Logo Natursport
Skip to main content

Feldbogenschießen

0
wurde der größte Dachverband auf internationaler Ebene gegründet, die World Archery Federation.
5 – 0 ha
Wald und Flur werden bei einem Turnier benötigt. Hier müssen zwei Parcours mit je 24 Scheiben aufgebaut werden.
Ca.
0
Bogenschütz*innen zählt der Deutsche Schützenbund.
0
Jahre alt ist der erste noch komplette Bogen, der 1944 in Dänemark gefunden wurde.
Ca. 0
Pfeile pro Tag schießen einzelne Schütz*innen bei einem Turnier.
0D-Scheiben
sind plastische, lebensgroße Tiermodelle aus Kunststoff, auf die geschossen wird.

Die folgenden Inhalte wurden in Zusammenarbeit mit dem DFBV erstellt.

Feldbogensport verbindet die Faszination des Bogenschießens mit den Herausforderungen einer Querfeldein-Wanderung durch teilweise schwieriges Gelände. Verschiedene Bogenarten und Ziele ermöglichen zudem Variationen der Sportausübung. Gemeinsam ist ihnen, dass der Aufenthalt in Natur und Landschaft den besonderen Reiz des Feldbogensports ausmacht. Dies kann allerdings verstärkte Auswirkungen auf Pflanzen und Tiere haben.

Im Laufe der Menschheitsgeschichte wurde quer durch alle Kulturen eine große Vielfalt an Bögen entwickelt. All diese unterschiedlichen Bögen und das entsprechende Pfeilmaterial können - in verschiedene Klassen unterteilt - zum Feldbogenschießen benutzt werden. Strikt verboten ist aber die Benutzung von Jagdpfeilspitzen.

Turniere dauern in der Regel zwei bis fünf Tage und finden bei jedem Wetter statt. Die Bogensportler*innen absolvieren dabei in kleinen Gruppen von maximal sechs Personen einen mehrere Kilometer langen Wald- und Feld-Parcours, der möglichst naturnah in die Landschaft einbezogen ist. Hierbei sind Schüsse auf Ziele in wechselnden Entfernungen abzugeben sowie steile Bergauf- und Bergabschüsse zu bewältigen. Geschossen wird je nach Disziplin auf schwarz-weiße Ringscheiben, auf Tierbildscheiben und auf sogenannte 3D-Scheiben – plastische, lebensgroße Tiermodelle aus Kunststoff.

Um Flora und Fauna möglichst wenig zu beeinträchtigen, ist eine Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde und den Jagdpächter*innen vor Aufbau eines Parcours sinnvoll. So können sensible Bereiche wie Brut-, Nist- oder Rastplätze von vornherein vermieden werden. Generell ist das Betretungsrecht zu beachten, das in gebietsspezifischen Verordnungen geregelt ist.

Damit eine Beeinträchtigung des Wildbesatzes möglichst gering gehalten wird, darf der Turnier- und Trainingsbetrieb außerdem nur bei vollem Tageslicht laufen. Dämmerungs- und Nachtzeiten sind grundsätzlich tabu.

Das Training für das Feldbogenschießen findet auf genehmigten Übungsplätzen oder „stehenden“ (permanenten) Parcours statt. Dort sind in der Regel auch Aufenthaltsräume und sanitäre Anlagen vorhanden. Einzelne Vereine bieten im Winter auch ein Hallentraining an. Bei Events sollten an den Pausenstationen Müllbehälter und mobile Toiletten aufgestellt werden. Jeglicher Abfall sollte von den Veranstalter*innen nach dem Turnier komplett aus dem Parcours entfernt werden.

Natürlich können alle Bogenschützen auch auf ihrem Privatgelände üben, solange sie niemanden gefährden bzw. im Sinne des Gesetzes über Ordnungswidrigkeiten stören. Von der unorganisierten Sportausübung in Wald und Flur ist dringend abzuraten, da sich die individuell übenden Bogensportler*innen dort leicht dem Verdacht eines Verstoßes gegen das Jagdgesetz aussetzen. Gesetzlich verboten ist das individuelle Üben, z.B. auf einer Wiese, allerdings nicht. Im Freien ist es dementsprechend ratsam die folgenden Verhaltensrichtlinien zusätzlich zu beachten:

  • Keinesfalls Jagdspitzen führen;
  • Keine Spuren hinterlassen (Müll, Schäden an lebenden Bäumen);
  • Dem Wild aus dem Weg gehen;
  • Nicht den Eindruck erwecken, man wolle nicht gesehen werden, um zu vermeiden, dass dem Schützen illegale Handlung vorgeworfen wird;
  • Respekt gegenüber den Förster- Jäger- und Waldbesitzer*innen, wenn man sie antrifft;
  • Sich Spaziergängern gegenüber freundlich, sicherheitsbewusst und auskunftsfreudig zeigen;
  • Sich ausweisen können;
  • Die entsprechenden Paragraphen kennen, die das Bogenschießen im Freien erlauben;
  • Sich nicht provozieren lassen und im Zweifelsfall (erst einmal) nachgeben (1).

(1) Fletcher’s Corner. (2015). Roving: Allgemeine rechtliche Beurteilung und Verhaltensregeln. Zugriff am 03.08.2020 unter: http://www.bauerfeind.name/Bogensport/Sicherheit/roving.pdf

Das Feldbogenschießen ist auf internationaler Ebene in dem weltweit größten Dachverband, der World Archery Federation (WA), organisiert. Diese wurde am 4. September 1931 als Fédération Internationale de Tir à l’Arc (FITA) gegründet und im Jahre 2011 in die englische Verbandsbezeichnung umbenannt. Als einziger Verband zu den Olympischen Spielen zugelassen, kümmert die WA sich um den Erhalt des Bogenschießens als olympische Disziplin und ist neben der Ausrichtung internationaler Wettkämpfe für die Herausgabe eines einheitlichen Regelwerks zuständig (2, 3). 

Im Gegensatz dazu fühlt sich die International Fields Archery Association (IFAA) eher den nicht-olympischen Varianten des Bogensports verpflichtet. Sie wurde 1970 gegründet und konzentriert sich vor allem auf die Austragung von Wettbewerben im Feldbogensport und der Bogenjagd, aber auch Hallenturniere werden angeboten (4).

Im Jahre 1988 gründete sich der Verband World Archery Europe (WAE), damals noch European and Mediterranean Archery Union (EMAU) genannt. Ihr übergeordnetes Ziel war es, den Bogensport in Europa und dem Mittelmeerraum zu fördern und  zu verbreiten (5).

Auf nationaler Ebene sind der Deutsche Schützenbund (DSB), der erstmals in 1861 und schließlich erneut in 1951 gegründet wurde, sowie der Deutsche Bogensport-Verband (DBSV), der sich 1959 gründete, die mitgliederreichsten Verbände. Der DSB hat 1,4 Mio. Mitglieder (Stand 2017), davon sind ca. 40.000 Bogenschützen*innen. Im Bereich des Feldbogensports und vor allem in Bezug auf die wachsende Popularität dieser Variante, ist jedoch auch der Deutsche Feldbogen Sportverband (DFBV) zu nennen (6). Dieser ist der IFAA angeschlossen und seine Mitglieder dürfen somit an den World Bowhunter Championships (WBHC) und den European Bowhunter Championships (EBHC) teilnehmen (7). 

(2) World Archery Federation. (o.J.). History of World Archery. Zugriff am 03.08.2020 unter: https://worldarchery.org/History-World-Archery

(3) World Archery Federation. (o.J.). World Archery. Zugriff am 03.08.2020 unter: https://worldarchery.org/World-Archery

(4) The International Field Archery Association. (2017). The Book of Rules. Seventeenth Edition.

(5) World Archery Europe. (2016). WAE History. Zugriff am 03.08.2020 unter: http://www.archeryeurope.org/index.php?option=com_content&view=article&id=5&Itemid=156

(6) Vorderegger, D. (o.J.). IFAA-Regeln. Regeln und Regelauslegungen. Zugriff am 03.08.2020 unter: http://www.bogensport.cc/traditionell-bogenschiessen/downloads/ifaa-regel.pdf

(7) Deutscher Feldbogen Sportverband e.V. (o.J.). Meisterschaften/Ligen. International. Zugriff am 03.08.2020 unter: http://dfbv.de/index.php/meisterschaften-ligen/international

Wer im Gelände mit dem Bogen schießen möchte, sollte sich der Gesetzeslage bewusst sein. Auch wenn Bögen vom Waffengesetz (WaffG) ausgenommen werden und sie dementsprechend nur als Sportgeräte gelten, so sollte allen Schützen*innen klar sein, welche Gefahr die Ausübung dieser Sportart im Freien mit sich bringen kann. Solange das Feldbogenschießen zum Zweck der Erholung und nicht im Sinne der Jagd oder der Wilderei betrieben wird, dürfen sich die Schützen*innen im Sinne des Betretungsrechts der einzelnen Bundesländer in der Natur aufhalten. Natürlich gilt das nur, solange keine anderen Nutzergruppen, wie andere Erholungssuchende, Jäger*innen, Förster*innen etc. gestört oder gar gefährdet werden (8).

Etwas anders liegt die Rechtslage allerdings im Falle einer Veranstaltung, denn diese müssen in jedem Fall durch die Forstbehörde und die Eigentümer*innen genehmigt werden. Zur eigenen Absicherung und um unnötige Konflikte zu vermeiden, sollten solche Genehmigungen jedoch auch im Falle einer freizeitorientierten Ausübung eingeholt werden (9). 

(8) Fletcher’s Corner (2005). Roving. Allgemeine rechtliche Beurteilung und Verhaltensregeln.

(9) Klaus, L. (2012). An der Cyriaksruine in Camburg – Endlich ein 3D-Parcours in Mitteldeutschland. BogensportInfo, Ausgabe 2011/2012, S. 68f.

Für ein Turnier werden je nach Geländebeschaffenheit zwischen fünf und zehn ha Wald und Flur benötigt, damit zwei Parcours mit je 28 Scheiben/Zielen gestellt werden können. Das Gelände sollte möglichst abwechslungsreich sein, also sowohl Steilhänge als auch ebene Flächen einschließen. Hoch- und Buschwald sollte sich mit offenen Flächen abwechseln, so dass unterschiedliche Lichtverhältnisse an den einzelnen Scheiben das Einschätzen der genauen Entfernung erschweren. Aus Sicherheitsgründen sollte möglichst viel dichtes Buschwerk als Pfeilfang auf dem Gelände wachsen.

Auch sollte das Gelände über Feld- oder Waldwege zugänglich sein, um Verpflegungsstände und mobile Toiletten in den Parcours bringen zu können.

Feldbogenschießen ist generell als eine naturverträgliche, grüne Sportart bekannt. Um einen Parcours anzulegen sind in der Regel nur wenige kleinere Eingriffe notwendig. Die Schussbahnen und Ziele müssen von überhängenden Ästen und hohem Gras freigehalten werden. Zur Befestigung der Ziele ist es meist notwendig Pfähle in den Boden zu schlagen. Diese Maßnahmen sollten jedoch keine maßgeblichen Auswirkungen auf die Natur haben, solange der Standort umweltbewusst gewählt wurde (10). 

In einer Studie wurde herausgefunden, dass auch Events kaum mit negativen Folgen für die Umwelt assoziiert werden. Die wenigen potentiellen Probleme können dabei leicht kontrolliert werden. Dabei wurde der Grad des Materialabfalls in der Studie angesprochen. Die FITA hat eine Reihe an Maßnahmen zur Reduktion des Mülls während der Veranstaltungen eingeführt (11).

Wettkämpfe ziehen aufgrund der auf dem Parcours von Scheibe zu Scheibe rotierenden kleinen Teilnehmergruppen kaum größere Zuschauermengen an. Zudem ist der Bewegungsfreiraum der Zuschauenden schon aus Sicherheitsgründen auf größere Waldwege beschränkt. Falls Zuschauende oder Medienvertreter*innen eine Gruppe in einem Turnier begleiten, so geschieht dies in der Regel nur unter Aufsicht und unter strikter Beachtung der Sicherheitsregeln. So sind auch bei weiterer Verbreitung des Sports kaum Großveranstaltungen des Feldbogenschießens zu erwarten. Allerdings können die Teilnehmenden, immerhin bis zu 400 Personen pro Wettkampf, durchaus ein beträchtliches Störpotenzial darstellen.  

(10) Archery GB (o.J.). Field Archery. A guide to field archery courses. Zugriff am 03.08.2020 unter: https://www.archerygb.org/wp-content/uploads/2017/05/A_Guide_to_Field_Archery_Courses_Final1.pdf

(11) Allahyari, S., & Pourmand, S. S. (2012). The Impact of Archery Events on Tourism Development: The Case of Iran.

Das Bogenschießen begleitet die Menschheit schon seit tausenden von Jahren. Während bis heute noch nicht abschließend geklärt werden konnte wann Pfeil und Bogen in Gebrauch genommen wurden, schätzen Archäologen*innen die Zeitspanne auf vor 50.000-30.000 Jahren (12, 13). Höhlenzeichnungen, die vor wenigstens 15.000 Jahren entstanden und die Pfeil und Bogen als Jagdwaffe darstellen, sind der erste Beweis für die Existenz von Pfeil und Bogen in Westeuropa. Sie stammen aus Südfrankreich und Spanien. In Dänemark wurde 1944 ein kompletter Bogen gefunden, der ca. 8.000 Jahre alt ist. Ein 17.600 Jahre zurückdatiertes Fragment eines Bogens aus Kiefernholz tauchte schließlich 2006 in Mannheim auf (12).

In der damaligen Zeit wurden Pfeil und Bogen zunächst zur Jagd verwendet. Sie gaben den Menschen die Möglichkeit, aus großer Distanz zielgenau und relativ gefahrlos ihre Beute zu erlegen. Auf dieser Basis setzten sie sich dann auch immer mehr als Kriegswaffe durch. Vor allem berittene Bogenschützen wurden gerne eingesetzt. In Deutschland kam der Bogen unter Karl dem Großen (748-814) zum Einsatz. Aus seinem Umkreis entstanden die „Hirschschützen“, welche 1198 als „Karlsschützen“, Europas ältester Bogenschützengesellschaft, bekannt wurden.

Seit der Neuzeit (ab ca. 1500) haben die Bögen als Kriegswaffe ausgedient. Nach 1800 verschwanden sie gänzlich aus dem Repertoire und wurden seitdem nur noch als Sportgeräte genutzt. Als Pioniere gelten bis heute die Brüder Maurice und William Thompson, die nach Ende des Bürgerkriegs im Jahre 1865, ihrem Hobby aus den Jugendtagen folgend, ein Geschäft für Bögen und Pfeile gründeten. Maurice Thompson verfasste 1878 das Buch „The Witchery of Archery“ (engl.: die Hexerei des Bogenschießens), welches ein voller Erfolg wurde und das Bogenschießen in Amerika bedeutend vorantrieb.

Als eigentlicher Begründer des modernen Bogenschießens gilt jedoch Dr. Saxton T. Pope, der mit seinem Buch „Hunting with Bow and Arrow“ (engl.: Jagen mit Pfeil und Bogen) die Bogenjagdtradition, vor allem in Amerika, stark vorantrieb.

Howard Hill wurde in den 1920/1930er Jahren besonders für das Trickschießen bekannt und prägte die Szene als Double von Clark Gable in „Robin Hood“, wo er unter anderem als Robin in einem Turnier einen Pfeil spaltete. Privat schoss er selbstgebaute Langbögen, die er mit dem typischen aufgeleimten Langbogengriff, Backings aus Kalbsrohhaut und später mit Glasfiber, versah.

Die heute noch verkauften Bear Bögen gehen auf Fred Bear zurück. Seine 1933 gegründete Bear Products Company, die ursprünglich Reklameschilder herstellte, machte durch den Bogenschieß-Boom aus dem ursprünglichen Nebengeschäft für Equipment des Bogenschießens ein Hauptgeschäft. Der noch heute bekannte Take-Down Recurve wurde 1946 von Bear zum Patent angemeldet und auch viele andere Entwicklungen gehen auf Fred Bear zurück (13).

(12) Haidn, O., Weinack, J. und Haidn-Tschalova, V. (2010). Bogenschießen. Trainings- und bewegungswissenschaftliche Grundlagen. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Balingen: Spitta Verlag.

(13) Vorderegger, D. (2010). Grundlagen und Praxis des Traditionellen Bogenschießens. Koppl: Vorderegger & Partner.

Varianten ergeben sich vor allem aus der Wahl der Bogenart. Wegen der Vielfalt der verschiedenen Bogentypen werden die Bogenarten in diverse Klassen unterteilt, die im Wettkampf jeweils separat gewertet werden. Die wichtigsten davon sind im Folgenden erklärt.

Der historische Bogen
Hierzu zählen alle Bögen, die entweder nur aus Holz oder aus anderen natürlichen Materialien hergestellt wurden, keine Pfeilauflage besitzen und einem Vorbild gleichen, das vor 1900 verwendet wurde. Diese Bögen dürfen nur mit Holzpfeilen geschossen werden.

Der moderne Langbogen
Dieser Bogen ist ein einteiliger Bogen, der auf Ober- und Unterseite mit Glasfasern verstärkt sein kann. Der Bogen muss aufgespannt eine runde Form (ohne Reflexzone) aufweisen. Er darf eine Pfeilauflage besitzen, wird aber ebenfalls nur mit Holzpfeilen geschossen.

Der Recurve-Bogen
Hierbei handelt es sich um einen Bogen, der im entspannten Zustand vom Sportler wegzeigende, gebogene Wurfarme hat. Diese Bögen dürfen aus beliebigen Materialien gefertigt sein. Verwendet werden mit Carbon verstärkte Mittelteile aus Holz oder Metall sowie Holz- oder Hightech-Wurfarme aus Kunststoff.
Der Recurve-Bogen besitzt in der Regel ein Bogenfenster und darf verschiedene Formen einer Pfeilauflage haben. Dieser Bogen kann sowohl mit Holz- als auch mit Aluminium- oder Carbon-Pfeilen geschossen werden.

Der Compound-Bogen
Dieser Bogen ist ein aus modernsten Werkstoffen gefertigtes Hightechprodukt mit der Besonderheit, dass durch Umlenksysteme die Zugkraft, die zum Ziehen aufgewendet werden muss, um somehr reduziert wird, je weiter der Bogen ausgezogen wird. Dieser Bogen wird mit Aluminium- oder Carbonpfeilen geschossen.

Innerhalb der beiden letztgenannten Bogenarten gibt es je nach Ausstattung, Visierung und Lösesystemen nochmals Untergruppen, die im Wettkampf separat gewertet werden.

Der besondere Reiz beim Bogenschießen liegt in der Einmaligkeit der wechselnden Umfeldbedingungen. Die Bogensportler*innen müssen, neben der technischen Beherrschung ihres Gerätes, die Einflüsse der Witterung und der Geländeverhältnisse auf ihr Tun abschätzen und in den jeweiligen Schuss einbringen. Je nach Parcours, Geländeform und Bewuchs ergeben sich andere Abschusswinkel. Unterschiedliche Hangneigungen führen zu jeweils anderen Trefferbildern. Wechselnde Lichtverhältnisse erschweren die Einschätzung der Entfernung zum Ziel. Je nach Wetterlage beeinflusst der Wind die Flugbahn des Pfeils und nicht zuletzt können Regen und Schnee bereits das Wandern auf einem Parcours zu einer besonderen Herausforderung machen. Außerdem werden Parcours bei Wettkämpfen möglichst so aufgebaut, dass die Sportler*innen ein eindrucksvolles Naturerlebnis erwartet.

Feldbogenschießen ermöglicht den Sportlern*innen eine Beziehung zur Natur aufzubauen und sich an ihr zu erfreuen. Da die Qualität der Ausübung in direktem Bezug zu der Intaktheit der Natur steht, legen die Sportler*innen auf eine umweltfreundliche und nachhaltige Ausübung besonderen Wert. Auch Vereine erachten das Vermitteln von Naturschutz als wichtigen Bestandteil. So sollen die Bogenschützen*innen lernen die Natur zu pflegen und zu erhalten, um gleichzeitig nachhaltig Kraft zu schöpfen und Entspannung zu finden (14).

Eine Studie zeigt, dass Probanden*innen beim therapeutischen Bogenschießen häufig Entspannung, Gelassenheit und Konzentration erfahren haben (15). Es wird bewusst Spannung im ganzen Körper aufgebaut und mit dem Schuss losgelassen. Die Selbsterfahrung, die hierbei gemacht wird, spielt beispielsweise beim intuitiven Bogenschießen eine wichtigere Rolle als das Ergebnis des Schusses (16).

(14) Bogengemeinschaft Mensch und Natur Vossenack e.V. (o.J.). Zugriff am 03.08.2020 unter: https://www.bogengemeinschaft.eu/

(15) Benzinger. (2010). Welche hauptsächlichen Wirkimpulse werden durch das therapeutisch-intuitive Bogenschießen bei Psychotherapiepatienten im Rahmen eines stationären multimethodalen Behandlungskonzeptes erfahren? Zugrifff am 03.08.2020 unter: https://www.erfahrungslernen.info/images/Dokumente/infer/Studie-therapeutisch-intuitives-Bogenschiessen.pdf

(16) Naturfitness. (o.J.). Therapeutisches Bogenschießen als Chance für Veränderung. Zugriff am 03.08.2020 unter: https://www.naturfitness.de/therapeutisches-bogenschiessen

Das Feldbogenschießen erfordert, im Gegensatz zum allgemeinen Bogenschießen, die Kondition für viele Stunden oder oft auch einen ganzen Tag im Gelände unterwegs zu sein. Matschige, hügelige und schwer zu durchdringende Parcours sind dabei keine Seltenheit. Auch werden bei einem Turnier ca. 120 Pfeile pro Tag geschossen. Hat ein (leichter) Erwachsenen-Bogen ein Zuggewicht von nur 30 Pfund, so heißt dies, dass die Bogensportler*innen pro Wettkampftag bis zu 3.600 Pfund zu ziehen, zu halten, zu kontrollieren und zu lösen haben. Um dies zu leisten, bedarf es eines konstanten Trainings.

Feldbogenschießen wird in der Regel nicht, wie viele vermuten würden, auf dem Feld ausgeübt. Vielmehr benötigt Feldbogenschießen Wälder, Unterholz, unebene Böden, Sanddünen und Gebüsch. Oftmals eignen sich Flächen für diese Sportart, die sich nicht für anderweitige Nutzungen anbieten (17). Bei der Auswahl der Fläche sollte ein besonderes Augenmerk darauf gelegt werden, dass diese naturschutzrechtlich unbedenklich genutzt werden kann (18).   

Wichtig ist vor allem bei der Ausrichtung von Turnieren, dass der Ausrichtungsort genügend Platz bietet. Bei normalen Feldbogenturnieren, welche ursprünglich als Trainingsrunden für Parcour-Schützen gedacht waren, aber sich recht schnell als eigene Turnierform etabliert haben, wird standardmäßig auf 14 verschiedene Ziele geschossen. 3D-Parcours, die je nach Wettkampf aus bis zu 24 Zielen bestehen, benötigen dementsprechend deutlich mehr Platz. Anzahl und Entfernung der Ziele sind variabel. Die Distanzen können je nach Größe und Schwierigkeit zwischen 5 m und 60 m betragen (19). Aus Sicherheitsgründen dürfen Schießbahnen nicht gegenläufig sein oder sich kreuzen und bestimmte Gefahrenbereiche müssen einkalkuliert und abgesichert werden (20). 

Weder traditionelle noch moderne Sportbögen unterliegen in Deutschland dem Waffengesetz oder dem Jagdrecht. Sie gelten als Sportgeräte und bedürfen daher keiner speziellen Erlaubnis für Erwerb oder Gebrauch. Allerdings sollte man sich vor der Anschaffung eines Bogens in einem guten Fachgeschäft oder einem Feldbogen-Sportverein beraten lassen. Nicht alle Bögen sind gleich leistungsstark bzw. wettkampftauglich. Fachgeschäfte bieten oft Leihbögen an, mit denen man die Grundtechnik des Bogenschießens erlernen und sich danach für ein passendes Sportgerät entscheiden kann.

Zur technischen Mindestausrüstung gehören neben dem Bogen Pfeile, Hand- und Armschutz, ein Köcher und evtl. ein Brustschutz. Notwendig sind außerdem feste Bergschuhe, reißfeste, lange Hosen (Zeckenschutz) und Regenbekleidung. Eine Kopfbedeckung ist empfehlenswert.

Die Bogensportler*innen selbst benötigen zur Ausübung des Sports keine behördliche Erlaubnis. Anders ist es bei den Parcoursbauenden oder Betreibenden: Ein stehender Parcours ist eine bauliche Anlage im Außenbereich und muss daher von der zuständigen Baubehörde genehmigt werden. Diese wird dazu das Einverständnis der Unteren Naturschutzbehörde, des Forstamtes, der Eigentümer*innen und evtl. der Jagdpächter*innen sowie der Wasserschutzbehörde etc. einholen müssen. Aspekte des Natur- und Gewässerschutzes, der Forstwirtschaft und Belange der Grundstückseigentümer*innen bzw. Pächter*innen sind auch bei Beantragung eines temporären Wettkampfparcours zu berücksichtigen. Die entsprechenden Genehmigungen sind einzuholen.

(17) Hamlett-Wood, M. (2002). Field Archery. A Complete Guide. London: Robert Hale.

(18) Klaus, L. (2012). An der Cyriaksruine in Camburg – Endlich ein 3D-Parcours in Mitteldeutschland. BogensportInfo, Ausgabe 2011/2012, S. 68f.

(19) Archery GB. (o.J.). Field Archery. A guide to field archery courses. Zugriff am 03.08.2020 unter: https://www.archerygb.org/wp-content/uploads/2017/05/A_Guide_to_Field_Archery_Courses_Final1.pdf

(20) Deutscher Feldbogen Sportverband e.V. (2009) (Hrsg.). Sicherheitstechnische und bauliche Regeln für Bogenplätze. Zugriff am 03.08.2020 unter: http://assets.dsb.de/public/uploads/sicherheitstechnische_regeln.pdf

Die ökonomischen Effekte des Bogensports sind bisher wenig bis gar nicht untersucht. Besonders in Ländern wie Deutschland, in denen das Feldbogenschießen keinen großen Stellenwert einnimmt, gibt es kaum Aussagen über die Schaffung neuer Arbeitsplätze oder den Mehrwert für die Regionen. Eine Studie, die die ökonomischen Aspekte des Bogenschießens im Rahmen der Tourismusentwicklung des Irans untersuchte, weist darauf hin, dass die Meinungen diesbezüglich auseinandergingen und sich die Auswirkungen nicht auf kurzfristige Sicht erfassen ließen, sondern vielmehr langfristig zu untersuchen seien (21).

In den USA wurden Ende der 90er-Jahre einige Studien durchgeführt, die die ökonomischen Auswirkungen auf die nationale und regionale Wirtschaft untersuchten. Hierbei ging es unter anderem um generelle Ausgaben von Bogenjägern*innen, sowie deren Multiplikatoreffekt, aber auch Gehälter und Löhne, die generiert werden sowie Jobs, die durch die Bogenjäger*innen geschaffen werden. 1996 gaben die Bogenjäger*innen dementsprechend durchschnittlich 4.234 US-Dollar für ihren Sport aus. Reduziert man die Ausgaben um die Kosten für große Anschaffungen, wie Land, Boote, Fahrzeuge und Hütten, blieben immer noch 1.778 US-Dollar für die Ausübung der Bogenjagd. Der Multiplikatoreffekt für die Gesamtkosten belief sich auf 11.825 US-Dollar. Auf 2.986 US-Dollar summieren sich die Dollar, die sich auf Lohnabrechnungen wiederfinden und acht neue Bogenjäger*innen helfen, einen neuen Arbeitsplatz zu schaffen (22). Diese Zahlen beziehen sich ausschließlich auf die Bogenjäger*innen. Für eine vollständige Übersicht über den wirtschaftlichen Mehrwert müssten Zahlen zum Feldbogenschießen getrennt von der Jagd erhoben werden. Man kann zudem davon ausgehen, dass sich die Zahlen, die für die USA generiert wurden, nicht auf Deutschland übertragen lassen, da die reale Jagd mit dem Bogen hierzulande nicht erlaubt ist.

Außerdem betont die zuvor genannte Studie von Allahyari und Pourmand, dass Bogenturniere eine große Auswirkung auf soziale und kulturelle Aspekte der Tourismusentwicklung einer Region haben können. Zum einen kann die gastgebende Region durch (internationale) Events die Aufmerksamkeit der Menschen überall in der Welt erlangen, zum anderen kann ihnen auf diesem Wege die Kultur näher gebracht werden. Des Weiteren kommen bei Wettkämpfen unterschiedlichste Nationalitäten zusammen. Dadurch wird der kulturelle Austausch in einem lokalen Setting gefördert (21).

(21) Allahyari, S., & Pourmand, S. S. (2012). The Impact of Archery Events on Tourism Development: The Case of Iran.

(22) Duda, M. D. & Southwick, R. (2000). Bowhunting in the U.S. A Market Study. Zugriff am 03.08.2020 unter: https://archerytrade.org/wp-content/uploads/2018/01/Bowhunting_in_the_US_A_Market_Study.pdf

Im Steigerwald, zwischen Zell am Ebersberg und Oberschleichach, wurde im Wald ein Feldbogenparcours errichtet. Auf einem fünf Kilometer langen Rundweg stehen Wildtierfiguren aus Hartschaum an 33 Stationen. An jeder Station gibt es zwei unterschiedliche Abschussstationen, an denen Hobbyschützen*innen und erfahrenere Bogenschützen*innen schießen können.

Nach einem Jahr der Planung und Zusammenarbeit mit den Staatsforsten, dem Landratsamt und der Gemeinde Sand betreibt die Familie Rhein aus Zell nun den Parcours. Auch der Forstbetriebsleiter der Bayerischen Staatsforste in Ebrach ist überzeugt, dass das Projekt die Attraktivität des Steigerwalds erhöht, während Naturschutz und Erholung im Vordergrund stehen. Das Konfliktpotenzial zwischen Spaziergängern*innen, Wanderern*innen und Bogenschützen*innen wird als gering eingestuft, solange die Waldwege nicht verlassen werden (23).

(23) Licha, C. (2017). Viel Lob für den Feldbogenparcours. Zugriff am 03.08.2020 unter: https://www.mainpost.de/regional/hassberge/Viel-Lob-fuer-den-Feldbogenparcours;art1726,9778876