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Skilanglauf

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kann die Störschleppe bei Loipen betragen. Das ist jener Bereich um die Loipe, in dem Tiere durch Störreize beeinflusst werden.
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ist Langlauf Bestandteil der olympischen Winterspiele.
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der deutschen Wintersportler*innen betreiben Langlauf als Hauptsportart, das entspricht 5,8 Mio. Deutschen.
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ist der älteste, gefundene Ski alt.
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Loipen sind im Online-Loipenportal des DSV mit entsprechenden Informationen einzusehen.
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Teilnehmer*innen nehmen inzwischen bei dem größten Langlauf-Event „Vasaloppet“ in Schweden teil.

Skilanglauf ist ein beliebter Freizeit- und Wettkampfsport im Winter. Mit seinen Formen Skiwandern, Klassik, Nordic Cruising und Skating bietet er für alle Altersstufen und Lebensphasen angepasste Bewegungsformen. Der Einstieg ist vergleichsweise leicht. Wer zu Fuß gehen kann, der kann auch auf Skiern wandern.

Der Skilanglauf gilt unter gesundheitlichen und präventiven Aspekten als eine nahezu perfekte Bewegungsform. Er ist gelenkschonend und trainiert neben der Bein- und Rumpfmuskulatur auch insbesondere das Herz-Kreislauf-System. Langlaufen fördert so die Kraftausdauer, beansprucht und trainiert aber auch das Koordinations- und Balancevermögen.

Ebenso spielen das winterliche Klima und der damit verbundene Temperaturreiz eine wichtige Rolle. Die Fortbewegung beim Skilanglauf kann im klassischen Stil erfolgen - dem Gehen im Diagonalschritt mit zusätzlicher Gleitphase. Hierfür werden spezielle Loipenspuren präpariert. Ein anderer Stil ist das sportliche Skaten, bei dem die Fortbewegung mittels eines Grätschschritts, wie beim Schlittschuhlaufen, erfolgt. Dieser wurde ab den 80er Jahren modern, lässt höhere Geschwindigkeiten zu und benötigt eine 3-6 m breite „Pistenpräparation“ (1, 2).

(1) Hottenrott, Urban (2011). Das große Buch vom Skilanglauf, 2. Überarbeitete Auflage, Meyer & Meyer Verlag Aachen

(2) Drescher, W., Lauterwasser, E., & Roth, R-D. (2002). Handbuch „Skilanglaufgebiete“ – Grundlagen, Verfahren und Maßnahmen für ihre sport‐ und umweltbezogene Aufwertung. (DSV Umweltreihe). DSV-Umweltbeirat/ Stiftung Sicherheit im Skisport.

Auf der nationalen wie internationalen Ebene gibt es vom internationalen Skiverband (FIS) zehn Verhaltensregeln für Skilangläufer*innen, die befolgt werden sollen. Diese stellen einen Verhaltenskodex dar:

  1. Rücksichtnahme auf die anderen – Langläufer*innen müssen sich so verhalten, dass sie keine anderen gefährden oder schädigen.
  2. Signalisation, Laufrichtung und Lauftechnik – Markierungen und Signale (Hinweisschilder) sind zu beachten. Auf Loipen und Pisten ist in der angegebenen Richtung und Lauftechnik zu laufen.
  3. Wahl von Spur und Piste – Auf Doppel- und Mehrfachspuren muss in der rechten Spur gelaufen werden. Langläufer*innen in Gruppen müssen in der rechten Spur hintereinander laufen. In freier Lauftechnik ist auf der Piste rechts zu laufen.
  4. Überholen – Überholt werden darf rechts oder links. Der bzw. die vordere Läufer*in braucht nicht auszuweichen, sollte aber ausweichen, wenn dies gefahrlos möglich ist.
  5. Gegenverkehr – Bei Begegnungen hat jede*r nach rechts auszuweichen. Abfahrende Langläufer*innen haben immer Vorrang.
  6. Stockführung – Beim Überholen, Überholtwerden und bei Begegnungen sind die Stöcke eng am Körper zu führen.
  7. Anpassung der Geschwindigkeit an die Verhältnisse –Langläufer*innen müssen, vor allem auf Gefällstrecken, Geschwindigkeit und Verhalten ihrem Können, den Geländeverhältnissen, der Verkehrsdichte und der Sichtweise anpassen. Sie müssen einen genügenden Sicherheitsabstand zu vorderen Läufer*innen einhalten. Notfalls müssen sie sich fallen lassen, um einen Zusammenstoß zu verhindern.
  8. Freihalten der Loipen und Pisten – Wer stehen bleibt, tritt aus der Loipe/Piste. Gestürzte Langläufer*innen haben die Loipe/Piste möglichst rasch freizumachen.
  9. Hilfeleistung – Bei Unfällen ist jede*r zur Hilfeleistung verpflichtet.
  10. Ausweispflicht – Jede*r, ob Zeuge*in oder Beteiligte*r, verantwortlich oder nicht, muss im Falle eines Unfalls seine Personalien angeben (3).

(3) Stiftung Sicherheit im Skisport. (2018). FIS-Verhaltensregeln für Skilangläufer. Zugriff am 22.10.2019 unter: https://www.stiftung.ski/sis-akademie/verhaltensregeln/loipe/

Laut der zweiten Nationalen Grundlagenstudie zum Wintersport erfreut sich Langlaufen zunehmender Beliebtheit. Von den 27,7 Mio. Wintersportler*innen in Deutschland betreiben 5,8 Mio. Skilanglauf als Hauptsportart (21%). 10,7 Mio. der Wintersportler*innen haben bereits Langlauf-Erfahrung (39%). Die Zahl der Wintersporttage, an denen Langlauf mit einer Mindestdauer von zwei Stunden durchgeführt wird, lag in der Saison 2016/2017 bei 92 Mio. (4).

Der Deutsche Skiverband (DSV) ist der deutschlandweite Dachverband für Skisport und allen daraus einhergehenden Schneesportarten und vertritt Deutschland in der Fédération Internationale de Ski (FIS) dem internationalen Ski-Verband. Der DSV setzt sich aus 20 Landesverbänden (LSV) zusammen. Neben über 100 Mitarbeiter*innen umfasst der DSV rund 35.000 ehrenamtliche Übungsleiter*innen, Trainer*innen, und Skilehrer*innen, sowie viele ehrenamtlich Tätige in Verbänden und Vereinen (5). Aktuell sind ca. 3.700 Skivereine mit mehr als 750.000 Mitgliedern verteten (4).

Gebiete, die für die Ausübung nordischer Sportarten besonders geeignet sind, werden als „DSV nordic aktiv Zentrum“ entwickelt und ausgezeichnet. Hier finden Langläufer*innen Informationen zu Streckenlänge, Schwierigkeitsgrad, Anstiegen, Höhendifferenz und Technik sowie zu aktuellen Bedingungen und zur Anreise von 90 Langlauf-Zentren, knapp 4000 km Langlaufstrecken und 637 Loipen (6).

(4) Roth, R., Krämer, A., Severiens, J. (2018). Zweite Nationale Grundlagenstudie Wintersport Deutschland 2018. Schriftenreihe SIS.

(5) Deutscher Skiverband. (2018). Zahlen & Fakten. Zugriff am 22.10.2019 unter: https://www.deutscherskiverband.de/ueber_uns_der_dsv_zahlen_fakten_de,470.html

(6) Deutscher Skiverband. (2019). Loipenportal. Zugriff am 22.10.2019 unter: https://www.deutscherskiverband.de/breitensport_nordic-aktiv_zent-str_loipenportal_de.html

Laut Artikel 2 des Grundgesetzes hat jede*r das Recht auf die freie Entfaltung der eigenen Persönlichkeit soweit dies nicht die Rechte anderer verletzt. Daraus resultiert letztendlich auch ein freies Betretungsrecht der Natur. Dies verdeutlicht ebenso §59 des Bundesnaturschutzgesetzes, welches das Betreten der freien Landschaft auf Straße und Wegen, sowie auf ungenutzten Grundflächen zum Zwecke der Erholung gestattet, insofern keine Einschränkungen des Gesetzgebers, z.B. aufgrund von schützenswerten Tieren oder Pflanzen etc. bestehen. Ebenso verhält es sich mit dem Betretungsrecht des Waldes (BWaldG), insofern die einzelnen Ländergesetzte nicht wiedersprechen (7).

Da Skilauf nach beiden Gesetzen zum Betretensrecht gehört, erstreckt sich die Zulässigkeit auch auf die Ausübung des Skilanglaufens auf Loipen. Allerdings können kommerzielle oder wettkampfmäßige Veranstaltungen u.U. mit dem Erfordernis der Ausübung zu Erholungszwecken nicht mehr in Einklang stehen. Der Ausübung des Betretensrechtes steht eine Duldungspflicht des Grundstückseigentümers gegenüber. Diese reicht jedoch nicht so weit, dass auch die der Ausübung des Betretensrechtes dienenden Anlagen und deren Unterhaltung erfasst werden. Der Aufhieb spezieller Loipentrassen, die Erstellung von Bauwerken, wie Zäunen, Brücken und Übergängen im Zusammenhang damit und vor allem die Anlage und Pflege der Spur mit Maschinen sind nicht vom Betretensrecht abgedeckt.  Diese Maßnahmen bedürfen der Genehmigung der Grundstückseigentümer*innen oder Nutzungsberechtigten. Da Langlaufloipen der Ausübung des Betretensrechtes dienen, haben die Grundstücksbesitzer*innen sowohl nach Naturschutzgesetz als auch nach dem LWaldG deren Kennzeichnung zu dulden.

Bei markierten und präparierten Loipenstrecken besteht die Verkehrrsicherungspflicht der Loipenbetreiber*innen gegenüber den Loipennutzer*innen. Hinsichtlich der Absicherung vor atypischen Gefahren bedeutet das für die Loipenbetreiber*innen, dass Sicherheitmaßnahmen zur Vermeidung von Schadenseintritten durch künstlich geschaffene Gefahrenquellen vorgenommen werden müssen (8, 9).

(7) Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz. Bundesamt für Justiz (2009). Gesetz über Natur- und Landschaftspflege (Bundesnaturschutzgesetz – BNatSchG). Zugriff am 22.10.2019 unter https://www.gesetze-im-internet.de/bnatschg_2009/BJNR254210009.html 

(8) Escher, D., Ertl, P., Rübensal, K. (2007). Nordic Skiing, Deutscher Skiverband e.V. Planegg

(9) Drescher, W., Lauterwasser, E., & Roth, R-D. (2002).Handbuch „Skilanglaufgebiete“ – Grundlagen, Verfahren und Maßnahmen für ihre sport‐ und umweltbezogene Aufwertung. (DSV Umweltreihe). DSV-Umweltbeirat/ Stiftung Sicherheit im Skisport.

Skilanglauf wird bevorzugt in den Mittelgebirgen, im Alpenvorland, in Alpentälern, oder auch im Flachland durchgeführt. Am besten geeignet sind Bereiche mit möglichst wenig Steigungen oder Gefälle. Loipen sind außerhalb des Waldes häufig nicht an Wegstrukturen gebunden und erschließen damit Flächen, die im Sommer wegen der Feuchteverhältnisse oder der landwirtschaftlichen Nutzung nicht betretbar sind.

Für die Beurteilung der Auswirkungen des Skilanglaufs auf die Umwelt ist es sinnvoll, sie nach den folgenden vier Teilaspekten zu betrachten:

Loipennetz

Durch die Wahl der Trassenführung, deren Gesamtlänge und die räumlichen Lage wird das ökologische Konfliktpotenzial, dass beim Bau und Betrieb auftreten kann, im Wesentlichen vorbestimmt.
Zumindest für die Mittelgebirge gilt dabei, dass es sich der Schneesicherheit wegen um die Hochlagen handelt. Auch für viele seltene Pflanzen und wild lebende Tiere sind diese Regionen ein besonderer Lebensraum. Eine Zunahme des Loipennetzes in Deutschland ist in den nächsten Jahren nicht zu erwarten (10).  Für die Anlage des Loipennetzes ist somit zur Verminderung der Störwirkung auf die Lage in weniger empfindlichen Bereichen zu achten. Im Vordergrund steht hier die hervorragende Möglichkeit über die entsprechende  Loipenanlage den Besucherverkehr zu lenken und Konflikte zu minimieren.

Loipenbau

Beim Loipenbau wirkt sich neben der Trassenführung der Trassenuntergrund entscheidend auf das ökologische Konfliktpotenzial aus. Aktuell werden meist forst- und landwirtschaftliche Wege durch den Skilanglauf genutzt (58%). Im Freiland werden die Loipen im Winter über Wiesen, Weiden, Äcker oder Ödland nur bei ausreichender Schneelage geführt (27%). Mit neuen Trassen, die speziell für den Skilanglauf angelegt werden, gehen je nach Gelände unterschiedlich starke Eingriffe insbesondere in Boden und Vegetation einher. Im Wald sind hier Aufhiebe notwendig, im hängenden Gelände innerhalb und außerhalb des Waldes auch Planien von wenigstens 3 m Breite.

Bei notwendigen Erdarbeiten kommt es zu einem Verlust des Bodenhorizontes und des Bodengefüges und damit zu einer Beeinträchtigung der Schutzfunktion. Aufgrund der Begrenzung des Langlaufsports auf Höhenlagen unterhalb 1800 m ü. NN ist, abgesehen von Extremstandorten, mit einer erfolgreichen und raschen Wiederbegrünung zu rechnen. 

Loipenpräparation

Bodenverdichtungen durch die Loipenpflege mit Loipenspurgeräten sind auf landwirtschaftlich genutzten Flächen zu vernachlässigen, da die größere Auflagefläche unter Einsatz von Gummiketten einen geringeren Druck als bei anderen Maschinen verursacht. Die Pflege der Loipe bei zu geringem Schneehöhen kann abseits von befestigtem Untergrund allerdings zu direkten Bodenschäden oder durch den Verlust der Vegetationsdecke zu indirekten Schäden führen.

Loipenbetrieb

Bei der Nutzung der Loipe sind grundsätzlich Beeinträchtigungen der Tierwelt zu erwarten. Der Skilanglauf beschränkt sich, abgesehen von einzelnen Flutlichtloipen, überwiegend auf die Nutzungszeit zwischen 09:00 Uhr und 17:00 Uhr. Für die Fauna kommt es im jeweiligen Loipengebiet zu direkten und indirekten Störungen, die zu einer veränderten Raum- und Zeitnutzung der Wildtiere führen. Aufgrund der hohen Lenkungswirkung von Loipen können sich Tiere in ihrem Verhalten gut auf die vorhandenen Loipensysteme einstellen.

Problematisch ist die Nutzung der Loipen am Abend und in der Nacht. Durch den Einsatz von Stirnlampen kommt es auch beim Skilanglauf zu räumlichen Nutzungen während der Dämmerung und vereinzelt auch in der Nacht. Dies führt zu erheblichen Beeinträchtigungen der Wildtiere in den wichtigen Ruhezeiten.

Besondere Konfliktpotenziale ergeben sich, wenn Skilanglauf abseits der gespurten Loipen betrieben wird, da es hierdurch zu besonderen Störungen mit Fluchtaktivitäten und einem erhöhten Stresslevel bei Tieren kommen kann, welches wiederum zu einer Beeinträchtigung ihrer körperlichen Verfassung und einem verminderten Fortpflanzungserfolg führt (11).  

(10) Ingold, P. (2005). Freizeitaktivitäten im Lebensraum der Alpentiere – Konfliktbereiche zwischen Mensch und Tier mit einem Ratgeber für die Praxis, Haupt Berne Verlag Schweiz

(11) Arlettaz, R., Patthey, P., Baltic, M., Leu, T., Schaub, M., Palme, R., Jenni-Eiermann, S. (2007). Spreading free-riding snow sports represent a novel serious threat for wildlife. Proceedings of the royal society B – Biological Sciences. Band 274. Ausgabe 1614

Die überwiegende Zahl der Skilanglaufgebiete liegt zwischen 800 m und 1300 m ü.NN.  Durch das Skilanglaufen sind Lebensräume wie Wiesen und Weiden, Hochgebirge, (Berg-)Wälder, Waldgebirge oder Schneelandschaften generell betroffen. Die Loipen verlaufen in der Regel auf forstwirtschaftlichen oder landwirtschaftlichen Wege in der jeweiligen Saison von Dezember bis April. Hier können folglich Beeinträchtigungen der Vegetation im Zuge der Loipenpflege  nicht auftreten. Bei der Nutzung der Loipen durch die Skisportler*innen, sowie bei der Loipenpräparation sind nur Beeinträchtigungen der Tierwelt zu erwarten.

Somit kommt es in der Regel zu einer Überschneidung mit dem Lebensraum von Tierarten des Gebirgswaldes und halboffener Landschaften. Die größte Belastung kann sich dabei insbesondere im Frühjahr – aufgrund einer Überschneidung mit beginnender Fortpflanzungszeit z.B. der Raufusshühner - durch die Skilangläufer*innen ergeben (12).

(12) Ingold, P. (2005). Freizeitaktivitäten im Lebensraum der Alpentiere – Konfliktbereiche zwischen Mensch und Tier mit einem Ratgeber für die Praxis. Schweiz: Haupt Berne Verlag.

Mit ergänzenden Anlagen sind potentielle Auswirkungen auf die Umwelt verbunden:

Beschneiungsanlage

In einzelnen Skilanglaufgebieten findet eine technische Beschneiung insbesondere zur Anlage von Schneedepots statt. Das Konfliktpotenzial besteht, neben den zum Teil umfangreichen Baumaßnahmen, in ihrem Wasser- und Energieverbrauch. Als bauliche Anlagen sind die Wasserbevorratung, das Betriebsgebäude und die Leitungsgräben zu nennen. Beim Betrieb der Anlage sind insbesondere der Energie- und Wasserverbrauch, die Schallemissionen und das Ausbringen des Schnees zu nennen. 

Flutlichtanlage

Die von einer Flutlichtanlage ausgehenden Lichtemissionen können generell zu Beeinträchtigungen von Vögeln (insbesondere nachtaktive Arten wie z. B. Kleineulen) und Wildtieren im jeweiligen Loipenraum führen. 

Mögliche Konflikte mit anderen Interessensgruppen am Weg können zwischen Forstwirtschaftler*innen, Jagenden, Grundstückseigentümer*innen und anderen Sportler*innen entstehen. Der Tourenverlauf von Loipen sollte immer in Übereinstimmung der diversen betroffenen Personengruppen entstehen. Eine Doppelnutzung der Strecken sollte vermieden werden (13).

(13) Tirol. (o.J.). Ausarbeitung von Winterwanderwegen (Tipps & Empfehlungen). Zugriff am 22.10.2019 unter:https://www.tirol.gv.at/fileadmin/themen/umwelt/wald/erlebnis-und-erholung/downloads/Wandern_und_Winterwandern/Leitfaden_Winterwanderwege.pdf

Wie bewegten sich die Menschen in schneereichen Gebieten wie Norwegen, Russland, etc. früher fort? Einer der ältesten Ski wurde in Hoting (Schweden) gefunden und ist rund 4500 Jahre alt, wobei es den Ski laut Felszeichnungen bereits über 8000 Jahre geben muss. In dieser Epoche dienten Ski zur täglichen Fortbewegung bei der Jagd, zur Postübermittlung, im Krieg und weiteren Bereichen des Lebens. Die ersten Wettkämpfe fanden bereits 1550 in Telemark (Norwegen) statt, wobei die ersten bekannten und bedeutenden Wettkämpfe auf das Jahr 1883 am Holmenkollen in Oslo (Norwegen), dem Mekka des nordischen Skisports, zurückzuführen sind. Seit den Olympischen Winterspielen im Jahre 1924 in Chamonix zählt Langlauf als fester Bestandteil zu den Kerndisziplinen des Wintersports. Das heute mit bekannteste und größte Langlaufrennen/-event ist der sogenannte Vasaloppet oder Wasalauf in Schweden. Dieses Sportereignis beruht auf der Geschichte des schwedischen Königs, Gustav Wasa, der im Jahre 1522 auf der Flucht vor dänischen Häschern ca. 90 km von Mora nach Sälen auf Schneereifen zurücklegte, als er von zwei Bauern auf Skiern endlich eingeholt worden war (14). Bei diesem Sportgroßereignis, welches sich auf mehrere Tage verteilt, nehmen mittlerweile über 65.000 Sportbegeisterte aus knapp 50 Nationen teil (15).

(14) Hottenrott, K., Urban, V. (2011). Das große Buch vom Skilanglauf (2. Überarbeitete Auflage). Aachen: Meyer & Meyer Verlag.

(15) Schwedentipps. (2018). 90 km von Sälen nach Mora: Wasalauf 2018 bewegt 65.000 Langläufer aus aller Welt. Zugriff am 22.10.2019 unter: https://www.schwedentipps.se/wasalauf-2018/

Neben der Unterscheidung des Langlaufs in die zwei Techniken Klassich und Skaten gibt es weitere übergeordnete Ausprägungsformen des Langlaufens: 

Skirennsport

Die intensivste Form des Skilanglaufens, bei der es um die absolute Leistung der Einzelnen und das Suchen und Erreichen der eigenen Grenzen geht, ist der Skirennsport. Hier geht es um ein Messen der eigenen Leistungsstärke im Vergleich zu anderen Sportler*innen auf „ambitionierter Hobbyläufer“-, „semiprofessioneller Volksläufer“- oder Weltklasse-Ebene (16).

Nordic Cruising

Nordic Cruising ist die jüngste Form des Skilanglaufens und stellt ein optimales Maß an Naturerleben bei gleichzeitiger Stärkung der körperlichen Fitness in den Fokus der Sporttreibenden. Dies gelingt mit eigens dafür konzipierten Skiern, welche ein Durchstreifen des freien und spurlosen Geländes ermöglichen.

Nordic Skating

Nordic Skating ist der Sammelbegriff für die Sommervariante des Skilanglaufs. Je nach Wahl des Fortbewegungsmittels gehen unterschiedliche Fortbewegungsarten und verschiedene Bodenbeschaffenheiten einher. Ihnen allen gemeinsam ist die Verwendung von Stöcken, die die Bewegungen des Gesamtkörpers unterstützen sollen.

Werden Inliner genutzt, fällt dies zumeist unter den Begriff des Nordic Bladings (17). Die Bewegung orientiert sich an der des Skatens, die Wahl des Untergrunds fällt auf asphaltierte Wege. Rollski als Forbewegungsmittel bedingen aufgrund der kleinen Gummirollen ebenso die Wahl der befestigten Straßen und sind sowohl für die Ausübung der klassischen Technik als auch der Skate-Technik geeignet. Als weitere Fortbewegungsform gilt das Cross-Skaten, welches dank spezieller luftbereifter Skates auch auf unbefestigten Wegen möglich ist (18).

(16) Mertz, P. (2003). Skilanglauf. München: Bruckmann Basic, Bruckmann Verlag GmbH.

(17) Brandenburger, L., Egger, T., Huber, S., Kloth, T. (2007).Nordic Blading. Planegg: Deutscher Skiverband e.V.

(18) X-Skating. (2019). Infos zu Nordic Skating. Zugriff am 22.10.2019 unter: https://www.x-skating.com/Infos-zu-Nordic-Skating:_:10000.html

Laut aktuellen Studien findet der Skilanglauf in der heutigen Gesellschaft immer mehr Anklang und unterliegt einem aufsteigenden Trend. Dies liegt augenscheinlich vor allem daran, dass der Sport nahezu alle in der aktuellen Gesellschaft relevanten Themen des Lebens, wie Natur, Sport, Sicherheit, Entschleunigung und Familie, in sich vereint. So wollen die Sportler*innen in der Natur und an der frischen Luft sein, diese genießen und dabei abschalten können. Gleichzeitig kann der gesamte Körper beansprucht und trainiert werden. Zudem ist Skilanglauf ein Sport der perfekt in der Gruppe mit Freunden oder Familie ausgeübt werden kann und auch den Aspekt des Sicherheitsbedürfnisses beinhaltet, dank einer geringen Kriminalitätsrate und einem gesenkten Terrorrisiko in den Urlaubsorten (19).

Für Skilangläufer*innen sind in einem Wintersporturlaub Schneesicherheit und gut präparierte Loipen wichtig. Besonders der Aspekt der Schneesicherheit hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen (20).

(19) Kantar TNS (Hrsg.) (2018). Trendstudie Wintersport in Deutschland 2017/18. Zugriff am 22.10.2019 unter: https://www.kantartns.de/wissensforum/studien/pdf/trendstudie-wintersport-2017-2018.pdf

(20) Roth, R., Krämer, A., Severiens, J. (2018). Zweite Nationale Grundlagenstudie Wintersport Deutschland 2018. Schriftenreihe SIS.

Diese eher ruhige und „sanfte“ Skisportart wird auf Loipen ausgeführt, ansonsten ist der Bedarf an weiterer Infrastruktur gering. Schneesicherheit muss jedoch gegeben sein. Eine Loipe für den Skilanglauf ist eine maschinell gewalzte bzw. gespurte, markierte, unterhaltene und vor Gefahren gesicherte Strecke.

Beim Skilanglauf ist eine langsame Steigerung des Trainings von großer Bedeutung, da die Anpassung von Gelenken und Bändern langsamer erfolgt als von Herz, Muskeln und Kreislauf und somit die Gefahr von Überlastung und Verletzungen besteht.

Drei bis vier Laufeinheiten über 30 – 40 Min. pro Woche sind aus gesundheitlicher Sicht optimal. Freizeitsportler*innen sollten möglichst nach Pulsuhr laufen und die Belastung nicht zu hoch wählen. Die Faustregel für den maximalen Pulswert lautet: 180 minus Lebensalter. Dies gilt selbstverständlich nur bei absoluter Gesundheit.

Die Ausrüstung für den klassischen Langlauf und das Skating besteht aus speziellen Ski, Stöcken, Skischuhen und warmer Funktionskleidung. Meist ist das Tragen einer Ski- oder Sonnenbrille angebracht, da die Sonneneinstrahlung im Gebirge aufgrund der Reflexion des Schnees sehr intensiv ist.

Die gesamten, auf den aktiven Sport bezogenen, Konsumausgaben in Deutschland belaufen sich auf 83,4 Mrd. Euro, für alle Wintersportarten zu­sammen werden in Deutschland jährlich 16,4 Mrd. Euro ausgegeben (rund 20%) (21).

Den Wintersportler*innen stehen in Deutschland insgesamt ca. 950 Pistenkilometer, knapp 4.000 km gespurte Loipen und gut 2.000 Liftanlagen zur Verfügung (Stand 2019). Die Kosten für die Wintersportinfrastruktur machen nur 1,8% der gesamten Sportinfrastrukturaufwendungen von 22,6 Mrd. Euro pro Jahr aus. Bei differenzierter Betrachtung der Wintersportarten wird deutlich, dass Loipen im Vergleich zu Seilbahnen und Skipisten lediglich einen kleinen Anteil an den Ausgaben für Bau, Betrieb und Personal einnehmen. Die jährlichen Kosten für Loipen belaufen sich auf lediglich 3 Mio. Euro pro Jahr (22).

(21) an der Heiden, I., Meyrahn, F., Preuß, H., Ahlert, G. (2013). Wirtschaftsfaktor Wintersport. Aktuelle Daten zur Sportwirtschaft.Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi), Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) (Hrsg.), Berlin/Bonn.

(22) Deutscher Skiverband. (2019). Loipenportal. Zugriff am 22.10.2019 unter: https://www.deutscherskiverband.de/breitensport_nordic-aktiv_zent-str_loipenportal_de.html

Der Rohrhardsberg, gelegen im Schwarzwald, ist ein Paradebeispiel für ein Miteinander von Naturschutz und Erfüllung von Erholungsbedürfnissen. Sowohl die Umwelt, als auch der Sport sind die Gewinner bei der Umsetzung des Projekts.

Am Rohrhardsberg existiert eine für den Schwarzwald typische Flora und Fauna mit seltenen und schützenswerten Pflanzen- und Tierarten, wie z.B. dem Auer- und Haselhuhn oder dem Haselkauz. Die hier vorherrschende Kulturlandschaft ist aufgrund ihrer Höhenlage, dem Relief sowie der Schneesicherheit besonders für das Langlaufen geeignet und wird intensiv dafür genutzt. Auch Weltcup Wettkämpfe werden hier ausgetragen. Das Konfliktpotenzial zwischen Naturschützer*innen und Sportler*innen war immens, sodass schnell ersichtlich wurde, dass nur ein Gesamtkonzept zu einer nachhaltigen Lösung beitragen kann, um beide Seiten zufrieden zu stellen. Vorgaben für die Projektgruppe waren eine Einschränkung der ökologisch belastenden Nutzung, die Aufgabe von naturschädlichen Einrichtungen, eine Besucherlenkung für eine ökologische Verbesserung im weitesten Sinne sowie die Erhaltung des traditionell gewachsenen Skisports und der damit verbundenen Erholung unter naturverträglichen Gestaltungspunkten. Hierfür wurde die Neugestaltung und Aufwertung der Auerhuhn-Habitate mittels Naturverjüngung, Pflanzung von Laubholz oder einer Auflichtung der Waldbestände zur Schlüsselstellung erklärt. Zusätzlich sollten folgende Punkte angegangen werden:

  • Loipen: Kürzung und Verlegung von Teilstrecken aus Habitaten in belastbarere Zonen, wodurch die belastete Zone wesentlich eingeschränkt werden konnte.
  • Wanderwege: Die Wegdichte wurde verringert und eine neue Wegführung gesucht, bei der empfindliche Bereiche ausgespart wurden.
  • Straße: Es kam zu einem Rückbau der Asphaltstrecke auf wassergebundenem Weg und die Etablierung einer Skirollerstrecke an belastbareren Stellen für die sommerliche Nutzung.
  • Schneebeschaffung: Zur Bereitstellung von ausreichend Schnee für den Skiweltcup wurde einer künstlichen Beschneiung mittels Schneekanonen zugestimmt, um auf einen aufwendigen Schneetransport aus den höher gelegenen Regionen zu verzichten.
  • Zeltplatz: Der alte Jugendzeltplatz, gelegen im Hochmoor, wurde zur neuen Skirollerstrecke verlegt und ein gemeinsames zentrales Funktiosnhaus mit Entsorgungsstruktur errichtet.

Sämtliche Maßnahmen wurden größtenteils über die Stiftung für Sicherheit im Skisport (SIS) finanziert und in einem verbindlichen Kostenkatalog festgesetzt. Positive Auswirkungen dieses Projekts gibt es bereits im Erzgebirge, im Harz und im Thüringer Wald.

Dieses Modell widerlegt Besorgnisse im Miteinander von Natursport und Naturschutz. Am Rohrhardsberg gewann der Naturschutz flächemäßig und substanziell während der Sport zwar quantitaiv an Raum verloren hat, aber die neuen Möglichkeiten eine weitaus bessere Nutzung als zuvor ermöglichen (23).

(23) Ingold, P. (2005). Freizeitaktivitäten im Lebensraum der Alpentiere – Konfliktbereiche zwischen Mensch und Tier mit einem Ratgeber für die Praxis. Schweiz: Haupt Berne Verlag.