Logo Natursport
Skip to main content

Rafting

0 Stufen
hat die internationale Wildwasserskala zur Einschätzung der Schwierigkeit zum Befahren eines Flusses.
0
Besucher pro Jahr dürfen maximal den Colorado River befahren, welcher durch den Grand Canyon Nationalpark in den USA führt.
4 - 0
Personen finden auf einem Raft Platz.

0 v. Chr.
entstand womöglich das erste Flussgefährt, welches unserem heutigen Raft ähnelt.
0
kostet ein gutes Raft mindestens.
"Hold on!"
ruft der Steuermann bzw. die Steuerfrau bevor es richtig rasant wird, damit die Gruppe sich rechtzeitig sichern kann.

Rafting im Wildwasser ist eine aufregende und naturnahe Wassersportart. Auf dem Raft (Englisch für Floß), welches eine Art sehr stabiles Schlauchboot ist, finden 4 - 12 Personen Platz, die mit einem Stechpaddel ausgerüstet eine Flussabfahrt wagen. Jedes Team-Mitglied hat ein eigenes Paddel und muss aktiv mitwirken, um das Boot sicher durch Stromschnellen und Hindernisse zu navigieren (1). Teamgeist und Abenteuerlust werden hier groß geschrieben und verleiten viele Neulinge, aber auch erfahrene Wassersportler*innen zu einer Tour (2). Auf den seitlichen Schläuchen des Bootes sitzend hält man sich mittels Fußschlaufen am Boot fest und hat so beide Hände zum paddeln frei. Bei kommerziellen Touren wird das Raft von einem Guide, der über viel Erfahrung und Kenntnisse des Flusses verfügt, über Wellen und Walzen gesteuert, während er der Gruppe Kommandos zum Paddeln erteilt (3).

(1) Fernsebner, G., Huber, W. (1998). Faszination Wildwasser: Wildwasserschwimmen, Rafting, Canyoning; Gefahren – Sicherheiten – Rettung. Wien: Tyrolia-Verlag.

(2) Fluker, M. R., Turner, L.W. (2000). Needs, Motivations, and Expectations of a Commercial Whitewater Rafting Experience. Journal of Travel Research, Vol. 38, 380-389.

(3) Erber, C. (2008). Outdoor: Basiswissen für draußen – Rafting. Welver: Conrad Stein Verlag GmbH.

Auf kommerziellen Touren, hat der Guide die Verantwortung dafür, dass sich die Gäste naturbewusst verhalten. Selbstverständlich sollte aber auch in Eigeninitiative dazu beizutragen werden, die Flüsse und das umliegende Land sauber zu halten. Folgende Verhaltenstipps können dafür hilfreich sein:

  1. Müll mitnehmen, auch wenn dieser von den Vorgängern am Ufer gelassen wurde, ansonsten kann ein negatives Bild auf alle Wassersportler zurückgeworfen werden.
  2. Nie in den Fluss urinieren, sondern an Land möglichst weit weg vom Wasser, damit es durch die Gesteinsschichten gefiltert wird.
  3. Geschirr sollte nie direkt am Fluss gewaschen werden, vor allem nicht mit Seife.
  4. ‚Nehmen Sie nur Bilder mit nach Hause, hinterlassen Sie nur Fußspuren‘ (4).

Ferner ist es ratsam, dass Sie sich ausschließlich mit einem Guide auf dem Wildwasser bewegen oder selbst über sehr gute Kenntnisse der Sportart und des Flusses, welchen Sie befahren wollen, verfügen. Besondere Vorsicht ist aber auch an Land geboten – die meisten Unfälle beim Rafting passieren beim Betreten des Ufers, z.B. durch einen unachtsamen Tritt in Glasscherben. Wer sich in freier Natur befindet, könnte zudem Bekanntschaft mit Wildtieren machen (5).

(4) Erber, C. (2008). Outdoor:  Basiswissen für draußen – Rafting. Welver: Conrad Stein Verlag GmbH, S.92.

(5) Huser, V. (2001). River running – 2nd edition. Seattle: The Mountaineers Books.

Rafting ist ein Teamsport, der typischerweise über kommerzielle Anbieter als Freizeitsport betrieben wird. Sollten Sie sich für eine private Tour ohne Guide entscheiden, stellen Sie vorab sicher, dass Sie über die nötige Ausrüstung, Erfahrung und Genehmigung verfügen. Mancherorts ist zum Schutz der Natur ein behördliches Befahrungsverbot verhängt, welches dringend beachtet werden sollte, da sonst Bußgelder drohen (6).

Beim Rafting als Freizeitsport stehen Spaß und Erlebnis im Vordergrund. Es gibt zudem organisierte Wettkämpfe, bei denen leidenschaftliche Rafter*innen in drei Disziplinen antreten. Hier wird sich im schweren Wildwasser in Sprint, Slalom und Abfahrtsrennen gemessen (6).

In Deutschland ist das kommerzielle Rafting durch den Bundesverband Kanu e.V. (BVKanu) vertreten. Dort sind sowohl führende Kanuanbieter, -schulen und -hersteller als auch Händler aus Deutschland und angrenzenden Ländern organisiert. Der Bundesverband Kanu bildet Raftingführer*innen aus. Der Deutsche Kanu-Verband (DKV), als Interessensvertretung des organisierten Kanusports, widmet sich dem Rafting als Wettkampfsport.

(6) Erber, C. (2008). Outdoor: Basiswissen für draußen – Rafting. Welver: Conrad Stein Verlag GmbH, S.92.

Die rechtliche Lage wird auf nationaler bzw. landesweiter Ebene festgehalten. Bspw. bilden das Schiffahrtsgesetz (SchFG) und die Schiffsführerverordnung die gesetzliche Grundlage in Österreich (7). In Bayern bestimmt das Bayerische Wassergesetz (BayWG) und die Verordnung für die Schifffahrt auf den bayerischen Gewässern (Schiffahrtsordnung – SchO) die rechtlichen Voraussetzungen. Hier müssen sich kommerzielle Anbieter unbedingt vorab entsprechend informieren und ihre Rafting Touren bei der zuständigen Gemeinde anmelden. Private Touren müssen nicht angemeldet werden, allerdings brauchen Boote ab einer Länge von 9,20 m in Bayern immer eine Genehmigung von der örtlichen Kreisverwaltungsbehörde (8, 9).

Generell gilt rücksichtsvoll mit der Natur umzugehen, da durch die Befahrung des Flusses und das Betreten des Ufers Schäden entstehen können und Lebewesen gestört werden. Mancherorts werden von der Behörde Fahrverbote verhängt - zum Schutze der Natur, insbesondere scheuer Wasservögel (10).

(7) Arbeitsgruppe "Qualitäts- und Sicherheitskriterien". (2008). Tiroler Rafting Lehrplan. Hrsg. ASI-Tirol. Zugriff am 14.08.2020 unter: https://alpinesicherheit.files.wordpress.com/2009/04/tirolerraftinglehrplan12.pdf

(8) Bayerisches Wassergesetz (BayWG) vom 25. Februar 2010 (GVBl. S. 66, 130, BayRS 753-1-U), das zuletzt durch § 1 des Gesetzes vom 21. Februar 2018 (GVBl. S. 48) geändert worden ist.

(9) Verordnung für die Schiffahrt auf den bayerischen Gewässern (Schiffahrtsordnung - SchO) Vom 9. August 1977 (GVBL S. 469, ber. S. 488) Zuletzt geändert am 23. März 2005 (GVBL S. 100) BayWG.

(10) Erber, C. (2008). Outdoor:  Basiswissen für draußen – Rafting. Welver: Conrad Stein Verlag GmbH, S.92.

Theoretisch sind alle Gewässer befahrbar, sofern die Ausrüstung und Kenntnisse der Sportler*innen auf jenes abgestimmt sind. Für das Rafting bedarf es entsprechend eines breiten und tiefen Flusses mit ausreichend Strömung. Der Fluss lässt sich je nach Wassermenge und Gefälle in ruhigere oder wildere Abschnitte einteilen, wobei letztere besonders interessant für Rafter*innen sind. Sie werden als Katerakt, Schlucht oder Rapid (engl. für "schnell") bezeichnet (11). Die Bootsgröße und das Können der Rafter*innen müssen auf Tiefe und Breite des Wassers sowie Hindernisse abgestimmt sein.

Hindernisse, die nur durch das Umtragen des Bootes an Land bewältigt werden können, sollten nicht zu zahlreich auftreten, da hierdurch die Tiere und Pflanzen am Ufer gestört werden können. Durch die natürlichen oder künstlichen Hindernisse im Fluss wird die Abfahrt erst richtig spannend, denn das Wasser fließt hier nicht nur zahm geradeaus. 

Zudem sind Verkehrsanbindungen an den Ein- und Ausstiegen für den Transport des Materials und der Rafting-Gruppe von Vorteil. Entsprechende Infrastruktur am Start- und Endpunkt sowie an den Rastplätzen ist entsprechend nützlich.

(11) Erber, C. (2008). Outdoor:Basiswissen für draußen – Rafting. Welver: Conrad Stein Verlag GmbH, S.92.

Rafting als Urlaubsaktivität oder Sportart erfreut sich steigender Beliebtheit. Damit einhergehend ist ein Zuwachs an Vereinen und kommerziellen Anbietern, aber auch an sportartspezifischer Infrastruktur. Da im Prinzip jede unerfahrene, interessierte Person den Sport nach einer kurzen Einweisung ausüben kann, sind viele Rafting-Neulinge nicht über die Belastung des Ökosystems und naturverträgliches Verhalten aufgeklärt (12).

Im Bereich der Ein- und Ausbootstellen bzw. der Rastplätze entsteht eine erhöhte Belastung des Ökosystems, wenn auch nur punktuell. Oftmals halten Raftinggruppen ohne Kenntnisse nach Belieben überall an, auch, ohne Rücksicht auf ausgewiesene Schutzzonen zu nehmen. Betroffen sind in erster Linie die besonders sensiblen Uferabschnitte im Bereich des Kehr- und Ruhigwassers. In empfindlichen Biotopen können Tritte zu Schäden am Uferbewuchs, zu Uferabbrüchen, Artenverschiebung sowie Vegetationsverlust führen.

Weitere Auswirkungen können sein:

  • An- und Abreise sowie Transport des Materials mit dem PKW/ Reisebus: Erhöhter CO2 -Ausstoß, Bedarf an Infrastruktur (12);
  • Rastplätze: Störung der Vegetation, Bedarf an Infrastruktur wie Toiletten und Abfalleimer (12);
  • Störung der Tier- und Pflanzenwelt
    1. Störempfindliche Tiere können beunruhigt oder vertrieben werden. Erheblich zeigt sich das in der Brutzeit der am Wasserlauf heimischen Vögel (Eisvogel, Wasseramsel, Flussuferläufer etc.), die bei Störung die Brut- und Nahrungsaufnahme unterbrechen.
    2. Röhricht und Unterwasserpflanzen können beschädigt werden. Schilfbestände sind Rückzugsraum für einige Vogelarten und auch Lebensraum für viele Wirbellose. Wird nur ein Halm dieses Gewächs' beschädigt, dringt Wasser in das Wurzelgeflecht hinein und die komplette Pflanze stirbt ab.
    3. Die bloße Anwesenheit von Raftern auf dem Wasser kann eine Störung wildlebender Tiere (Fische, Wasservögel, Fischotter) darstellen. Hierdurch werden Stressreaktionen ausgelöst, die abhängig von den jeweiligen Fluchtdistanzen der Tiere sind. Wenn auf einem Gewässer über längere Zeit viele Boote unterwegs sind, kann der Einfluss auf die Tiere stark sein.
    4. Fischlaichplätze im Kiesbett können durch mechanische Belastung der Gewässersohle (Grundberührung durch das Boot oder die Stechpaddel) oder durch Sedimentaufwirbelung (Schlammbänke und Feinsand) zerstört werden. Dies geschieht häufig in flachen Gewässern und an exponierten Stellen.
  • Störung der Anwohner *innen (12).

(12) Janzen, J. (1991). Darstellung der Sportart Rafting und seiner Einflüsse auf die Umwelt. Diplomarbeit DSHS Köln.

Das größte Konfliktpotenzial bei Natursportarten besteht zwischen den Sportler*innen und der Umwelt selbst. Beim Rafting werden vor allem Vögel, Fische und Ufergewächse ge- oder gar zerstört. Durch die ansteigende Nachfrage nach Natursportarten zum Zwecke der Erholung entsteht eine immer höhere Beanspruchung der Erholungsräume (13).

Weitere Konflikte bestehen auf sozialer Ebene mit Sportler *innen, die eine andere Sportart im selben Nutzungsraum ausüben möchten (13). Hier sind vor allem Fischer*innen, Kajakfahrer *innen und Kanut *innen anzuführen.

(13) Mann, C. (2006). Konflikte in Erholungsgebieten – Ursachen, Wirkungen und Lösungsansätze. Remagen-Oberwinter: Verlag Dr. Kessel.

Man kann sagen, dass der erste Mensch, der versucht hat einen Baumstamm über einen Fluss zu dirigieren, der Erfinder der Flussabfahrt war. Zunächst wurden Flöße aus Holz gebaut, vielerorts wurde aber auch schon früh Leder verwendet. Der erste dem Raft ähnelnde Vorgänger war ein Floß unter das mit Luft gefüllte Lederballons genäht wurden (14).

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde erstmals ein aufblasbares Boot für die Erforschung eines Flusses eingesetzt; das Gummimaterial konnte sich jedoch nicht durchsetzen. Bei nachfolgenden Expeditionen wurden eher wieder Ruderboote aus Holz eingesetzt, so z.B. 1869 bei der Erstbefahrung des Grand Canyons auf dem Colorado River durch John Wesley Powell.

Zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg entwickelte die US-Armee aufblasbare Rettungsboote, die aus robustem, widerstandsfähigem Gummi hergestellt wurden. Diese Rafts - den heutigen ähnlich in Größe, Form und Design - wurden folgend auch von privaten Abenteurer *innen und Wildwasserprofis verwendet, um die unzugänglichen Schluchten Nordamerikas zu erforschen. 1952 wurde in den USA die erste Konzession für kommerzielles Rafting gegründet und eine neue Sportart war geboren.

Georgie White Clark leitete die ersten wirklich touristischen Rafting-Touren auf dem Colorado River Mitte des 20. Jahrhunderts. Aufgrund der stetig wachsenden Besucherzahlen wurde 1972 eine Obergrenze von 17.000 Besucher *innen pro Jahr vom Nationalparkservice des Grand Canyons eingeführt (14).

In den 1960er- und 1970er-Jahren verbreitete sich Rafting weltweit. Mit der Entwicklung und Verbesserung der Materialien wurde der Sport, der vorher nur einigen abenteuerlustigen Wildwasserfanatiker *innen vorbehalten war, einer breiten Masse zugänglich. In Europa werden seit Beginn der 1980er-Jahre kommerzielle Raftingtouren angeboten (14).

(14) Bernasconi, M., Tenucci, M. (1998). Rafting – L’historique, la technique, les plus beaux parcours. Paris: Éditions Nathan.

Es gibt mehrere Arten von Rafts:

  1. Katarafts weisen eine Ähnlichkeit zum Segel-Katamaran auf. Sie zeichnen sich durch ihre Schnelligkeit aus und werden häufig als Rennboote verwendet. Sie sind allerdings eher ungeeignet für den kommerziellen Gebrauch.
  2. Ruder-Rafts zeigen ihren Einsatz auf großen Flüssen wie dem Zambesi oder Colorado. Sie sind hauptsächlich als Gepäcktransporter für Mehrtagestouren geeignet und werden dort ausschließlich von erfahrenen Guides geführt.
  3. Bei den Rafts mit Heckruder sitzt das Team mit losen Paddeln im Boot. Ein Guide steht am fixierten Heckruder, um es zu steuern.
  4. Rafts für lose Paddel sind die gängigste Form, vor allem im kommerziellen Gebrauch, aber auch im Leistungssport. Hier ist das Verletzungsrisiko gering und zusätzlich ist das Flippen des Bootes einfacher, wenn es durch das Wildwasser umgedreht wurde (15).

Mittlerweile ist das Rafting auch als Wettkampfsport beliebt. Meist nutzt man 4- oder 6-Personen-Rafts mit losen Paddeln. Für Mehrtagestouren hingegen sind größere Boote besser geeignet, um Material und Proviant zu transportieren. Für schnelle, abenteuerliche Touren werden kleine, wendige Boote bevorzugt (15).

Die Rafting Saison in Mitteleuropa geht von April bis Oktober. Je nachdem, wie der Fluss gespeist wird, hat er im Frühling oder Sommer einen höheren Wasserstand. Bei geführten Touren kann gut auf höherem, wilderen Wasser gefahren werden, was mehr Spaß verspricht verspricht. Bei privaten Touren und noch wenig Erfahrung zuerst ein niedrigerer Wasserstand gewählt werden (15).

Einsteigertouren gibt es z.B. in Österreich auf dem Inn. Fortgeschrittene kommen eher auf der Sanna (frühe Schneeschmelze im Mai/Juni) oder der Ötztaler Ache (wird aus Gletscherschmelze gespeist, am besten an heißen Sommertagen) auf ihre Kosten. Besonders erlebnisreiche Mehrtagestouren kann man in Gebieten mit hohen Bergen und geringer Einwohnerdichte erfahren (Kanada, Neuseeland, Russland, Nepal) (15).

(15) Erber, C. (2008). Outdoor: Basiswissen für draußen – Rafting. Welver: Conrad Stein Verlag GmbH.

Freizeitgestaltung bedeutet für viele Abenteuerlustige nicht nur Entspannung und Erholung, sondern beinhaltet auch die Suche nach neuen Erlebnissen und aufregenden Erinnerungen. Hierbei orientieren sich viele Abenteuertouristen an Sportarten und Aktivitäten, welche in der freien Natur stattfinden. Oft liegt die Motivation zur Teilnahme an Sportarten wie Rafting darin, dass ein Risiko eingegangen wird, was wiederum dazu führt, dass Aufregung, Vergnügen und Nervenkitzel entstehen. Besonders das Gefühl, dass die Aktivität etwas Gefährliches an sich hat, weckt für viele die Neugier, die eigenen Grenzen auszutesten (16).

(16) Beckmann, E., Whaley J.E., Kim, Y.-K. (2017). Motivations and Experiences of Whitewater Rafting Tourists on the Ocoee River, USA. International Journal of Tourism Research, 19: 257– 267. Zugriff am 14.08.2020 unter: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.1002/jtr.2109

Beim Rafting sind alle Teilnehmer*innen aktiv am Paddeln beteiligt, um das Raft sicher voran zu bringen. Dementsprechend ist eine gewisse Grundkondition gefragt. Zudem sollte man trotz vorhandener Schwimmweste durchaus über Schwimmkenntnisse verfügen. Aus technischer Sicht bedarf es bei einer geführten Tour weniger Vorkenntnisse, da ein Guide die Verantwortung für das Lenken des Rafts übernimmt und zudem vom Heck aus Anweisungen an die Gruppe gibt (17).

Die Schwierigkeit der Tour hängt von vielen Faktoren ab, bspw. wie "zahm" der Fluss ist oder wie hoch der Wasserstand. Kurz- oder Halbtagestrips auf einem ruhigeren Fluss eignen sich aber quasi für alle und sind somit beliebt als Gruppen- oder Betriebsausflüge (18).

(17) Fernsebner, G., Huber, W. (1998). Faszination Wildwasser: Wildwasserschwimmen, Rafting, Canyoning; Gefahren – Sicherheiten – Rettung. Wien: Tyrolia-Verlag.

(18) Erber, C. (2008). Outdoor: Basiswissen für draußen – Rafting. Welver: Conrad Stein Verlag GmbH.

(19) Bernasconi, M., Tenucci, M. (1998). Rafting – L’historique, la technique, les plus beaux parcours. Paris: Éditions Nathan.

Seinen Ursprung hat dieser Freizeitsport im Nordamerika der 40er-Jahre: Im zweiten Weltkrieg wurden kreisförmige Boote genutzt, die nach dem Krieg von den Pionieren des Raftsports genutzt wurden, um das Wildwasser freizeitmäßig zu erkunden. Ihre Boote waren allerdings sehr wackelig und kenterten häufig. Die Freizeitindustrie entdeckte die Marktlücke und begann mit der Entwicklung von neuen Designs und Materialien. Die Längsbauweise der heutigen Rafts erwies sich als vorteilhaft und bot zudem mehr Platz für Gepäck und Personen (20).

Die Kosten für eine Rafting Tour variieren je nach Länge des Flusses, dem Schwierigkeitsgrad und der Anreiselänge. In Tirol zahlt man ab 40 € aufwärts für einen 2-stündigen Kurztrip (20). Der Tiroler Rafting-Verband erwirtschaftete im Jahr 2013 eine direkte Wertschöpfung aus Outdoor-Aktivitäten von 27,1 Mio. € (21).

(20) Erber, C. (2008). Outdoor: Basiswissen für draußen – Rafting. Welver: Conrad Stein Verlag GmbH.

(21) Tiroler Raftingverband. (2014). Studie: Wirtschaftsfaktor Rafting im Tiroler Oberland. Zugriff am 14.08.2020 unter: https://rettetdiesanna.files.wordpress.com/2014/04/rafting-ppp-pressekonferenz.pdf

Die Auen- und Flusslandschaft am Vorderrhein unterhalb Ilanz bietet für viele Erholungssuchende eine einmalige Umgebung. Hier kommen gerade im Sommer Wanderer*innen, Hundebesitzer*innen, Fischer*innen, Badende etc. auf ihre Kosten. Auch auf dem Wasser ist ordentlich Betrieb, durch Kanu- und Kajakfahrer*innen sowie Rafter*innen. Die hohe Nutzungsfrequenz führte dabei zu Konflikten zwischen den verschiedenen Nutzer*innen (vor allem Fischer*innen und Wassersportler*innen) und zu ökologischen Problemen.

Zur Lösung der Konflikte führten Fischer*innen, Gemeinden und der Naturschutz Restriktionen zu Lasten des Wassersports an, welche erst durch den Beweis, dass wasser- und landseitige Nutzung gleichermaßen schädlich sei, sachlich diskutiert werden konnte. Auf einen gemeinsamen Nenner kam man durch eine gesetzliche Regelung. Seit dem Inkrafttreten des Gesetzes ist vor allem die Sicherheit beim Rafting gestiegen, da auch eine Regelung zur Ausbildung der Guides festgelegt wurde. Zudem wurden der Naturschutz zu Wasser als auch zu Land reglementiert (22).

(22) Mönnecke, M.; Wasem, K.; Gygax, M.; Haller Rupf, B. & Schubert, B. (2008). Sportaktivitäten im Einklang mit Natur und Landschaft - Handlungsorientierte Lösungen für die Praxis. Schriftenreihe des Instituts für Landschaft und Freiraum 2, HSR Hochschule für Technik Rapperswil, Rapperswil.Zugriff am 14.08.2020 unter: https://www.ilf.hsr.ch/fileadmin/user_upload/ilf.hsr.ch/1_ueber_uns/KTI_Sport_und_Landschaft121116.pdf

Auch dem Alpenraum sind Konflikte mit steigenden Zahlen der Wassersportler*innen nicht unbekannt. So entwickelte die Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege eine Initiative zum Ausgleich zwischen Wassersport und Naturschutz. Hier wird vor allem auf den Informationsaustausch gesetzt, um Verständnis füreinander zu entwickeln und freiwillige Beschränkungen zu fördern. Dies soll dazu beitragen, dass Sportler *innen umweltbewusst agieren und man sportnutzungsfreie Zonen einrichten kann, in denen die Natur ungestört bleibt (23).

(23) Wessely, H. (2001). Initiativen zum Ausgleich zwischen Wassersport und Naturschutz. Laufen/Salzach: Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege. Zugriff am 14.08.2020 unter: http://www.zobodat.at/pdf/Laufener-Spez-u-Seminarbeitr_2_2001_0073-0085.pdf