

Des Weiteren können verschiedene Wanderarten anhand der zugrunde liegenden Motivation differenziert werden.

Sportlich-orientiertes Wandern
Beim sportlich-orientierten Wandern steht der Leistungsaspekt im Vordergrund. In den letzten Jahren stieg die Zahl an 24-Stunden-Wanderungen und Wandermarathonveranstaltungen in Deutschland deutlich an. Obwohl Wandern zwar generell als Freizeitsport einzuordnen ist, sind die Routen beim sportlichen Wandern körperlich anspruchsvoll gestaltet wie z.B. durch die generelle Bewältigung von langen Strecken, höheren Schwierigkeitsgraden, intensiverer Geschwindigkeit oder einer insgesamt höheren Gesamtbelastung. Die Motivation beim sportlich-orientierten Wandern ist besonders das Erreichen von eigenen körperlichen Grenzen und die Suche nach Herausforderungen. Beliebt ist außerdem das Messen von Wanderzeiten und zurückgelegten Höhenmetern. Zu den sportlich-orientierten Wanderarten zählen unter anderem Gipfel- und Höhenwanderungen, sprich hochalpines Wandern, Fern- und Weitwandern, Trekking und Expeditionen (32).

Genusswandern
Das Genusswandern stellt nicht die körperliche Leistungsfähigkeit, sondern das Landschafts- und Naturerlebnis in den Vordergrund. Wichtig hierbei sind das Erleben des gemeinschaftlichen Wanderns und das Einlegen von längeren Pausen, um z.B. das Wandern mit regionalen Kulinarikangeboten zu verbinden (32).

DWV-Gesundheitswandern
Die positiven Auswirkungen des Wanderns auf die Gesundheit – sowohl körperlich als auch psychisch - sind bekannt und werden in immer mehr Studien belegt. Gefördert vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) startete der DWV 2008 seine Bewegungs- und Gesundheitsinitiative „Let´s go – jeder Schritt hält fit“. Ein Schwerpunkt ist das DWV-Gesundheitswandern. Dieses kombiniert kurze Wanderungen mit Übungen zur Verbesserung von Kraft, Koordination, Beweglichkeit, Dehn- und Entspannungsfähigkeit sowie kurzen theoretischen Einheiten zu einem gesunden Lebensstil. Ziel ist es, inaktive Menschen in Bewegung zu bringen. Angeleitet werden diese Wanderungen von, in einer 5-tägigen Schulung vom DWV ausgebildeten, Gesundheitswanderführer*innen.

Das DWV-Gesundheitswandern wurde in drei Studien wissenschaftlich evaluiert. Nachgewiesen wurden unter anderem die Verbesserung von Ausdauer und Gleichgewicht der Probanden sowie positive Auswirkungen auf das Gewicht (32). Die Teilnehmer*innen geben an, die Kombination aus Wandern und Übungen besonders zu schätzen. Außerdem fühlen sich 82% seit Beginn des Gesundheitswanderns trittsicherer, über 80 % insgesamt besser und 52 % leistungsfähiger in Alltag und Beruf (33). Unter bestimmten Voraussetzungen ist das DWV-Gesundheitswandern von den Gesetzlichen Krankenkassen im Handlungsfeld „Bewegung“ des Leitfadens Prävention präventionsanerkannt. DWV-Gesundheitswandern wird nicht nur in den Mitgliedsvereinen des DWV angeboten, sondern zunehmend auch in sozialen Einrichtungen und im Rahmen gesundheitstouristischer Angebote.

Weitere gesundheitsorientierte Wanderangebote sind unter anderem das Barfußwandern oder Fastenwandern (33, 34, 35).

Exkursionen/Lehrwanderungen
Weitere Wanderarten sind zudem Exkursionen und Lehrwanderungen, welche häufig unter Leitung stattfinden und ein wissenschaftliches Ziel verfolgen. Eine Exkursion kann dabei zeitlich von einem Tag bis zu mehreren Wochen variieren (32).

Besonders im Bereich der Produktgestaltung wird das Arbeiten mit Themen zunehmend wichtiger, um Wanderer*innen immer neue Erlebnisse zu bieten. Potentiale bieten daher Themenwege in Form von einer speziellen geschichtlichen, kulturellen oder naturwissenschaftlichen Ausrichtung. Die Themenentwicklung sollte sich hierbei sowohl an den Bedürfnissen der Wanderer*innen orientieren, als auch an natürliche und kulturelle, regionale Gegebenheiten angepasst werden (32).

Trail Running
Um das Wandern ebenfalls bei jüngeren Zielgruppen attraktiv zu gestalten, wurden in den letzten Jahren neuere Wanderformen, wie z.B. Trail Running entwickelt. Beim Trail Running findet sich ein kontinuierlicher Laufschritt wieder. Durch die Zurücklegung von bis zu 1.200 Höhenmetern pro Stunde steht hier deutlich der sportliche Leistungsaspekt im Vordergrund (37, 38).

Spirituelles Wandern/Pilgern
Neben den sportlichen neuen Wanderformen erlebt in letzter Zeit ebenfalls das spirituelle Wandern bzw. Pilgern einen Boom. Hauptmotive dabei sind die Selbstfindung und Besinnung auf das Wesentliche (37).

(32) Dreyer, A., Menzel, A., Endreß, M. (2010). Wandertourismus – Kundengruppen, Destinationsmarketing, Gesundheitsaspekte. München: Oldenbourg Verlag

(33) Hottenrott, K., Lösche, A., Radetzki, M., Schulze, S. (2012). Bericht: Studie zur Evaluation des Gesundheitswanderkurses des Deutschen Wanderverbandes. Institut für Leistungsdiagnostik und Gesundheitsförderung e.V.

(34) Hottenrott, K. et. al. (2014). Studie zur Evaluierung des Gesundheitswanderns, zertifiziert nach Deutscher Wanderverband

(35) Dicks, U., Merkel, C. (2015). Gesundheitswandern, zertifiziert nach Deutscher Wanderverband - ein interessantes Segment für den Tourismus? in: Quack, H.-D. (Hrsg.): Wandern und Gesundheit, Konzepte und Erfahrungen für einen wachsenden Markt

(36) Menzel, A., Endreß, M., Dreyer, A. (2008). Wandertourismus in deutschen Mittelgebirgen. Produkte - Destinationsmarketing - Gesundheit, Hamburg: ITD-Verlag

(37) Grober, U. (2012). Vom Wandern: Neue Wege zu einer alten Kunst, München:ro.wohlt,

(38) Gollner, E. (2012). Speed Hiking: die sportliche Form des Wanderns. Aachen: Meyer & Meyer Sport

Etwa 70 % der deutschen Bevölkerung können als aktive Wanderer*innen bezeichnet werden (39). Mehr als die Hälfte (46 %) aller Deutschen wandert gelegentlich, 27 % aller Deutschen wandert sogar regelmäßig. Gewandert wird in allen Altersgruppen, die Intensität nimmt jedoch mit steigendem Alter zu (40). Wesentliche Antriebskräfte für das Wandern sind „die Natur erleben“, „sich bewegen, aktiv sein“, „etwas für die Gesundheit tun“ und „eine Region erleben“. Diese Hauptmotive haben sich in den letzten Jahren kaum geändert, zusätzlich sind innenorientierte Motive wie „Stress abbauen“ oder „zu sich selber finden“ von zunehmender Bedeutung geworden. Der Wunsch neue Eindrücke zu erleben wird dagegen als weniger wichtig betrachtet. Mit zunehmender Wanderintensität ist auch eine stärkere Motivausprägung wahrzunehmen. Vor allem bewegungs- und gesundheitsbezogenen Motive haben bei den regelmäßigen Wanderer*innen einen höheren Stellenwert. Der Aspekt „Natur erleben“ zieht sich jedoch durch alle Altersklassen und Intensitäten gleichermaßen. Geringe Schwankungen der Motive sind vor allem abhängig vom Alter. Für jüngere Wanderer*innen (bis 29 Jahre) sind die besuchte Region, sowie weitere erlebnisorientierte Motive, von hohem Interesse. Demgegenüber stehen die Wanderer*innen im Alter von 30-59 Jahre, denen neben Selbstbesinnung und Ruhe auch gesundheitsorientierte Motive wichtig sind (39).

(39) Project M GmnB (2014). Wanderstudie. Der deutsche Wandermarkt 2014.

(40) BTE Tourismus- und Regionalberatung, Deutscher Wanderverband (2018). Wandertourismus in Deutschland.

Wandern ist für fast Jede*n möglich. Es gilt als „natürlichste Bewegungsform des Menschen“, (41) welche nicht extra erlernt werden muss. Aufgrund der individuellen Gestaltungsmöglichkeiten hinsichtlich der körperlichen Belastung ist die Einstiegsbarriere sehr niedrig. Je nach Wanderform kann es notwendig sein, angepasste Ausrüstung zu kaufen bzw. entsprechende körperliche Anforderungen zu erfüllen, wie z.B. körperliche Belastungsfähigkeit bei Hochgebirgswanderungen. Erfahrene Wanderer*innen haben weiterführend meist Kenntnisse über Wetter- und Kartenkunde, Orientierung, Erste Hilfe und das Verhalten in Höhenlagen (42). Inzwischen gibt es zudem einige Wanderwege, die barrierearm gestaltet sind und flache und gut zugängliche Wege, sowie tastbare Reliefkarten für Sehbehinderte und Weiteres anbieten (42), sodass Wandern für fast jede*n möglich gemacht wird.

(41) Dreyer, A., Menzel, A., Endreß, M. (2010). Wandertourismus – Kundengruppen   Destinationsmarketing, Gesundheitsaspekte. München: Oldenbourg Verlag

(42) Seifert-Rösing, I. (2011). Wander Wissen von A bis Z. Stuttgart: Verlag Pietsch

Wandern stellt einen wichtigen Wirtschaftsfaktor dar. Etwa 80 % aller Wanderungen werden als Tageswanderungen durchgeführt (44). Wanderregionen profitieren daher besonders vom Tagesausflugsverkehr und nicht vom übernachtenden Reiseverkehr. Vernetzte Angebote im Bereich öffentlicher Personennahverkehr, Gastronomie und Einzelhandel vor Ort bringen somit hohe Wertschöpfungspotenziale mit sich. Da häufig in Wohnortnähe gewandert wird, gehören zu den potenziellen Übernachtungsgästen, die Gelegenheitswanderer*innen im Urlaub oder die Intensivwanderer*innen (43). Im Rahmen der touristischen Ausgaben, geben Wanderer*innen während Tagesausflügen ca. 15,50 € pro Tag aus und übernachtende Wanderer*innen im Durchschnitt 57 € pro Tag. Hierbei sind An- und Abreisekosten noch nicht mit eingerechnet, sodass insgesamt von höheren Ausgaben ausgegangen werden kann. Insgesamt werden jährlich rund 380 Mio. Tageswanderungen unternommen (44).

Einnahmen, die durch Gastronomie, Einzelhandel oder Beherbergung in den Zielgebieten generiert werden, sind jedoch nicht der einzige wirtschaftliche Faktor im Wandertourismus. Der größte Umsatz setzt schon in den Quellgebieten ein. Er wird durch den Verkauf von wanderbezogener Ausrüstung generiert. Insgesamt kann davon ausgegangen werden, dass ca. 92 % der Wanderer*innen wetterfeste Jacken, 80 % Tages-Rucksäcke und 72 % Wanderschuhe besitzen. Der Grad der Ausrüstung hängt dabei stark von der Intensität des Wanderns ab. Dabei gilt, je höher die Wanderneigung, desto mehr Ausrüstung wird gekauft. Da diese Produkte jedoch zunehmend zu Lifestyle Produkten und Statussymbolen werden, besitzen auch viele Nicht-Wanderer*innen typische Wanderprodukte. So haben ca. 74 % der Nicht-Wanderer*innen wetterfeste Jacken bzw. 50 % einen Tagesrucksack. Im Durchschnitt gibt jeder Wanderer 92 € für wanderspezifische Ausrüstungsgegenstände aus. Hochgerechnet auf die rund 40 Mio. Wanderer*innen in Deutschland bedeutet dies einen Gesamtumsatz von 3,7 Mia. € allein für wanderbezogene Ausrüstungsgegenstände (44).

Neben der allgemein erhöhten Nachfrage ist, entgegen der Annahme, dass Wandern nur in Gebirgslandschaften beliebt sei, auch davon auszugehen, dass Seen- und Flachlandschaften im Wettbewerb bestehen können. Einzelne Destinationen können stark vom hohen regionalwirtschaftlichen Effekt des Wanderns profitieren. Auch der Ausbau des gastronomischen Angebots bietet weitere wirtschaftliche Potenziale, da Wanderer*innen gern häufiger einkehren würden, als es das Angebot an den Wanderwegen erlaubt. Die Schätzungen des gesamten ökonomischen Effekts durch den Wandertourismus variieren insgesamt zwischen 11 - 11,5 Mio. € pro Jahr, die im Kontext Wandern ausgegeben werden (43, 44).

(43) Project M GmbH (2014). Wanderstudie. Der deutsche Wandermarkt 2014.

(44) Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (2010). Forschungsbericht: Grundlagenuntersuchung Freizeit- und Urlaubsmarkt Wandern – Langfassung. Berlin: Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie.

Die Aufklärungskampagne „Dein Freiraum. Mein Lebensraum. Verantwortungsvoll in der Natur unterwegs.“ soll Menschen im Oberallgäu über die Schönheit und Einzigartigkeit der Natur aufklären und sie gleichzeitig für schützenswerte Tier- und Pflanzenarten sensibilisieren. Damit sensible Naturräume zum persönlichen Freiraum werden können, muss ein verantwortungsvoller Umgang mit der Natur angestrebt werden. Leitidee der Kampagne ist, dass der Wunsch nach Freiraum und der Schutz von sensiblen Lebensräumen funktionieren können, wenn sich jede*r Einzelne verantwortungsvoll im Naturraum, in dem er/sie sich bewegt, verhält. Mit Infotafeln im Gebiet sollen Tipps für den verantwortungsvollen Umgang gegeben werden. Außerdem informieren sie über schützenswerte Flora und Fauna und schlagen naturverträgliche Routen vor. Stoppschilder vor Ort markieren Wald-Wild-Schongebiete, welche dazu dienen, die Besucher*innen aufzuklären, aus welchem Grund sie diese Gebiete meiden sollen. Auf der Homepage der Kampagne sind zusätzlich Wandertouren frei zugänglich einsehbar, die naturverträgliche Wege ausweisen. Die Touren berücksichtigen den persönlichen Freiraum der Wandernden sowie die Lebensräume der seltenen Tier- und Pflanzenwelten im Oberallgäu. Verhaltensempfehlungen in den einzelnen Gebietsflyern sollen das Verantwortungsbewusstsein, für die jeweiligen Räume in denen sich die Wanderwege befinden, zusätzlich ansprechen (45).

(45) Dein Freiraum. Dein Lebensraum (2019). Verantwortungsvoll in der Natur unterwegs. Die Kampagne. Zugriff am 15.10.2019 unter: http://www.freiraum-lebensraum.info/kampagne/das-konzept/

Die Kampagne „Respektiere deine Grenzen“ wurde 2004 von der Vorarlberger Landesregierung ins Lebens gerufen, um für den schützenswerten Naturraum zu sensibilisieren und dazu aufzurufen, Verantwortung im Umgang mit der Natur zu übernehmen. Inzwischen beteiligen sich weitere österreichische Länder sowie die Schweiz, das Fürstentum Liechtenstein und Bayern an dieser Intitiative. Es handelt sich um eine Kampagne, die sich speziell für eine verantwortungsbewusste Ausübung von Aktivitäten im Winter und Schnee einsetzt. Die zentralen Säulen der Kampagne sind Aufklärung über die komplexen Zusammenhänge und Wechselwirkungen zwischen Menschen und Natur, Medienarbeit zur Verbreitung der Botschaften und Markierung der Schutzzonen und Wege. Mittels Markierungen vor Ort werden rechtsverbindliche Wildruhezonen markiert. Bei einem Betreten abseits der erlaubten Wege machen sich Besucher*innen damit strafbar. Informationstafeln dienen der Besucherlenkung und appellieren daran, sich an die jeweiligen Bestimmungen zu halten. Die Kampagne zielt auf die Selbstverantwortung aller Nutzer*innen ab, ein Vorbild für zukünftige Nutzer*innen zu sein (46).

(46) Respektiere deine Grenzen (2019). Zugriff am 15.10.2019 unter: https://www.respektiere-deine-grenzen.ch/wildruhezonen/markierung/#c3156

Das Ziel des Projektes „Natursport.Umwelt.Bewusst“ ist es, die unterschiedlichen Interessen von Natursporttreibenden, Grund- und Waldbesitzenden, Tourismus, Jagd und Forst, Gebietsverwaltungen und dem Natur- und Umweltschutz zu vereinen. Am Beispiel des Geocaching soll gezeigt werden, wie es möglich sein kann, die Ausübenden neuer Natursporttrends für die Bedürfnisse anderer Naturnutzender zu sensibilisieren, und umgekehrt.

Da die Beteiligten neuer Natursporttrends nicht wegen ihrer Sportart in klassischen Vereinsstrukturen organisiert sind, sondern diese selbstorganisiert und/oder online vernetzt ausüben, ist es oft schwierig, mit ihnen in Kontakt zu treten. Deswegen zielt das Projekt darauf ab, Kommunikationsformen zu entwickeln, mit denen diese Zielgruppen erreicht und in einen Dialog eingebunden werden können (47). Dazu wurde u.a. ein Dialogkonzept entwickelt (48).

(47) Deutscher Wanderverband (2019). Projekt Natursport.Umwelt.Bewusst. Zugriff am 15.10.2019 unter: https://natursport-umwelt-bewusst.de

(48) Deutscher Wanderverband (2019). Dialogkonzept Natursport.Umwelt.Bewusst. Zugriff am 15.10.2019 unter: https://natursport-umwelt-bewusst.de/download/2075/

Der Deutsche Naturschutzring und die dort organisierten Mitgliedsverbände – darunter der Deutsche Wanderverband – haben den Comic „Gemeinsam geht’s“ samt einer digitalen App zum Thema Klimawandel und Natursport für Jugendliche herausgegeben. Mit dem kostenlosen Angebot sollen Jugendliche in ihrer Freizeit für die Natur sensibilisiert werden.

In dem Comic erfahren fünf Jugendliche während eines Feriencamps, wie sich der Klimawandel auf ihre Umgebung auswirkt: Starkregen, Überflutungen und Sturm nehmen zu. Die Folgen von Trockenheit und verstärkten Hitzephasen können bedrohlich werden. Gerade bei Outdoor-Sportarten wie Reiten, Schwimmen, Tauchen, Klettern, Kanufahren, Wandern oder Mountainbiken sind diese Veränderungen in der Natur besonders erlebbar.

Die Comic-App „Gemeinsam geht´s“ soll gerade bei jungen, digital-affinen Natursportler*innen die Neugier und das Interesse an der Natur und dem Klimawandel wecken und gleichzeitig zum eigenen Handeln anregen. Dabei helfen die illustrierten praktischen Tipps.

Die Comic-App wurde vom Umweltdachverband Deutscher Naturschutzring (DNR) in Zusammenarbeit mit seinen Natursportverbänden, dem Deutschen Alpenverein (DAV), dem Deutschen Wanderverband (DWV), dem Deutschen Kanu-Verband (DKV), der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN), den NaturFreunden Deutschlands (NF) und dem Verband Deutscher Sporttaucher (VDST) entwickelt.

Die Comic-App gibt es für Smartphones sowohl direkt im App-Store von iTunes oder in Google-Play als auch über die VDST Homepage. Das passende Comic im Hosentaschenformat kann bei den Verbänden bestellt oder heruntergeladen werden (49).

(49) Deutscher Naturschutzring (2019). Gemeinsam geht’s. Zugriff am 15.10.19 unter: www.vdst.de/umwelt/projekte/gemeinsam-gehts.html

Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg, die Deutsche Sporthochschule Köln und die Stiftung Sicherheit im Skisport haben 2017 gemeinsam ein Heft zum Natursport im Wald und dessen Einfluss auf Wildtiere herausgebracht. Ziel ist ein harmonisches Miteinander von Mensch und Tier. Wunderschöne Illustrationen laden zum Informieren ein (50).

(50) Forstliche Versuchsanstalt Baden-Württemberg, Sporthochschule Köln und Stiftung Sicherheit im Skisport (2017). Wildtiere. Freizeit und Aktivitäten im Wald. Zugriff am 15.10.2019 unter https://www.stiftung.ski/dflip/wild_und_sport.html