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Angeln

0 Tage
kann man mit einem Touristenfischerschein auch ohne qualifizierte Fischereiprüfung z.B. in Mecklenburg-Vorpommern angeln gehen.
Ca. 0 kg
Fisch pro Person entnehmen Angler*innen jährlich den Gewässern.

0 Mio.
Deutsche gehen mindestens einmal pro Jahr Angeln.
0 km
fahren Angler*innen jährlich zum Gewässer.
0
geben Angler*innen durchschnittlich im Jahr für Angelausrüstung aus.
0 Std.
ehrenamtliche Arbeit verbringen organisierte Angler*innen jährlich mit der Pflege der Gwässer.

Während Angeln früher zur reinen Nahrungsaufnahme diente, ist es heute für viele Menschen eine Freizeitbeschäftigung. Mittels einer Angelrute mit Angelschnur, einer Rolle zur Schnuraufnahme und einem Haken ist es das Ziel, einen Fisch zu fangen. Während einige ihre Beute möglichst unversehrt zurück ins Wasser lassen, gehen andere dem Angeln aufgrund der kulinarischen Freude nach. Man unterscheidet grundsätzlich das Angeln im Süß- und Salzwasser sowie das Fliegenfischen. Um die Fische anzulocken, wird mit Natur- oder Kunstködern gearbeitet. Diese sind in ihrer Art immer abhängig von Gewässer von Fischart (1).

(1) Gilbert, H. (2008). Angeln. Kompakt & Visuell. München: Dorling Kindersley Verlag GmbH.

Der Deutsche Angelfischerverband e.V. (DAFV) macht sich zur Aufgabe, aktiv in den Bereichen Umwelt-, Gewässer-, Landschafts-, Natur-, Fischerei-, Jagd- und Tierschutz mitzuarbeiten. Die Verhaltensregeln der einzelnen Landesverbände richten sich nach den Zielen des DAFV (2). Ungeschriebene Regeln zum Schutz von Natur und Tieren sollten im Sinne aller Angler*innen freiwillig eingehalten werden, um nachhaltig die Qualität des Habitats aufrechtzuerhalten. Es sollte stets darauf geachtet werden, den Angelplatz sauber zu hinterlassen und so zum Erhalt der Natur beizutragen. Verschmutzungen und Veränderungen am Gewässer sollten den zuständigen Behörden direkt gemeldet werden (3).

(2) Deutscher Angelfischerverband e.V. (2019). DAFV-Satzung-2019. Berlin. Zugriff am 07.08.2020 unter: https://www.dafv.de/images/dafv/Dokumente/DAFV-Satzung-2019.pdf

(3) Lauer, R. (2011). Basiswissen Angeln. Die Angelschule. Stuttgart: Müller Rüschlikon Verlag.

In Deutschland sind etwa 50 - 60 % der Angler*innen im Verein oder einer Ortsgruppe organisiert. Angelvereine verlangen für den Vereinsbeitritt einen Fischereischein. Dabei bieten in Deutschland tausende Angelvereine etwa 850.000 Mitgliedern aus allen Bereichen der Gesellschaft eine soziale Heimat. Angeln ist eine Passion, die von vielen Menschen aller Altersgruppen und aus allen sozialen Schichten geteilt wird. Insbesondere in ländlichen Gebieten bieten Angelvereine gesellschaftlichen Anschluss und Integration. Viele Angler*innen umgehen jedoch die gesetzlichen Bestimmungen in Deutschland und gehen stattdessen im Ausland nicht organisiert fischen. Da einige Bundesländer Fischereischeine ausstellen, die Urlauber*innen und Tourist*innen ermöglichen, ohne staatlichen Schein angeln gehen zu können, ist es für Hobbyangler*innen also nicht notwendig, einem Verein beizutreten (4). Eine Mitgliedschaft bietet sich jedoch an, da Vereine oft über mehrere Gewässer verfügen und eine Erlaubniskarte ausreichend ist (5).

Der Deutsche Angelfischerverband e.V. (DAFV) ist der Spitzenverband der auf Bundesebene organisierten Landes- und Spezialverbände. Er sieht sich als Interessenvertretung für alle deutschen Angler*innen, die er national wie international vertritt. Aktuell sind im DAFV 27 Landes- und Spezialverbände mit ca. 9.000 angeschlossenen Vereinen organisiert. Mit seinen insgesamt rund 500.000 Mitgliedern gehört der DAFV zu den größten anerkannten Naturschutz- und Umweltverbänden Deutschlands.

Der DAFV setzt sich mit den Mitgliedsverbänden deutschlandweit für die Durchführung von Schulprojekten und außerschulischen Angeboten für Kinder rund um das Thema Angeln ein. Es geht um Umweltbildung, aber auch darum, das Angeln als eine Form der direkten Naturnutzung unter fachkundiger Anleitung im frühen Kindesalter zu erlernen. Ergebnisse der Forschung deuten darauf hin, dass eine positive Naturerfahrung – vor allem aus früher Kindheit – ein wesentlicher Antrieb zum Natur‐ und Landschaftserhalt im Verlauf des Lebens wird. Dabei ist es nach Ansicht des DAFV von Vorteil, wenn die Kinder möglichst früh mit der Natur vertraut werden (6).

(4) Arlinghaus, R. (2004). Angelfischerei in Deutschland – eine soziale und ökonomische Analyse. Berlin: Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) im Forschungsverbund Berlin e. V. Zugriff am 07.08.2020 unter: https://www.researchgate.net/profile/Robert_Arlinghaus/publication/285343697_Recreational_fisheries_in_Germany_-_A_social_and_economic_analysis/links/56c58fba08ae736e7047bfbd.pdf

(5) Lauer, R. (2011). Basiswissen Angeln. Die Angelschule. Stuttgart: Müller Rüschlikon Verlag.

(6) Deutscher Angelfischerverband e.V. (2017). „Generation Youtube“ will die Natur entdecken. Zugriff am 07.08.2020 unter: https://www.dafv.de/component/content/article/49-aktuelles/117-generation-youtube-will-die-natur-entdecken.html?Itemid=809

  1. Die erste rechtliche Hürde ist der staatliche Fischereischein. Nach erfolgreicher Fischerprüfung kann dieser gebührenpflichtig erworben werden. Um in Deutschland fischen zu dürfen, benötigt man jedoch für die einzelnen Gewässer einen Erlaubnisschein.
  2. Des Weiteren gibt es Verbote für Fangmethoden wie den Einsatz von Giften, Schusswaffen, Elektrizität oder das Angeln mit lebendigen Ködern.
  3.  Beim Betreten der Angelstellen ist stets das Uferbetretungsrecht zu beachten. Im Zweifelsfall sollte man sich an den Eigentümer wenden, da im Schadensfall der Verursacher haftet.
  4. Das Ein- und Umsetzen von Fischen ist nur ausgewählten Personen erlaubt. Köderfische dürfen nur in den Gewässern verwendet werden, aus denen sie stammen. Die Gefahr der Ausbreitung von Krankheiten ist zu hoch.
  5. Mindestabstände sind stets einzuhalten. Geregelt sind diese durch die Ländergesetzgebungen der jeweiligen Gewässer.
  6. Für Fisch- und Laichschonbezirke kann das Fischen komplett untersagt werden. Sie werden von den zuständigen Behörden festgelegt und entsprechend gekennzeichnet bzw. öffentlich bekannt gemacht.
  7. Schonzeiten und Schonmaße sind einzuhalten und richten sich immer nach den Bundesländern (7).

Jeder Angelverein hat zudem eine eigene Gewässerordnung. Gesetzliche Bestimmungen der Länder wie Fischereigesetz, Fischereiverordnung, Wassergesetz, Naturschutzgesetz und Tierschutzgesetz sowie das allgemeine Strafgesetzbuch und das Ordnungswidrigkeitengesetz stehen immer über den Statuten der Angelvereine (8).

(7) Kölbing, A. (2013). Fischerprüfung leicht gemacht. München: BLV Buchverlag GmbH & Co. KG.

(8) Anglerverein Mühlhausen e.V. (2008). Gewässerordnung. Mühlhausen. Zugriff am 07.08.2020 unter: https://www.anglerverein-muehlhausen.de/wp-content/uploads/2015/07/Gewaesserordnung.pdf

Im Durchschnitt wünschen sich Angler*innen eine hohe Qualität der Gewässer. Klares Wasser und Naturufer werden präferiert. Für eine hohe Produktivität und Tragfähigkeit des Ökosystems darf das Wasser nicht zu nährstoffarm sein, da dies für eine geringere Angelqualität spricht. Nährstoffreiche Gewässer fördern das Fischwachstum und führen zu einem größeren Angebot an Fischen. Damit gute Angelbedingungen gewährleistet sind, gilt es, die Habitatqualität zu verbessern oder den Fischbesatz auszudehnen (9).

(9) Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) (Hrsg.). (2010). Forschungsbericht: Grundlagenuntersuchung Freizeit- und Urlaubsmarkt Wandern – Langfassung, Zugriff am 07.08.2020 unter: http://www.wanderverband.de/conpresso/_data/Forschungsbericht_web.pdf

In Verein und Verbänden organisierte Angler*innen gelten als wichtigste Manager*innen des Fischbestandes. Zum Schutz der Natur und der Fischarten haben sie sich die Hege und Pflege der Gewässer zur Aufgabe gemacht. Durch die Aufwertung der Lebensräume und die Regulierung der Befischung sorgen die Angler*innen nachhaltig für einen ausgewogenen Fischbesatz. Der DAFV ist ein offiziell anerkannter Umwelt- und Naturschutzverband; seine Mitglieder engagieren sich aktiv für Renaturierungsmaßnahmen an Fließgewässern (10). Bei der Hege und Pflege der Gewässer leisten die Angler*innen mit ehrenamtlicher Arbeit einen hohen Beitrag (11). Der Naturraum wird durch das Freizeitfischen also nur in einem geringen Maße beansprucht, vielmehr kann durch das Angeln die Natur- und Tierwelt geschützt werden.

(10) Deutscher Angelverband e.V. (2018). Die Leitsätze des DAFV. Berlin. Zugriff am 07.08.2020 unter: https://www.dafv.de/images/dafv/Dokumente/DAFV_-_leitlinien.pdf

(11) Strehl, C. (2018). Studie zur ökonomischen und gesellschaftlichen Bedeutung der Angelfischerei in Nordrhein-Westfalen. Münster: Fischereiverband Nordrhein-Westfalen e. V. Zugriff am 07.08.2020 unter: https://www.fischereiverband-nrw.de/images/presse/flyer_Studie_web.pdf?m=1561374568&

Bereiche, die durch das Angeln stärker beansprucht sind, sind vorrangig Uferbereiche, in denen Insekten und Amphibien sowie gewisse Reptilien vorkommen. Forst- und Wiesenbereiche, die Einstiegsstellen für Angler*innen darstellen, können von einer hohen Frequentierung oder der verbotenen Nutzung überlastet werden (12). Überfischung von bestimmten Zonen kann Auswirkungen auf das gesamte Ökosystem des Gewässers haben. Unzureichende Kenntnisse über den Fischbesatz können sogar regional zum Verlust der genetischen Vielfalt führen (13).

 

(12) Kölbing, A. (2013). Fischerprüfung leicht gemacht. München: BLV Buchverlag GmbH & Co. KG.

(13) Arlinghaus, R. (2017). Nachhaltiges Management von Angelgewässern: Ein Praxisleitfaden. Berlin: Leibnitz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei.

Am häufigsten wird das Angeln von Tierschutzaktivist*innen kritisiert. Die Angelfischerei gelte als unnötige Tierquälerei. Das nachgewiesene Grundverständnis von Angler*innen ist jedoch, dass die Tiere genutzt werden – unter der Bedingung, dass sie keine unangemessenen Schmerzen erleiden (14). Nutzungskonflikte auf gemeinsamen Gewässern zwischen Angler- und Segelbooten können durchaus vorkommen. Der Ruhrverband hat für diese Problematik bereits Regeln aufgestellt, die es zu beachten gilt. Rote Fahnen am Anglerboot, die das Schleppfischen markieren, sowie „Vorfahrt gewähren“ für Segelboote sollen das Konfliktpotenzial minimieren (15).

(14) Riepe, C., Arlinghaus, R. (2014). Einstellungen der Bevölkerung in Deutschland zum Tierschutz in der Angelfischerei. Berlin: Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB). Zugriff am 07.08.2020 unter: https://www.igb-berlin.de/sites/default/files/media-files/download-files/IGB_Bericht_27_webversion.pdf

(15) Ruhrverband. (2012). Informationen für Seglerinnen und Anglerinnen. Essen: Ruhrverband, Geschäftsbereich Talsperren und Stauseen. Zugriff am 07.08.2020 unter: https://www.ruhrverband.de/fileadmin/pdf/sport_und_freizeit/RV_INFO_Segler_und_Angler_Talsperren-Juni_2012.pdf

Das Angeln hat eine weitreichende Historie. Man geht davon aus, dass die ersten Angelhaken schon vor 30.000 Jahren aus Knochen geschnitzt wurden. Schon um 2000 v. Chr. gibt es Hinweise auf die Verwendung von Ruten, Schnüren und Netzen. Früher galt das Fischen als elementar für die Nahrungsbeschaffung. Die Faszination, Fische und letztendlich auch die Natur auszutricksen, begeistert die Angler*innen bis in die heutigen Tage.

Anfänglich wurde der Fischfang mit einfachen Handleinen betrieben. Dies änderte sich, als man die Handleinen an Äste band und somit die ersten Angelruten benutzen konnte. Haken, die mit Federn zur Imitation von Fliegen bestückt worden sind, waren ein weiterer Fortschritt, um erfolgreich zu angeln. Das sogenannte Fliegenfischen galt um das 14. Jahrhundert europaweit als effektive Methode des Fischfangs. Während früher die Fliegenimitationen aus Federn hergestellt wurden, so sind sie heute deutlich vielfältiger. Kunstfliegen, gebunden aus natürlichen oder synthetischen Materialien, imitieren nicht nur Fliegen, sondern auch andere real existierende Beute wie krebsartige Tiere oder Garnelen. Ebenso gibt es Fliegen, die Naturköder nachahmen oder Muster aufweisen, die bei den Zielfischen aggressives Verhalten provozieren sollen.

Technische Entwicklungen brachten neue Angeltechniken und Vorgehensweisen mit sich. So wurden die Fangtechniken immer differenzierter und ermöglichen stets das Entdecken von neuen Revieren (16). Die ersten Fischereiordnungen stammen ebenfalls aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Der älteste bekannte internationale Fischerei-Vertrag ist die „Bregenzer Übereinkunft“ am Bodensee von 1893. Auf Grundlage der Erkenntnis, dass ohne geeignete Maßnahmen zur Selbstbeschränkung die Fischbestände langfristig zurückgehen, wurden bereits damals Schonzeiten und Schonmaße für einzelne Fischarten festgesetzt (17).

(16) Gilbert, H. (2008). Angeln. Kompakt & Visuell. München: Dorling Kindersley Verlag GmbH.

(17) Keiz, G. (1996). Die Bregenzer Übereinkunft und ihr Instrument: die Internationale Bevollmächtigtenkonferenz. In B. Wagner (Hrsg.), Bodenseefischerei. Geschichte, Biologie und Ökologie, Bewirtschaftung (S. 10–26). Stuttgart: Jan Thorbecke Verlag.

Da das Angeln in nahezu allen Gewässern betrieben werden kann, differenziert es sich hauptsächlich durch die Angelrute sowie die Art, wie der Köder ausgelegt wird. Es kann sowohl stehend im Wasser, am Ufer oder vom Boot aus geangelt werden. Weiterhin kann man zwischen Meeres- und Süßwasserangeln unterscheiden.

Es gibt eine Vielzahl an Angel- und Ködertechniken. So nutzt man in Seen Futterkörbe an der Schnur, um Fische in Bodennähe zu angeln. Gleichwohl wird der Futterkorb aber auch für das Haifischen auf hoher See verwendet (18). Beim Schleppfischen muss die Rute nicht einmal selbst festgehalten werden. In Haltevorrichtungen oder befestigt am Boot wird meist auf Großfische gejagt.

Im Folgenden werden einige verschiedene Angeltechniken/-methoden angeführt:

Stippfischen
Beim Stippfischen/Stippen handelt es sich um eine Angelart, bei der nur Naturköder wie Brot, Fischfetzen, Mais oder Würmer zum Einsatz gelangen. Die Auswahl der Angelausrüstung betreffend bieten sich den Stippfischer*innen nahezu unzählige Möglichkeiten. Die größte Auswahl besteht bei den Angelruten, wo zwischen Kopfruten, Bologneseruten, Feederruten, Pickerruten und Matchruten gewählt werden kann. Die Wahl der Rute hängt vom Zielfisch ab (19).

Spinnfischen
Spinnfischen, auch bekannt als Spinnen oder Blinkern, ist eine Angeltechnik, bei der überwiegend Kunstköder wie Blinker, Wobbler, Weichplastikköder oder Spinner eingesetzt werden. Vibrationen und optische Reize beim Einholen der Köder verleiten Raubfische dazu anzubeißen (18).

Fliegenfischen
Das Fliegenfischen, auch Flugangeln genannt, ist eine Methode des Angelns, bei der der Köder, im Allgemeinen Fliege genannt, zum Werfen zu leicht ist, weswegen das Eigengewicht der Schnur als Wurfgewicht verwendet wird. Dies verlangt eine besondere Wurftechnik und spezielles Angelgerät, insbesondere eine spezielle Schnur (18).

(18) Gilbert, H. (2008). Angeln. Kompakt & Visuell. München: Dorling Kindersley Verlag GmbH.

(19) o.A. (o.J.). Stippen/Stippfischen im Fokus. Zugriff am 07.08.2020 unter: https://einfach-angeln.de/stippen/

Augenscheinlich ist das Fangen eines Fisches als Hauptmotiv des Angelns anzusehen. Für viele Angler*innen ist dies zwar ein wichtiger Aspekt, der für die Zufriedenheit bei ihrer Freizeitbeschäftigung sorgt, jedoch gilt das Erholungsmotiv in der Natur als deutlich bedeutsamer. Menschen angeln in ihrer Freizeit, um Entspannung zu finden, sich am Wasser zu erholen und die angenehme Umgebung zu genießen. Auch die Abkehr vom Alltag sowie Geselligkeit, Nervenkitzel und Abenteuergefühl sind Nicht-Fang-Motive der Freizeitfischer*innen. Die Ruhe und Entspannung in der Natur zu erleben, gilt fast schon als soziale Norm des Angelns (20).

(20) Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) (Hrsg.). (2010). Forschungsbericht: Grundlagenuntersuchung Freizeit- und Urlaubsmarkt Wandern – Langfassung, Zugriff am 07.08.2020 unter: http://www.wanderverband.de/conpresso/_data/Forschungsbericht_web.pdf

Um in Deutschland angeln zu dürfen, bedarf es einer Fischereiprüfung. Nach erfolgreichem Bestehen kann gebührenpflichtig der staatliche Fischereischein erworben werden. Dieser hat eine Gültigkeitsdauer von 1 - 10 Jahren. Durch das Fischereirecht, welches Ländersache ist, richtet sich die Gültigkeit immer nach dem Bundesland, in dem der feste Wohnsitz liegt. Detaillierte Auskünfte erhält man beim zuständigen Ordnungsamt der Gemeinde oder der Stadtverwaltung. Der Fischereischein alleine reicht jedoch nicht für die Ausübung des Angelns aus. Für die meisten Gewässer in Deutschland braucht man zusätzlich einen Erlaubnisschein in Form einer Tages- oder Jahreskarte. Diesen kann man kostenpflichtig beim Eigentümer des Gewässers, der Schifffahrtsbehörde oder von einem ansässigen Angelverein erwerben.

Eine Ausnahme stellen Urlaubsfischereischeine dar. In Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Schleswig-Holstein können Urlauber*innen, die außerhalb dieser Bundesländer leben, einen Schein erwerben, der das Angeln für die Dauer von maximal 30 Tagen ermöglicht (21).

(21) Lauer, R. (2011). Basiswissen Angeln. Die Angelschule. Stuttgart: Müller Rüschlikon Verlag.

Allgemeine Ausgaben, die beim Angeln stetig anfallen, sind variable Kosten wie Anfahrt, Köder und Verschleißmaterial sowie fixe Kosten, zum Beispiel Ausrüstungsgegenstände wie Bekleidung, Ruten und Angelbeiträge. Für den Angeltag an sich fallen meist nur geringe Gebühren für den Erlaubnisschein an (im Durchschnitt ca. 13 €). Nach Beschaffung der passenden Ausrüstung ist es nahezu überall möglich zu angeln, daher sind aufwendige Reisen nicht zwangsläufig notwendig, um überhaupt Freizeitfischen zu gehen.

Hinsichtlich des gesamtwirtschaftlichen Werts des Angelns kann angenommen werden, dass die Freizeitfischerei ebenso bedeutsam wie die Berufsfischerei ist. Das Angeln bringt zahlreiche Arbeitsplätze mit sich, besonders in den Sektoren Einzelhandel, Futtermittelindustrie, Gaststätten und der Beherbergung (22). 6,46 Mio. Deutsche gehen mindestens 1x im Jahr angeln (23). In Deutschland beträgt der volkswirtschaftliche Umsatz der Angelfischerei etwa 5,2 Mrd. € pro Jahr (24). Für die Meeresangelei in den Gewässern der EU wird der volkswirtschaftliche Umsatz auf etwa 10,2 Mrd. € und 100.000 damit verbundene Arbeitsplätze geschätzt (25). Vor allem in strukturschwachen Regionen nimmt das Angeln als Treiber des Tourismus eine herausragende Stellung ein. Angler*innen fahren in Regionen, die von anderen Tourist*innen weniger häufig frequentiert werden, und reisen zudem häufig nicht in der touristischen Hauptsaison. Dennoch nehmen sie häufig lokale Dienstleistungsangebote, vor allem im Bereich Beherbergung und Gastronomie, in Anspruch.

(22) Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) (Hrsg.). (2010). Forschungsbericht: Grundlagenuntersuchung Freizeit- und Urlaubsmarkt Wandern – Langfassung. Zugriff am 07.08.2020 unter: http://www.wanderverband.de/conpresso/_data/Forschungsbericht_web.pdf

(23) IfD Allensbach (2019). Anzahl der Personen in Deutschland, die in der Freizeit Angeln oder Fischen, nach Häufigkeit von 2016 bis 2020 (in Millionen). Zugriff am 07.08.2020 unter: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/171166/umfrage/haeufigkeit-von-angeln-oder-fischen-in-der-freizeit/

(24) Arlinghaus, R. (2004). Angelfischerei in Deutschland – eine soziale und ökonomische Analyse. Berichte des IGB 18/2004, 168 ff.

(25) Hyder, K., Radford, Z., Prellezo, R., Weltersbach, M. S., Lewin, W. C., Zarauz, L., Ferter, K., Ruiz, J., Townhill, B., Mugerza, E. & Strehlow, H. V. (2017). Research for PECH Committee – Marine recreational and semi-subsistence fishing - its value and its impact on fish stocks, European Parliament, Policy Department for Structural and Cohesion Policies, Brussels.

Der abwechslungsreiche Küstenabschnitt zwischen Dänemark und Deutschland bietet optimale Lebensbedingungen für beliebte Meerforellen oder verschiedenste Flachfischarten. Das Angeln ist dort ganzjährig möglich. Mithilfe der dänischen Behörden für Natur und Wirtschaft haben dänische Wissenschaftler*innen eine kostenlose App entwickelt, die ein Fangverzeichnis für die Ostseeküste darstellen soll. Diese gibt einen Überblick über Angelausflüge und Fänge, sowie Naturschutzbereiche. Sie ist verknüpft mit Daten zur Wind- und Wetterlage und bietet eine Fangstatistik, die von Angler*innen ausgefüllt werden kann. Die App soll ein interaktives Netzwerk unter Freizeitfischer*innen fördern. Zusätzlich lässt sich aus den Angaben ablesen, inwiefern die Anzahl der Fische fällt oder zunimmt. So kann beobachtet werden, wie sich die Fischbestände entwickeln und welche Faktoren dafür verantwortlich sind – seien es Klimaveränderungen, Lebensräume, Fischerei oder Änderungen in der Nahrung der Fische (26).

(26) Naturturisme (o.J.). Fishing the baltic – dein Angelführer für die Ostsee. Nordborg: Destination Sønderjylland. Zugriff am 07.08.2020 unter: https://www.naturturisme.dk/pdf-filer/INTERREG/WEB_Fiskemagasin_D.pdf