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Mountainbiking

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gilt als das Geburtsjahr des Mountainbikes.
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der Mountainbiker*innen möchten durch ihren Sport einen Ausgleich vom Alltagsstress finden.
Weitere Motive sind:
- die Natur und die frische Luft
genießen (79 %)
- Spaß und Action suchen (73 %)
- etwas für die Gesunderhaltung tun (64 %)
- mit Freunden Spaß haben (64 %)
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Menschen fahren in Deutschland Mountainbike.
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der verkauften Fahrräder in Deutschland sind Mountainbikes.
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war der durchschnittliche Preis eines Mountainbikes in 2018.
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ist Mountainbiking mit der Teildisziplin Cross-Country (XC) im Programm der Olympischen Sommerspiele vertreten.

Das Mountainbike (engl. „mountain“ für Berg und „bike“ für Fahrrad, kurz MTB) oder Geländefahrrad ist speziell für den Einsatz abseits befestigter Wege und Straßen konzipiert. Hügelige Mittelgebirgs- und alpine Berglandschaften stellen die bevorzugten Naturräume für diese Sportart dar. Die Auswahl der Wege erstreckt sich dabei von breiten Forststraßen bis hin zu fahrtechnisch höchst anspruchsvollen schmalen Wegen, sogenannten Singletrails (1). 83 % der Mountainbiker*innen erachten das Befahren solcher Singletrails als wichtig oder sogar sehr wichtig (2). Das Radfahren in der freien Landschaft regelt sich nach den Naturschutzgesetzen und ist auf Wegen gestattet. Das Bundeswaldgesetz erlaubt das Befahren von Wegen im Wald, während das Fahren abseits von Wegen dort verboten ist (3).

(1) Böhler, H., Ebert, C., Head, A., Laar, M. (2006). Mountainbiken. Alpin Lehrplan 7. München: BLV.

(2) Deutsche Initiative Mountainbike (DIMB). (2010). Aufbereitete Ergebnisse der Großen Bikerumfrage 2010 der Deutschen Initiative Mountain Bike e.V. Zugriff am 0.08.2020 unter: https://www.dimb.de/wp-content/uploads/2019/02/auswertung_umfrage_2010.pdf

(3) Bundeswaldgesetz vom 2. Mai 1975 (BGBl. I S. 1037), das zuletzt durch Artikel 1 des Gesetzes vom 17. Januar 2017 (BGBl. I S. 75) geändert worden ist.

In seinem Positionspapier zum Mountainbiken gibt der Deutsche Alpenverein (DAV) zehn Empfehlungen für sicheres und faires Mountainbiken (4). Diese basieren auf einem Beschluss des Dachverbandes der Bergsportverbände Alpen Clubs Arc Alpin (CAA).

Auch die Deutsche Initiative Mountainbike (DIMB) möchte mit ihren sogenannten DIMB-TrailRules verantwortungsbewusstes und respektvolles Verhalten auf gemeinsam genutzten Wegen fördern. Die Regeln lauten wie folgt (5):

  1. Fahre nur auf Wegen!
    Fahre nie querfeldein, du schädigst sonst die Natur! Respektiere lokale Wegesperrungen! Forstwirtschaft, Viehtrieb und Belange des Naturschutzes rechtfertigen dies. Auch in Naherholungsgebieten können lokale Sperrungen berechtigt sein. Die Art und Weise, in der du fährst, bestimmt das Handeln der Behörden und Verwaltungen. Auf Privatgrund bist du oft nur geduldet!
     
  2. Hinterlasse keine Spuren!
    Bremse nicht mit blockierenden Rädern! (Ausnahme in Notsituationen) Blockierbremsungen begünstigen die Bodenerosion und verursachen Wegeschäden. Stelle deine Fahrweise auf den Untergrund und die Wegebeschaffenheit ein. Nicht jeder Weg verträgt jedes Bremsmanöver und jede Fahrweise.
     
  3. Halte dein Mountainbike unter Kontrolle!
    Unachtsamkeit, auch nur für wenige Sekunden, kann einen Unfall verursachen. Passe deine Geschwindigkeit der jeweiligen Situation an. In nicht einsehbaren Passagen können jederzeit Fußgänger*innen, Hindernisse oder anderer Biker*innen auftauchen. Du musst in Sichtweite anhalten können! Zu deiner eigenen Sicherheit und derer anderer Menschen.
     
  4. Respektiere andere Naturnutzer!
    Kündige deine Vorbeifahrt frühzeitig an. Erschrecke keine anderen Wegenutzer*innen! Vermindere deine Geschwindigkeit beim Passieren auf Schrittgeschwindigkeit oder halte an. Bedenke, dass andere Wegenutzer*innen dich zu spät wahrnehmen können. Fahre, wenn möglich, nur in kleinen Gruppen!
     
  5. Nimm Rücksicht auf Tiere!
    Weidetiere und alle anderen Tiere in Wald und Flur bedürfen besonderer Rücksichtnahme! Schließe Weidezäune, nachdem du sie passiert hast. Verlasse rechtzeitig zur Dämmerung den Wald, um die Tiere bei ihrer Nahrungsaufnahme nicht zu stören.
     
  6. Plane im Voraus!
    Beginne deine Tour möglichst direkt vor deiner Haustüre. Prüfe deine Ausrüstung, schätze deine Fähigkeiten richtig ein und wähle die Gegend, in der du fahren willst, entsprechend aus. Schlechtes Wetter oder eine Panne kann deine Tour deutlich verlängern. Sei auch für unvorhersehbare Situationen gerüstet: Denke an Werkzeug, Proviant und Erste-Hilfe-Set. Trage eine Sicherheitsausrüstung! Ein Helm kann schützen, ist aber keine Lebensversicherung.

(4) Deutscher Alpenverein e.V. (2013). Mountainbiken - 10 DAV-Empfehlungen. Zugriff am 04.08.2020 unter: https://www.alpenverein.de/bergsport/sicherheit/10-empfehlungen/10-empfehlungen-des-dav-mountainbiken-10-dav-empfehlungen_aid_13305.html

(5) Deutsche Initiative Mountainbike (DIMB). (2010). DIMB -Trail Rules. Zugriff am 04.08.2020 unter: https://www.dimb.de/fachberatung/trail-rules/ 

Laut einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach fahren in Deutschland ca. 15 Mio. Menschen Mountainbike. Davon fahren 11,5 Mio. nur ab und zu und 3,7 Mio. häufig (6). Doch nur ein Bruchteil der deutschen Mountainbiker*innen sind in Vereinen organisiert, die meisten üben den Sport individuell aus. Die Sportart Mountainbiking wird in Deutschland von mehreren Vereinen und Verbänden vertreten. Die Deutsche Initiative Mountainbike (DIMB) stellt dabei mit rund 80.000 Mitgliedern (Stand 2018) die größte Interessensvertretung speziell für Mountainbiker*innen dar. Die DIMB sieht es als ihr Ziel, den Mountainbike-Sport zu fördern sowie bei gesetzlichen Regelungen und bei Vereinbarungen die Interessen der Mountainbiker*innen zu vertreten (7). Auch der Deutsche Alpenverein (DAV), mit insgesamt 1,3 Mio. Mitgliedern größter Bergsportverein der Welt, zählt 400.000 Mountainbiker*innen in seinen Reihen. Weiterhin vertreten auch der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) und der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) die Interessen der Mountainbiker*innen. Auf den Internetseiten dieser Verbände und Vereine finden sich auch Informationen zu Ausbildungen im Bereich Mountainbike-Guide und Fahrtechniktrainer.

Auf internationaler Ebene versucht die International Mountain Bicycling Association (IMBA), die Rahmenbedingungen für das Mountainbiking mittels Wegbau- und Verhaltensempfehlungen zu verbessern.

(6) IfD Allensbach. (2019). Anzahl der Personen in Deutschland, die in der Freizeit Mountainbike fahren, nach Häufigkeit von 2015 bis 2019 (in Millionen). Zugriff am 04.08.2020 unter: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/171142/umfrage/haeufigkeit-von-mountainbike-fahren-in-der-freizeit/

(7) Deutsche Initiative Mountainbike (DIMB). (2010). DIMB-Website. Zugriff am 04.08.2020 unter: https://www.dimb.de/

In Deutschland sind rechtliche Beschränkungen für das Mountainbiking auf Bundesebene nur über Rahmengesetze vertreten und variieren erheblich von Bundesland zu Bundesland. Die Frage danach, wo genau in Deutschland mit dem Mountainbike gefahren werden darf und wo nicht, lässt sich dementsprechend nicht einheitlich beantworten.

So beschreibt § 59 Absatz 1 des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG), dass das Betreten der freien Landschaft auf Straßen und Wegen sowie auf ungenutzten Grundflächen zum Zweck der Erholung allen gestattet ist. Unter Erholung versteht das BNatSchG (§ 7, Absatz 1, Nummer 3) natur- und landschaftsverträglich ausgestaltetes Natur- und Freizeiterleben einschließlich natur- und landschaftsverträglicher sportlicher Betätigung in der freien Landschaft, soweit dadurch die sonstigen Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege nicht beeinträchtigt werden (8). Mountainbiken fällt nach der BfN-Definition unter natur- und landschaftsverträglichen Sport und damit unter das Recht auf Erholung (9).

Das Fahren abseits von vorhandenen Wegen mit dem Mountainbike ist in Deutschland im Wald nicht erlaubt und wird auch in den Verhaltensregeln für Mountainbiker*innen ausdrücklich ausgeschlossen. Das Befahren von Wegen mit Fahrrädern im Wald ist laut Bundeswaldgesetz grundsätzlich gestattet (BWaldG § 14, Absatz 1) (10). Die Länder dürfen dies nur aus „wichtigem Grund“ einschränken. Zudem ergeben sich hier zum Teil große Unterschiede in der Gesetzgebung. So ist das Radfahren bspw. in Baden-Württemberg auf Wegen unter zwei Metern Breite im Allgemeinen nicht zulässig, wobei die Forstbehörde Ausnahmen zulassen kann (11). Andere Bundesländer verwenden unbestimmte Rechtsbegriffe für die Wege, auf denen das Mountainbikefahren erlaubt ist, wie z.B. „geeignet“, „fest“ oder „naturfest“ und übertragen so die Verantwortung, welche Wege letztendlich befahren werden, auf die Nutzer*innen. Das WaSEG Eckpunktepapier (12) kann den Nutzer*innen als vereinfachte Erklärung der Rechtslage zum Betretensrecht des Waldes weiteren Aufschluss bieten. 

Aufgrund der unterschiedlichen Gesetzeslage in den einzelnen Bundesländern und einer Vielzahl von Schutzgebietsverordnungen sollten sich Mountainbiker*innen vor ihrer Tour immer mit den jeweils geltenden Gesetzen auseinandersetzen.

(8) Bundesnaturschutzgesetz vom 29. Juli 2009 (BGBl. I S. 2542), das zuletzt durch Artikel 1 des Gesetzes vom 15.September 2017 (BGBl. I S. 3434) geändert worden ist.

(9) Bundesamt für Naturschutz (BfN). (2011). Definition natur- und landschaftsverträglicher Sport. Zugriff am 04.08.2020 unter: https://www.bfn.de/themen/tourismus-sport/sport/definitionen-und-recht/natur-landschafts-vertraeglicher-sport.html

(10) Bundeswaldgesetz vom 2. Mai 1975 (BGBl. I S. 1037), das zuletzt durch Artikel 1 des Gesetzes vom 17. Januar 2017 (BGBl. I S. 75) geändert worden ist.

(11) Waldgesetz für Baden-Württemberg (Landeswaldgesetz - LWaldG) in der Fassung vom 31. August 1995. Zugriff am 04.08.2020 unter: http://www.landesrecht-bw.de/jportal/?quelle=jlink&query=WaldG+BW+%C2%A7+37&psml=bsbawueprod.psml&max=true

(12) Impulse und Empfehlungen der Bundesplattform „Wald – Sport, Erholung, Gesundheit“ (WaSEG) in der Fassung von März 2019. Zugriff am 04.08.2020 unter: https://www.forstwirtschaft-in-deutschland.de/fileadmin/content/wald_erleben/Impulse_und_Empfehlungen_WaSEG.pdf

Wie der Name „Mountainbike“ verrät, stellen Berge oder zumindest hügeliges Gelände den Naturraum dar, in dem Mountainbiking ausgeübt wird. Abhängig von den Fähigkeiten oder Ansprüchen der jeweiligen Fahrer*innen reicht die Bandbreite von leichten Hügeln bis zu extremen Steigungen auf schwierigstem Untergrund. Für Mountainbiker*innen sind in der Regel gleichmäßige Anstiege und unterschiedlich steile Abfahrten interessant. Hierbei sollten geeignete Strecken nicht nur topographisch und landschaftlich reizvoll sein, sondern auch unterschiedlich große Hindernisse wie Wurzeln oder Steine sowie variierende Bodenstrukturen aufweisen. Ein umfangreiches, mit anderen Raumnutzern*innen abgestimmtes Wegenetz mit unterschiedlichen Wegbreiten – einschließlich der für Mountainbiker*innen besonders reizvollen lenkerbreiten Singletrails – komplettiert die Anforderungen an den Naturraum.

Die meisten Routen befinden sich unterhalb der Waldgrenze, in alpinen Lagen jedoch auch darüber. Teilweise bieten Liftbetreiber*innen an, Mountainbikes mitzunehmen, wodurch weniger Höhenmeter gefahren werden müssen (13).

Bestimmte Teildisziplinen wie z. B. das Dirtbiken oder Freeriden (siehe Varianten der Sportart) finden auch im nahen urbanen Raum statt und bedürfen entsprechender Infrastrukturen, wie künstlich angelegter Erdhügel oder gebauter Holzrampen. Da nicht überall ein entsprechendes Angebot besteht, werden solche Elemente zum Teil eigenmächtig angelegt. Die DIMB unterstützt mit ihrem Programm „Legalize Freeride“ Vereine, die eine solche Strecke anlegen möchten, bei der Genehmigung (14).

Weiter sind für das Mountainbiken kaum besondere infrastrukturelle Voraussetzungen erforderlich. In der Regel startet eine Mountainbike-Tour umweltfreundlich per Rad direkt am Wohnort oder am Urlaubsdomizil und führt auch dorthin zurück. In touristisch intensiv erschlossenen Regionen nehmen Mietangebote, geführte Touren, eigens gebaute Strecken, beschilderte Touren und spezielle Übernachtungsangebote für Mountainbiker*innen zu.

(13) Ingold, P. (2005). Freizeitaktivitäten im Lebensraum der Alpentiere: Konfliktbereiche zwischen Mensch und Tier. Berne: Haupt.

(14) Deutsche Initiative Mountainbike (DIMB). (o.J.). Legalize Freeride – Position und Ziel. Zugriff am 04.08.2020 unter: https://www.dimb.de/fachberatung/fakten-und-konzepte/streckenbau/ 

Bei rücksichtsvollem Umgang mit der Natur, und dem Einhalten bestehender Regelungen kann das Mountainbiken als naturverträgliche Sportart bezeichnet werden. In den 1990er Jahren hatten Mountainbiker*innen den Ruf „Naturzerstörer*innen“ zu sein, da ihnen das Bergfahrrad das Fahren abseits von Wegen ermöglichte. In der Tat kann das Fahren abseits von Wegen die Natur schädigen. Diese ökologischen Beeinträchtigungen lassen sich durch rücksichtsvolles Verhalten und durch die Beachtung des Wegegebots vermeiden. Studien belegen, dass das „Querfeldeinfahren“ nur vereinzelt stattfindet (15, 16).

Auf sehr weichen Wegen und durch eine schlechte Bremstechnik können sichtbare Fahrspuren entstehen, die die Bodenerosion begünstigen. In ökologisch sensiblen Naturräumen können störanfällige Tierarten aufgescheucht werden. Solange jedoch auf Wegen gefahren wird, beschränkt sich die Störwirkung auf die Route sowie den Korridor links und rechts davon. Um das schwerwiegendste Problem, nämlich die Störung schützenswerter und empfindlicher Tierarten, zu lösen, müssen die von Radfahrern*innen und anderen Nutzergruppen genutzten Wege, die durch entsprechende Lebensräume führen, entweder gesperrt oder verlegt werden (15).

Über die Auswirkungen des Mountainbikens auf den Naturraum zu informieren, gehört zu den Aufgaben der Deutschen Initiative Mountainbike (DIMB). Sie setzt sich nicht nur für die Anliegen der Mountainbiker*innen ein, sondern auch für die Aufklärungsarbeit hinsichtlich der ökologischen Auswirkungen ihres Sports. Auch der DAV leistet Informations- und Bildungsarbeit zum natur- und sozialverträglichen Mountainbiken.

Für naturverträgliches Mountainbiken sind folgende Maßnahmen wichtig:

  • In ökologisch besonders sensiblen Gebieten sollten die Schutzgebietsvorschriften beachtet werden und, wenn nötig, auf alternative Routen ausgewichen werden.
  • Bau von dezidierten MTB-Abfahrtstrecken und Anlagen in Ballungsräumen, um den Dirtbikern*innen und Freeridern*innen offizielle Strecken anbieten zu können.
  • Zusammenarbeit von Tourismus, Forst und Naturschutz.
  • Die Fahrrad- und Tourismusbranche sollte konsequent darauf achten, keine Bilder von „Querfeldein-Fahrten“ für ihre Werbung zu verwenden. Zudem gilt es, seitens der Mountainbiker*innen gewisse Verhaltensregeln bekannt zu machen und durchzusetzen.
  • Auf geführten Mountainbike-Touren dürfen praktische Tipps für ein umweltgerechtes und naturschonendes Handeln nicht fehlen: Das beginnt beim Erlernen der richtigen Bremstechnik und reicht bis zum Umgang mit anderen Wegenutzern*innen.

Weiterführende Informationen zu den Störwirkungen des Mountainbikens auf den Naturraum finden sich unter anderem in der Veröffentlichung „Handbuch Sport und Umwelt“ von Hans-Joachim Schemel und Wilfried Erbguth und dem Artikel „Mountainbiking im Wald. Ein Beitrag zur kritischen Diskussion“ von Claudia Hödl und Ulrike Pröbstl-Haider (15, 17).

(15) Schemel, H.-J., Erbguth, W. (2000). Handbuch Sport und Umwelt (3. überarbeitete Auflage). Aachen: Meyer & Meyer Verlag.

(16) Froitzheim, T. , Spittler, R. (1997). Leitbilder eines natur- und landschaftsverträglichen Mountainbikings. Zugriff am 04.08.2020 unter: http://www.aube-tourismus.de/Dokumente/Leitbild%20MTB.pdf

(17) Hödl, C., Pröbstl-Haider, U. (2016). Mountainbiking im Wald. Ein Beitrag zur kritischen Diskussion. Naturschutz und Landschaftsplanung – Zeitschrift für angewandte Ökologie 4/2016.

Seit der Mountainbikesport in Deutschland angekommen ist wird er überwiegend auf Wegen ausgeübt, die auch andere Natursportler*innen wie z.B. Wanderer*innen nutzen. In touristisch stark frequentierten Bereichen und Naherholungsgebieten kann es entsprechend zu Nutzungskonflikten bzw. zu einem subjektiven Gefühl der Störung kommen.

Die Gewöhnung unterschiedlicher Nutzergruppen aneinander wird durch eine stärker werdende multisportive Nutzung begünstigt. So zeigt eine Studie im Naturpark Schwarzwald, dass sich MTBer*innen und Wanderer*innen mittlerweile aneinander gewöhnt haben. Dies begründet sich u.a. darin, dass viele Naturnutzer*innen mehrere Sportarten ausüben und somit Verständnis füreinander aufbringen (18).

Gemäß der Bikestudie Schwarzwald 2014 (19) und der Umfrage des dt. Wanderverbandes 2018 im Schwarzwald (20) fühlen sich nur wenige Nutzer*innen in ihrem Naturerlebnis gestört. So gaben in der Bikestudie nur 7 % der befragten Wanderer*innen an, sich „ziemlich“ oder „sehr“ von Mountainbikern*innen gestört zu fühlen. 68 % fühlten sich „gar nicht“ gestört. In der Umfrage des dt. Wanderverbandes gaben nur 4,4 % an, häufig oder sehr häufig Konflikte zu erleben. 76 % haben nie oder selten einen Konflikt erlebt.

Besonders in hoch frequentierten Gebieten kann es außerdem zu Konflikten mit Jägern*innen kommen. Sie können in der Ausübung ihrer Tätigkeit beeinträchtigt werden, wenn durch Natursportler*innen Wildtiere direkt bzw. indirekt gestört werden und sich in andere Gebiete zurückziehen (21). Bei einem hohen Aufkommen von Natursportlern*innen könnte sich der Wildbestand verändern oder verkleinern (22). Aufgrund der Pachten, die die Jäger*innen bezahlen müssen, könnte in diesem Fall Unzufriedenheit durch den geringen Wildbestand und den wirtschaftlichen Verlust eintreten (23). Durch eine Förderung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, die die Erholungsfunktion der Wälder sichern soll, kann dieser wirtschaftliche Effekt abgeschwächt werden (24).

(18) Volz, K.-R., Mann, C. (2006). Konfliktanalysen als Grundlage für die Entwicklung von umweltgerechten Managementstrategien in Erholungsgebieten: Eine Untersuchung zur sozialen Tragfähigkeit am Beispiel des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord. Zugriff am 04.08.2020 unter: file:///C:/Users/TO6460/Downloads/94761-Konfliktanalysen_als_Grundlage_f%C3%BCr_die_Entwicklung_von_umweltgerechten_Managementstrategien_in_Erhol.pdf

(19) Schraml, U., Hotz, S. (2013). Wandern mit / und / oder Mountainbikern? Eine Studie über Erholungskonflikte im Schwarzwald. Zugriff am 04.08.2020 unter: https://de.scribd.com/doc/148494585/Bikestudie-Schwarzwald-pdf

(20) Deutscher Wanderverband. (2018). Erste Ergebnisse der Umfrage „Natursport. Umwelt. Bewusst“. Zugriff am 04.08.2020 unter: https://natursport-umwelt-bewusst.de/wp-content/uploads/2018/09/Ergebnisse_1.pdf

(21) Suchant, R. (2005). Sporttourismus in Wildtierlebensräumen, erschienen in: Institut für Natursport und Ökologie (Hrsg.). (2005). Kongressbericht. Umwelt, Naturschutz und Sport im Dialog. Sport in Naturschutzgebieten. 2. Kongress an der Deutschen Sporthochschule Köln vom 13.–14. September 2004

(22) Stock, M., Bergmann, H.-H., Helb, H.-W., Keller, V., Schnidirg-Petrig, R., Zehnter, H.-C. (1994). Der Begriff Störung in naturschutzorientierter Forschung: ein Diskussionsbeitrag aus ornithologischer Sicht. Zeitschrift für Ökologie und Naturschutz 3, S.49–57.

(23) Löser, T. (2013). Waldnutzungskonflikte durch Outdooraktivitäten. Eine Analyse am Beispiel der touristischen Destination Sauerland. GEOFOCUS Heft 6. Zugriff am 04.08.2020 unter: https://www.uni-marburg.de/de/fb19/forschung/reihen/geofocus-marburg-pdf/geofocus6.pdf

(24) Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. (o.J.). Förderung. Zugriff am 04.08.2020 unter: https://www.bmel.de/DE/Wald-Fischerei/Forst-Holzwirtschaft/_texte/ForstwirtschaftFoerderung.html

Als Geburtsstunde des Mountainbikes gilt das Jahr 1973 (25), als einige fahrradverrückte Kalifornier Fahrräder mit dickeren Reifen und optimierten Komponenten ausstatteten, um sich damit die Schotterwege der kalifornischen Hügellandschaften zugänglich zu machen (25, 26). Seitdem erlebte das Mountainbike eine rasante Entwicklung: Bereits 1976 wurde das erste Mountainbike-Rennen veranstaltet, 1990 die erste offizielle Mountainbike-Weltmeisterschaft durch den Radsport Weltverband UCI ausgetragen und seit 1996 ist Mountainbiken mit der Teildisziplin Cross-Country fester Bestandteil der Olympischen Sommerspiele (25, 26).

Aktuelle Verkaufszahlen (Stand 2018) zeigen, dass sich das Mountainbike auch im Breitensport etabliert hat: 6,5 % der verkauften Fahrräder in Deutschland sind Mountainbikes (27).

(25) Penning, C. (1998). Bike History: die Erfolgsstory des Mountainbikes. Bielefeld: Delius Klasing.

(26) Gerig, U., Frischknecht, T. (1996). Mountainbiking. In: C. Weiss, Handbuch Radsport (S. 321–376). München: BLV.

(27) Zweirad-Industrie-Verband (ZIV). (2019). Zahlen – Daten – Fakten zum Fahrradmarkt in Deutschland 2018. Präsentation des ZIV-Geschäftsführers Siegfried Neuberger anlässlich der Pressekonferenz am 21.03.2019. Zugriff am 04.08.2020 unter: https://www.ziv-zweirad.de/fileadmin/redakteure/Downloads/Marktdaten/PK-2019_21-03-2019_Praesentation.pdf

Cross-Country
Das Cross-Country-Rennen (auch XC oder CC) wird seit 1996 als olympische Disziplin ausgetragen. Die Strecken verlaufen sowohl über breite Forstwege als auch auf schmalen Singletrails mit wechselnden, teilweise technisch anspruchsvollen Untergründen. Eine XC-Strecke beinhaltet sowohl Passagen bergauf als auch bergab und ist zwischen drei und acht Kilometern lang. Diese Strecke muss im Wettkampf, je nach Altersklasse, mehrmals durchfahren werden (28). Gewonnen hat, wer zuerst im Ziel ist. XC-Rennstrecken sind nur für die Dauer des Wettkampfes abgesperrt und dürfen in dieser Zeit von Fußgängern*innen nicht betreten werden.

Marathon
Mountainbike-Marathons sind Massenstartrennen auf einer langen Strecke, die in mehreren größeren Runden (mindestens 30 km) oder in einer einzigen großen Runde absolviert werden. Bei Langstreckenmarathons beträgt die Gesamtstrecke mindestens 100 km (27). Die Streckenführung erfolgt sowohl bergauf als auch bergab über breite Forstwege und schmale Singletrails mit wechselnden Untergründen. Aufgrund hoher Teilnehmerzahlen (bis zu 5.000 Personen) sind feste Untergründe zu bevorzugen, um die ökologischen Belastungen durch die vielen Fahrten gering zu halten. Die direkten Auswirkungen der Veranstaltungen sind nach den Erkenntnissen des Monitorings eher gering. Erkennbare Schäden betreffen meist kleine Teile des genutzten Raumes, welche zudem bereits durch andere Nutzungen vorbelastet sein können. Forst- und Wanderwege werden kaum beschädigt (29). Wettkämpfe dieser Kategorie werden in Mittelgebirgen und im alpinen Bergland ausgetragen. Marathon-Strecken sind während des Wettkampfes nicht immer durchgängig abgesperrt. Gegenseitige Rücksichtnahme zwischen Mountainbiker*innen, Wanderer*innen und anderen Verkehrsteilnehmer*innen ist zwingend erforderlich.

All Mountain und Enduro
Obwohl bei diesen Kategorien Berge und Hügel selbst bezwungen werden, steht der Abfahrtsspaß zunehmend im Vordergrund. Entsprechend verlaufen Strecken überwiegend auf Singletrails, die auch anspruchsvolle Herausforderungen wie grobe Wurzeln, Stufen und Kanten sowie enge Kurven aufweisen können. Geeignete Strecken finden sich in Mittelgebirgen und im alpinen Bergland. Diese sind nicht abgesperrt und werden von Wanderern*innen gleichermaßen genutzt. Es ist deshalb gegenseitige Rücksichtnahme geboten und Vollbremsungen mit blockierten Reifen sind zu vermeiden (siehe TrailRules). Insgesamt 55 % der Mountainbiker*innen ordnen sich diesen beiden Kategorien zu (30).

Downhill und Freeride
Wie der Name Downhill (engl. für „bergab“) bereits vermuten lässt, dreht sich bei dieser Disziplin alles um die Abfahrt. Ebenso verhält es sich bei der Disziplin Freeride. Entsprechend verlaufen Downhill- und Freeridestrecken ausschließlich talwärts. Bergauf wird entweder ein bestehender Lift genutzt oder mit dem PKW oder öffentlichen Verkehrsmitteln gependelt.

Die Strecken sind charakterisiert durch ruppige Untergründe mit Felsen und Wurzeln, hohe Stufen und Sprünge mit bis zu mehreren Metern Fallhöhe (sogenannte „Drops“). Freeridestrecken beinhalten oft künstliche Hindernisse aus Holz, die die Schwierigkeit zusätzlich erhöhen oder optional für spezielle Tricks in die Abfahrt integriert werden. Offizielle Downhill- und Freeridestrecken sind – ähnlich wie Skipisten – speziell geschaffene Sportanlagen, die nur von Mountainbiker*innen genutzt werden. Konflikte mit anderen Erholungsuchenden sind dort deshalb nicht zu erwarten (30).

Dirt-Bike
Der Name dieser Mountainbike-Kategorie ist etwas irreführend, es handelt sich dabei nicht etwa um dreckige Fahrräder. Vielmehr bezieht sich die Bezeichnung Dirt (engl. für Dreck oder Schmutz) auf das Baumaterial der Sportanlagen, die für diese Disziplin charakteristisch sind: Aus Lehm und Dreck modellierte Absprung- und Landehügel werden von den Sportler*innen auf spektakuläre Art und Weise überflogen. Die Kreativität der Sportler*innen zeigt sich jedoch nicht nur in der Art der ausgeführten Sprünge, sondern auch im Bau der Dirt-Bike-Anlagen, die oft in Eigeninitiative gebaut und gestaltet sind. Jedoch ist der Bau dieser Anlagen nicht immer mit den Grundstückseigentümer*innen abgesprochen und deshalb illegal. Es gibt aber auch viele Beispiele, wo den Sportler*innen legale Dirt-Bike-Anlagen ermöglicht werden. Insgesamt wird diese Disziplin von 8 % aller Mountainbiker*innen ausgeübt (30).

MTB im urbanen Raum
Auch in Städten finden sich zunehmend mehr Mountainbike-Angebote, wie bspw. Dirtparks, Pumptracks oder Indoor Bikeparks. 

 

(28) Schmidt, A. (2007). Das große Buch vom Radsport. Aachen: Meyer & Meyer.

(29) Jakob, E., Türk, Dr. S., Roth, Prof. Dr. R. (2002). Ökologisch bewusste Durchführung von Großveranstaltungen: Teilbereich Mountainbiken. Zugriff am 04.08.2020 unter: https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/publikation/short/k2124.pdf 

(30) Deutsche Initiative Mountainbike (DIMB). (2010). Aufbereitete Ergebnisse der Großen Bikerumfrage 2010 der Deutschen Initiative Mountain Bike e.V. Zugriff am 04.08.2020 unter: https://www.dimb.de/wp-content/uploads/2019/02/auswertung_umfrage_2010.pdf 

Laut einer Befragung der Deutschen Initiative Mountainbike (30), bei der mehr als 9.000 Mountainbiker*innen teilnahmen, wird deutlich, dass Mountainbiker*innen durch ihren Sport in erster Linie Ausgleich vom Alltagsstress finden (80 % der befragten Personen, Mehrfachnennungen möglich) und die Natur und die frische Luft genießen wollen (79 %). Weitere Motive sind neben Spaß und Action suchen (73 %), etwas für die Gesunderhaltung tun und mit Freunden*innen Spaß haben (jeweils 64 %). Das persönliche Training für Wettkämpfe spielt dabei mit 40 % eine vergleichsweise geringere Rolle.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt eine weitere Umfrage (31), bei der auf die Frage „Was verbinden Sie mit den Begriffen Mountainbike und Mountainbiken?“ die Faktoren „Spaß haben“ (80 % der befragten Mountainbiker*innen) und „Naturerlebnis“ (74 %) die beiden häufigsten Antworten darstellen. Dem Alltag zu entfliehen (58 %) sowie neue Landschaften zu entdecken (48 %), stellen weitere Motive dar. Das Motiv „Nervenkitzel“ verbinden nur 25 % der befragten Mountainbiker*innen mit den genannten Begriffen. Auf die Frage „Was macht eine gute Bike-Strecke aus?“ antworten 92 % der befragten Mountainbiker*innen mit „schöne Landschaft“. Auf die Frage, wie wichtig Mountainbiker*innen das Befahren von Singletrails ist, antworteten insgesamt 83 % der Mountainbiker*innen, dass dies wichtig bis sehr wichtig sei (31).

Beide Untersuchungen unterstreichen den großen Bezug der Mountainbiker*innen zu Natur und Landschaft, aber auch, dass Mountainbiker*innen sich gerne auf genau denselben schmalen, naturnahen Wegen aufhalten wie andere Nutzergruppen, bspw. Wanderer*innen. Deshalb sollten alle Erholungssuchenden gleichermaßen sensibilisiert werden.

(31) Deutsche Initiative Mountainbike (DIMB). (2010). Aufbereitete Ergebnisse der Großen Bikerumfrage 2010 der Deutschen Initiative Mountain Bike e.V. Zugriff am 04.08.2020 unter https://www.dimb.de/wp-content/uploads/2019/02/auswertung_umfrage_2010.pdf 

(32) Holzhauer, B. (2013). Mountainbiker und Rennradfahrer – Ergebnisse aus aktuellen Leserbefragungen zu Reiseverhalten und Vorlieben im Urlaub. Eurobike Travel Talk. In R. Roth, A. Krämer, A. Müller-Birkenmeier, F. Armbruster (2014). Mountainbike-Handbuch – Leitfaden zur Entwicklung von Mountainbike-Strecken und –Trails. Naturpark Südschwarzwald Mitte/Nord (Hrsg.). Feldberg, Seebach.

Je nach ausgeübter Mountainbike-Disziplin unterscheidet sich das erforderliche Ausmaß an konditionellen oder koordinativen Fähigkeiten. Während auf ausgedehnten Touren mit langen Anstiegen mehr die Faktoren Kraft und Ausdauer im Vordergrund stehen, ist bspw. beim Dirtbiken oder Freeriden eher Koordination gefragt. Unabhängig davon, ob es sich um eine Tour oder spektakuläre Sprünge handelt: Langsames Herantasten an größere Herausforderungen empfiehlt sich immer.

Wichtig für alle Mountainbike-Disziplinen ist die entsprechende Schutzausrüstung. Aber auch hier gibt es disziplinspezifische Unterschiede. Egal, welche Disziplin ausgeübt wird - Helm, Handschuhe und das passende Schuhwerk zum Pedalsystem sollten mindestens vorhanden sein (33, 34). Weitere Ausrüstung wie entsprechende Radbekleidung – bestehend aus Trikot und Hose – sowie eine Radbrille sind empfehlenswert. Ein spezieller Bikerucksack mit Erste-Hilfe-Set, Werkzeug, Luftpumpe und Regenbekleidung ist für längere Touren ratsam (33, 34).

Das Mountainbike selbst als Sportgerät zeichnet sich vor allem durch eine großzügige Gangpalette und breite Reifen aus, die das Fahren im Gelände erst ermöglichen. Auch der robuste, immer öfter an beiden Rädern mit Federungs-Systemen versehene, Rahmen eines Mountainbikes ist für grobes Geläuf konzipiert, sollte aber im Hinblick auf steile Anstiege dennoch nicht zu schwer sein. Zu beachten ist, dass Mountainbikes in der Regel nicht mit der laut Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) geforderten Ausrüstung wie Lichtanlage (bei Dunkelheit), Klingel und Rückstrahler ausgestattet sind. Eine kleine Klingel ist aber zu empfehlen, um auf sich aufmerksam zu machen. Batteriebetriebene Anstecklampen können mitgeführt werden.

(33) Head, A., Laar, M. (2013). Mountainbiken. Alpin-Lehrplan7. München: blv.

(34) Haymann, F. (2015). Mountainbikes. Auswahl. Wartung. Fahrtechnik. Bielefeld: Delius Klasing.

Mehr als 270.000 Mountainbikes wurden 2018 in Deutschland verkauft. 6,5 % der verkauften Fahrräder in Deutschland sind Mountainbikes (Stand 2018). Somit liegt diese Fahrradgattung auf Platz fünf der meistverkauften Fahrräder in Deutschland. Die Plätze 1 - 4 belegen Trekkingräder (29,5 %), E-Bikes (23,5 %) Cityräder (18 %) und All Terrain Bikes (7 %) (35).

Insgesamt stieg der Verkaufswert von Fahrrädern und E-Bikes in Deutschland von 2,72 Mrd. € (2017) auf 3,16 Mrd. € (2018) (34). Diese Ergebnisse zeigen die positive Entwicklung und das Wachstum des Fahrradmarktes. Der mittlere Preis eines Mountainbikes lag 2018 bei 1.014,80 € (36).

(35) Zweirad-Industrie-Verband (ZIV). (2019). Zahlen – Daten – Fakten zum Fahrradmarkt in Deutschland 2018. Präsentation des ZIV-Geschäftsführers Siegfried Neuberger anlässlich der Pressekonferenz am 21.03.2019. Zugriff am 04.08.2020 unter: https://www.ziv-zweirad.de/fileadmin/redakteure/Downloads/Marktdaten/PK-2019_21-03-2019_Praesentation.pdf

(36) Statista. (2019). Mittlere Preise der Fahrradtypen in Deutschland in den Jahren 2018 bis 2018. Zugriff am 04.08.2020 unter: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/430707/umfrage/mittlere-preise-der-fahrradtypen-in-deutschland/

Freiburg hat eine große MTB Szene mit einer hohen Nachfrage nach eigens gebauten Abfahrtsstrecken. Im Jahr 2007 wurde die Borderline nach Absprache mit dem Forstamt Freiburg angelegt. Die ersten Jahre wurde sie geduldet, dann musste aufgrund der hohen Frequentierung und überregionalen Bekanntheit eine rechtlich sichere Lösung gefunden werden. Deshalb wurde im Frühjahr 2011 der Verein Mountainbike Freiburg e.V. gegründet. Durch die Gründung des Vereins, den Beitritt vieler Mitglieder sowie die Zusammenarbeit mit dem Forstamt und der Stadt Freiburg wurde die Abfahrt genehmigt und seit 2011 legalisiert. Auf diesen ersten gemeinschaftlichen Erfolg folgten die Planung und Errichtung weiterer Strecken, wie der Canadian Trail (2015), der Badish Moon Rising Trail (2016), Hubbelfuchs (2017) und der Baden to the Bone Trail (2017).

Der Verein setzt sich gemeinsam mit dem Forstamt und der Stadt Freiburg für den Erhalt und die Entwicklung dieser Trails ein. Durch die Strecken wurde eine Lenkung  der Bautätigkeiten der abfahrtsorientierten Mountainbiker erreicht. Tourenmountainbiker*innen hingegen bewerten diese Strecken oft als zu anspruchsvoll und befahren deshalb andere Wege und Trails.

Der Verein zählt bereits über 1.700 Mitglieder. Inzwischen sind die Aktivitäten und die Verantwortung des Vereins gewachsen: Zusätzlich zur Planung, Errichtung und Pflege der Trails, werden Kinder- und Jugendtraining, Veranstaltungen, Vereinsmeisterschaften und kleinere Events wie Konzerte, Fahrrad-Flohmarkt oder eine Fahrradwerkstatt organisiert (37).

(37) Mountainbike Freiburg e.V. (o.J.). Mountainbike Freiburg. Zugriff am 04.08.2020 unter: https://www.mountainbike-freiburg.com/content/mountainbike-freiburg-ev 

In Hessen sollte 2012 das Radfahren nur noch auf Forstwege, die ganzjährig mit zweispurigen, nicht geländegängigen PKW befahren werden können, beschränkt werden. Dieses Vorhaben stieß auf großen Widerstand bei den Mountainbikern*innen – nicht nur in Hessen, sondern auch darüber hinaus in anderen Teilen Deutschlands. Die Radverbände, unter Führung der DIMB, sammelten über 50.000 Unterschriften persönlich und über eine Online-Petition, um gegen den Gesetzesentwurf vorzugehen. Der Zusammenschluss einer großen Interessensgruppe und das Engagement der Biker*innen führte letztlich dazu, dass die Politik diese Stimme wahrnahm und Runde Tische einrichtete, um einen gegenseitigen Austausch zu ermöglichen (38).

Es wurde vereinbart, dass in Hessen das Radfahren auch auf schmalen, naturfesten Wegen zulässig bleibt. Die Vereinbarung „Wald und Sport“ wurde von allen Partnern unterzeichnet und es wurde mit dem „Runden Tisch Wald und Sport“ ein regelmäßiger Dialog eingerichtet, der Sport und Naturschutz vereinen soll (38, 39).

(38) Deutsche Initiative Mountainbike e.V. (DIMB). (o.J.) Open Trails Hessen. Zugriff am 04.08.2020 unter: https://www.dimb.de/wp-content/uploads/2019/02/nicht-mit-uns-gesetzesaenderung-in-hessen.pdf

(39) Hessisches Ministerium für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. „Runder Tisch Wald und Sport“ (2013). Vereinbarung Wald und Sport. Zugriff am 04.08.2020 unter: https://www.dimb.de/wp-content/uploads/2019/02/vereinbarung_wald_und_sport.pdf

Mit der „Fair on Trails“-Aktion bewirbt die DIMB gemeinsam mit ihren Projektpartnern das Mountainbiken im Einklang mit der Natur und den anderen Wald- und Bergbesuchern*innen. Laut DIMB ist eine harmonische Nutzung der Wege möglich, wenn alle Natursportler*innen und andere Naturnutzer*innen die Spielregeln einhalten und sich untereinander sowie der Natur mit Respekt und Toleranz begegnen. Hierbei spielen auch die unter 2.2. Verhaltensregeln genannten DIMB-TrailRules – sechs freiwillige Verhaltensregeln zu umwelt- und sozialverträglichem Mountainbiken – eine essentielle Rolle.

Unter dem Titel „Gemeinsam Natur erleben“ wurde das gemeinsame Ziel bereits mit Beschilderungen an Wegkreuzungen und Infomaterial im Sauerland und im Schwarzwald beworben.

Die Initiatoren der Aktion sind sich einig, dass Akzeptanz und Rücksichtnahme die entscheidenden Faktoren für ein gutes Miteinander sind. Die TrailRules und die „Fair on Trails“-Kampagne sind ein wichtiger Bestandteil der kontinuierlichen Auseinandersetzung mit dem Thema „verantwortungsvolles Mountainbiken“. Ein wichtiger Punkt ist für die DIMB auch das Aufarbeiten der Ziele gemeinsam mit Tourismus, Forst und Wanderverband (40).

(40) Deutsche Initiative Mountainbike e.V. (DIMB). (o.J.) Fair on Trails. Respekt erweisen - Respekt erwarten! Zugriff am 04.08.2020 unter: https://www.dimb.de/fachberatung/fakten-und-konzepte/gemeinsame-wegenutzung/