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Kanusport

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geben Kanufahrer*innen, mit eigenem Boot, durchschnittlich pro Tag aus.
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ist die ausreichende Wassertiefe um Gewässer befahren zu können.
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Kanut*innen bewegen sich auf deutschen Gewässern.
Im Jahr 0
wurde das Kanufahren erstmals olympisch.
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oder mehr Personen können Platz in einem Drachenboot finden.

Der Kanusport wird in Deutschland als Leistungs-, Freizeit- und Breitensport betrieben. Eine Mehrheit der Paddler*innen in Deutschland betreibt das Kanuwandern, das auch eine beliebte Urlaubssportart ist. Sportlich ambitionierter sind das Wildwasser- sowie das Seekajak- und Touringpaddeln. Im Wettkampfsport sind die Disziplinen Kanurennsport und Wildwasserslallom olympisch, Wettkämpfe in zahlreichen anderen Disziplinen wie Wildwasserabfahrt, Kanurodeo, Kanupolo oder SUP-Rennen werden bis zur höchsten internationalen Ebene (Weltmeisterschaften) ausgetragen. Für den Knausport werden Ströme, Flüsse und Seen, Talsperren, Küsten- und Meeresgewässer, sowie eigens als Sportanlagen hergerichtete Regattastrecken und künstliche Wildwasserparke genutzt. Es werden traditionell zwei Bauarten von Paddelbooten unter dem Oberbegriff Kanu geführt, die auf die Kajaks der Inuit („Grönländer“) bzw. die Birkenrindenkanus der Ureinwohner Nordamerikas zurrückzuführen sind. Das Kajak besitzt ein geschlossenes Deck und wird im Langsitz gefahren. Zur Fortbewegung wird ein Doppelpaddel benutzt. Der Kanadier wird zumeist mit offenem Deck gebaut. Er wird kniend oder sitzend mit Hilfe eines Stechpaddels fortbewegt (1). In jüngerer Zeit sind aus anderen Kulturkreisen Drachenboote, Stand-Up-Boards und Auslegerboote (OC) zur sportlichen Kanu-Familie dazugekommen. Als Materialien im Bootsbau sind traditionelle Werkstoffe wie Holz und Plane (Faltboot) immer noch im Einsatz, die meisten Boote werden jedoch aktuell aus faserverstärkten Kunststoffen, Polytehylen oder anderen Kunststoffen hergestellt.

(1) Zeilner, F. (2006). Kanusport Wettkampf & Freizeitsport. Universität Salzburg: Freya

Um sich sicher auf den Gewässern zu bewegen, sollten einige Regeln beachtet werden (2):

  1. Paddeln birgt eine Vielzahl potentieller Gefahren, die vom Laien nicht immer erkannt werden. Lassen Sie sich ausbilden! Vereine, Kanuschulen oder kompetente Freunde können Ihnen dabei helfen. Unkenntnis der Gefahren kann tödliche Folgen haben!
  2. Erkundigen Sie sich vor jeder Fahrt über die geltenden Befahrungsregelungen und Einschränkungen. Setzen Sie sich nicht über Verbote hinweg.
  3. Sie sind Besucher in der Natur. Verhalten sie sich dementsprechend. Lärmen, Wasserspiele und Musik gehen auf dem Badesee, aber nicht in empfindlichen Lebensräumen.
  4. Das Tragen einer Schwimmhilfe erhöht die Sicherheit erheblich. Für Kinder ist sie zwingend erforderlich.
  5. Wählen Sie das Gewässer ihrem Können und den aktuellen Verhältnissen (Wasserstand, Wetter etc.) entsprechend aus. Erkundigen Sie sich über Gefahren und Hindernisse. Nutzen Sie Flussführer und andere zuverlässige Quellen.
  6. Der Wasserstand beeinflusst die Schwierigkeit einer Flussfahrt erheblich. Höhere Wasserstände führen zu schnellerer Strömung und höherem Wasserdruck. Kenterungen werden für Schwimmer dann lebensgefährlich. Prüfen Sie den Pegel vor jeder Fahrt. Fahrten bei Hochwasser sind nur etwas für gute Paddler!
  7. Wehre haben oft lebensgefährliche Rückläufe im Unterwasser! Halten Sie Abstand, besichtigen Sie das Wehr von Land aus und umtragen Sie das Wehr bei geringstem Zweifel. Auch Bootsrutschen können bei bestimmten Wasserständen gefährlich sein!
  8. Paddeln Sie nur in sicheren Kanus. Auftriebskörper gehören in jedes Boot.
  9. Umgestürzte Bäume und andere Hindernisse können jederzeit die Weiterfahrt versperren. Fahren Sie so, dass sie jederzeit Hindernissen ausweichen oder anlanden können.
  10. Das Paddeln auf kaltem Wasser birgt besondere Gefahren! Setzen Sie sich mit den Gefahren des Kaltwasserpaddelns auseinander und ergreifen Sie entsprechende Maßnahmen (z.B. das Tragen von Kälteschutzanzügen).
  11. Halten Sie Abstand zu allen anderen Wasserbenutzern, insbesondere zu allen Motorschiffen und Segelfahrzeugen. Kanus sind fast immer ausweichpflichtig und vom Schiffsführer schlecht zu sehen.
  12. Beachten Sie die Binnenschifffahrts- und Seeschifffahrtsstraßenordnungen. Sie gelten auf allen Schifffahrtsstraßen und Kanälen und enthalten verbindliche Regeln für alle Wasserfahrzeuge.

Besondere Gefahren bestehen auf Wildwasser und an der Küste. Diese Gewässer sind nur mit entsprechender Ausrüstung und von geübten Paddlern befahrbar. Nutzen Sie die Angebote von Vereinen und Kanuschulen.

 

Der Deutsche Kanu-Verband (DKV) setzt sich der Theorie wie in der Praxis dafür ein, dass Aus- und Fortbildungsprogramme im Bereich Umweltbildung stattfinden und Verhaltensempfehlungen durch alle Ebenen weitergetragen werden, sowie auf deren Einhaltung geachtet werden (3).

(2) Deutscher Kanu- Verband (2019). Sicherheits-Tipps. Mit Sicherheit Spaß beim Kanufahren. Zugriff am 15.10.2019 unter: https://www.kanu.de/FREIZEITSPORT/Infothek-fuer-Paddler/Sicherheits-Tipps-52130.html

(3) Deutscher Kanu- Verband (2019). Naturbewusst paddeln. Kanusport ist Natursport. Zugriff am 15.10.2019 unter: https://www.kanu.de/FREIZEITSPORT/Infothek-fuer-Paddler/Naturbewusst-paddeln-52135.html

Der Kanusport hat im wasserreichen Deutschland eine lange Tradition und ist weit verbreitet. Der Deutsche Kanu-Verband (DKV) mit seinen 122.000 Mitgliedern (4) (Stand: 2020), die in rund 1.300 Kanuvereinen und 18 Landesverbänden organisiert sind, vertritt den vereinsgebundenen Kanusport in Deutschland. Die Bandbreite der hier organisierten Kanusportvarianten reicht dabei vom alpinen Wildwasserfahren über Trendsportarten wie Drachenboot bis hin zum Wettkampfsport. Der DKV versteht sich selbst als Interessenvertretung aller Kanusporttreibenden - nicht nur der in seinem Verband organisierten Kanusportler*innen. Z.B. vertritt der DKV den Kanusport gegenüber Behörden, bezüglich Gewässersperrungen oder Verhinderung und Entschärfung gefährlicher und ökologisch bedenklicher Wasserbaumaßnahmen. Darüber hinaus kümmert sich der Verband um den Erhalt der naturnahen Gewässer und kämpft gegen Gewässerverschmutzung und -verbau. Mitglieder des DKV genießen bei vielen Vereinen ein Gastrecht. Außerdem betreiben der DKV und zahlreiche Mitgliedsvereine Zeltplätze, Heime und Kanu-Stationen als Übernachtungsmöglichkeiten für Wasserwanderer. Nach eigenen Angaben legt der DKV besonderen Wert auf die Aus- und Fortbildung seiner Mitglieder sowie die Fortentwicklung im Bereich Sicherheit und Ökologie-Schulung für alle Kanufahrer*innen (5).

Der Bundesverband Kanu e. V. (BVKanu) ist der Untermnehmerverband der gewerblichen Anbieter aus Kanutourismus, Kanuverleih, Kanuschulung, Kanuhandel und Kanuherstellung. Neben der Aufgabe der allgemeinen Förderung des Kanusports, versteht er sich als Sprachrohr und Interssensvertrertung der Kanubranche auf politischer Ebene. Laut BVKanu zählen auch Qualitätssicherung und Gewährleistung eines fairen Wettbewerbs zu seinen Vereinszwecken.

Die Mehrheit der Kanut*innen in Deutschland ist nicht organisiert und übt ihren Sport individuell aus (6). Über Ausübungsintensitäten, Reiseverhalten oder den Bootsmarkt liegen keine belastbaren Zahlen vor.

(4) Statista. (2019). Migliederzahl des Deutschen Kanu-Verbandes von 2002 bis 2019. Zugriff am 15.10.2019 unter: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/216167/umfrage/mitgliederzahl-des-deutschen-kanu-verbandes/

(5) Deutscher Kanu-Verband (o.J.). Der Deutsche Kanu-Verband. Was tut der DKV für seine Mitglieder. Zugriff am 15.10.2019 unter: https://www.kanu.de/DER-DKV/Bundesverband-52079.html

(6) Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) (2017). Wirtschaftsfaktor Outdoorsport. Berlin: BMWI.

Kanufahren ist im Rahmen des durch § 25 des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG) rahmenrechtlich geregelten wasserrechtlichen Gemeingebrauchs auf oberirdischen Gewässern in Deutschland grundsätzlich erlaubt. Die meisten Landeswassergesetze beschränken den Gemeingebrauch auf natürliche Gewässer. An künstlichen Gewässern (z.B. Talsperren) können die Besitzer*innen Regelungen zum Gebrauch des Gewässers erlassen und den Gebrauch auch vollständig verbieten. Bei größeren künstlichen Gewässern im Besitz der öffentlichen Hand regeln üblicherweise Rechtsverordnungen und Nutzungssatzungen den Gebrauch oder der Gemeingebrauch wird generell zugelassen. So ist z.B. die kanusportliche Nutzung vieler Talsperren in Deutschland gegen eine Gebühr oder kostenfrei möglich. Regelungen, Beschränkungen oder Ausschlüsse des Gemeingebrauchs können von den zuständigen Behörden an allen Gewässern z.B. aus Gründen der Gefahrenabwehr, des Naturschutzes oder der Sicherung des Verkehrs verfügt werden. Näheres regeln die jeweiligen Landeswassergesetze.

Von der Möglichkeit zur Einschränkung des Gemeingebrauchs wird in Deutschland exzessiv gebraucht gemacht. So umfasst die Liste der Befahrungsregelungen von Flüssen und Seen in Deutschland des DKV Ende 2019 fast tausend Einträge (7). Die Art der Reglungen ist vielfältig. So ist auf einigen Flussabschnitten die Anzahl der täglich zugelassenen Boote beschränkt, auf anderen Abschnitten gelten Anlandeverbote oder das Gebot in Flussmitte zu fahren. Für manche Gewässer ist eine Anmeldung oder ein spezieller Befähigungsnachweis erforderlich. Für zahlreiche Gewässerabschnitte oder ganze Flüsse wurden Befahrungsverbote ausgesprochen (8). Außerdem gilt für viele Gewässer ein Mindestpegelstand, ab dem eine Befahrung erlaubt ist. Alle Kanufahrer*innen sind verpflichtet, sich vor Beginn einer Fahrt über aktuell gültige Regelungen zu informieren.

Die meisten Pegelstände können heutzutage einfach online über die Landesumweltämter abgefragt werden, der Kanuveraband NRW bietet diesen Service sogar auf seiner Homepage (9). Pegelinformationen in ähnlicher Form gibt es auch für andere Bundesländer und das europäische Ausland.

Auf schiffbaren Gewässern gelten auch für Kanut*innen die allgemeinen Regeln der Schiffahrt und die speziellen Regelungen z.B. des Bundeswasserstraßengesetzes (WaStrG) bzw. auf Landesgewässern die Verordnungen der jeweils zuständigen Länder. So müssen z.B. auf  Binnenschifffahrtsstraßen Kanus mit dem Bootsnamen außen gut lesbar gekennzeichnet sein. Darüber hinaus müssen der Name und die Anschrift der Eigentümer*innen im Bootsinneren erkennbar sein (10).

(7) Deutscher Kanu-Verband (o.J.). Infos für Einsteiger. Wo darf ich paddeln? Duisburg: Deutscher Kanu-Verband e.V. Zugriff am 15.10.2019 unter: https://www.kanu.de/go/dkv/_ws/mediabase/downloads/dkv/flyer/flyer_neukanuten_lowres.pdf

(8) Deutscher Kanuverband (2019). Verzeichnis der Befahrungsregelung. Zugriff am 15.10.2019 unter: http://www.kanu.de/go/dkv/_ws/mediabase/downloads/freizeit/gewaesser/Befahrungsregelungen.pdf

(9) Kanu-Verband Nordrhein-Westfalen e.V. (2019). Pegeldienst. Zugriff am 15.10.2019 unter: https://www.kanu-nrw.de/content/index.php/2012-01-01-19-49-52/2015-11-18-14-22-22/2012-01-01-20-15-40/pegeldienst-kv-nrw1

(10) Deutscher Kanu-Verband (o.J.). Kennzeichnung der Kanus. Duisburg: Deutscher Kanu-Verband e.V.

Für den Kanusport sind grundsätzlich alle Gewässer mit ausreichender Wassertiefe (ca. 30 cm im Hauptstrom) und genügender Ausdehnung (ab ca. 0,5 ha) geeignet. Die Qualität des Erlebnisses wird jedoch maßgeblich durch die umgebende Landschaft (z.B. umgebendes Gelände, Uferformen, Ufervegetation, Architektur, Blickmöglichkeiten etc.) aber auch den Strömungsverhältnissen, der Flussmorphologie, der beobachtbaren Tierwelt und der Wasserqualität bestimmt. Des Weiteren sind je nach Ausübungsform Rastplätze, Übernachtungs- und Einkehrmöglichkeiten sowie Lagermöglichkeiten von Bedeutung. Andere Nutzungsarten, wie z.B. der Schiffsverkehr, können das Erlebnis bereichern oder beeinträchtigen. Sichtbare, größere wasserbauliche Eingriffe beeinträchtigen in der Regel die Qualität des Erlebnisses. Es werden sowohl Zahmwasser (Seen und langsam fließende Gewässer) als auch Wildwasser befahren. Küstengewässer und sogar das offene Meer sind zunehmend beliebte Kanureviere. Flusswanderungen erfordern eine durchgehende Befahrbarkeit, wobei das Umtragen einzelner Hindernisse, an denen das Boot aus dem Wasser genommen und kürzere Strecken getragen werden muss, keine wesentliche Einschränkung darstellt, solange das Umtragen keine zu große körperliche oder logistische Herausforderung darstellt. Nicht akzeptiert werden Flüsse, bei denen Passagen mittels Bootstransport auf PKW oder Bahn umfahren werden müssen.

Regelmäßig aktive Kanut*innen sind wenig anspruchsvoll was Ein- und Ausstiegsmöglichkeiten anbetrifft. Es reicht ein zugänglicher Uferbereich z.B. in der Nähe einer Brücke. Angelegte Ein- und Ausstiegsstellen sind reine Komforteinrichtungen und haben dadurch eine Lenkungswirkung. Sie ermöglichen auch körperlich eingeschränkten Kanut*innen oder unerfahrenen Paddler*innen eine Befahrung. Unbefahrbare Wehre mit schwierigen  Ausstiegs- oder Umtragemöglichkeiten sind eine große Gefahr insbesondere für unerfahrene Kanut*innen. Natürliche Hindernisse wie Felsen oder Steinstufen werden dagegen eher als reizvoll wahrgenommen, können jedoch ebenso gefährlich wie Wehre sein. Die Mehrheit der Paddler*innen ist maßgeblich vom romantischen Naturideal der Wanderbewegung geprägt und sucht eskapadisch das einfache Leben in Freiheit und Selbstbestimmtheit unter freiem Himmel. Lagerfeuer und Biwak sind nach wie vor konstituierende Merkmale des Kanuwandersports.

(11) Deutscher Kanu-Verband e.V. (1998). Leitbild Kanusport. Duisburg: Deutscher Kanu-Verband e.V. Zugriff am 19.11.2019 unter: https://www.kanu.de/_ws/mediabase/Nuke/downloads/leitbild.pdf

Der Kanusport als Breitensport gilt als ausgesprochen naturverbundene Sportart, trotzdem ist er die Natursportart mit dem höchsten Konfliktpotential in Deutschland. Kanufahren kann wie jede Aktivität in Natur und Landschaft Auswirkungen auf Flora und Fauna haben. Belastungen können durch mechanische Einwirkungen beim Ein- und Aussetzen bzw. Anlanden der Boote und durch Störungen der Tierwelt bei der Fortbewegung auf dem Wasser entstehen. Auch sind Konflikte mit anderen Nutzergruppen, z.B. der Angelfischerei, möglich. Kanusport ist in vielen seiner heutigen Ausübungsformen von individueller Mobilität abhängig, es entstehen Belastungen durch den Verkehr und den damit verbundenen Emissionen.

Wissenschaftich sind Auswirkungen des Kanusports auf Natur- und Landschaft wenig erforscht. Die meisten im deutschsprachigen Raum vorhandenen Arbeiten sind Gutachten, die keinen wissenschaftlichen Selbstkontrollprozess (Review) durchlaufen haben oder Abschlussarbeiten (z.B. Mattes & Meyer (2001); Boomers et al. (2005), Zauner & Clemens (2004); Reichholf (1998); Hammer (2006); bgmr (2007); Heimann & Schulz (2013)). Viele dieser Gutachten enstanden an gewerblich genutzten Gewässern, d.h. an Gewässern, an denen eine intensive Befahrung durch Verleihboote stattfindet. Die in den Gutachten erhobenen Daten zeigen, dass Vögel, die an Wasserläufen brüten, durch den Kanusport beeinträchtigt werden können. Das Maß der Beeinträchtigung hängt erheblich von der Vogelart, dem Zustand der Populationen, der Lebensraumbeschaffenheit, der Häufigkeit der Störung, dem Zeitpunkt (Tages- und Jahreszeit) und der Dauer der Störung ab. Methodisch kritisch ist, dass in den meisten Arbeiten andere Gewässernutzungen meist nicht oder nicht gleichwertig erfasst und bewertet wurden.

Auswirkungen des Kanusports auf Invertebraten (Wirbellose) oder Fische werden zwar vermutet, konnten empirisch jeodch nicht belegt werden (vgl. Zauner & Clemens 2004).

 

Kanusportler*innen handeln verantwortungsvoll gegenüber Natur, Umwelt und anderen Nutzern, wenn sie...

  • sich rechtzeitig vor der Kanutour über die vorhandenen gesetzlichen Vorschriften und freiwilligen Vereinbarungen zum Schutz von Flora und Fauna informieren und diese beachten. Viele der gesetzlichen Regelungen wurden in Zusammenarbeit mit den Vertreter*innen des Kanu-Verbandes und der Naturschutzverbände einvernehmlich aufgestellt. Ein vollständiges Verzeichnis der geltenden Bestimmungen für deutsche und europäische Gewässer findet sich im Internet unter www.kanu.de oder im jährlich neu erscheinenden DKV-Sportprogramm;
  • die Vielfalt, Eigenart und Schönheit von Natur und Landschaft schätzen und achten, um gerade auch den Erlebnis- und Erholungswert in ihrem eigenen Interesse nicht zu schmälern;
  • sich leise und rücksichtsvoll in der Natur verhalten und ausreichendend Abstand zu Wasserpflanzen, Ufervegetation sowie Tieren auf und am Wasser halten;
  • sich rechtzeitig über vor Ort vorkommende Tiere und Pflanzen informieren und ihr gesamtes Fahrverhalten so gestalten, dass diese nicht erheblich gestört oder dauerhaft geschädigt werden;
  • möglichst umweltschonend anreisen (insbesondere durch Bildung von Fahrgemeinschaften oder Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel) und ausschließlich vorhandene Infrastrukturen (z.B. Ein- und Ausstiegsstellen, Lagerplätze, Zuwegungen und Parkplätze) in Anspruch nehmen, statt unberührte Natur zu nutzen;
  • für die Übernachtung lokale Zeltplätze oder Gasthöfe aufsuchen und die Verpflegung vor Ort einkaufen. So profitiert auch die lokale Bevölkerung vom Kanusport und der persönliche Kontakt kann das Verhältnis zu Kanufahrer*innen verbessern;
  • Befahrungen nur bei ausreichendem Wasserstand vornehmen. Eine Übersicht der Pegelinformationen zahlreicher deutscher und europäischer Gewässer findet sich im Internet unter www.kanu.de oder im jährlich neu erscheinenden DKV-Sportprogramm;
  • auf die Befahrung erkennbar übernutzter Gewässer verzichten und im Zweifel auf einzelne Kanutouren verzichten. Es ist selbstverständlich, dass Kleinflüsse nur in kleinen Gruppen und mit kleinen Booten befahren werden;
  • weder Abfälle hinterlassen noch naturschädigende Materialien in der Natur verwenden;
  • auf Umweltverschmutzungen (insbesondere stinkende Schmutzwassereinleitungen, Ölfilme oder wilde Müllkippen) in der Nähe von Gewässern achten und diese den lokalen Umweltbehörden oder dem DKV melden;
  • auch andere Kanufahrer*innen auf die Einhaltung dieser Grundlinien aufmerksam machen! (13)

(12) Deutscher Kanu-Verband – NATURBEWUSST PADDELN. Letzter Zugriff am 02.08.2019 unter: https://www.kanu.de /FREIZEITSPORT/Infothek-fuer-Paddler/Naturbewusst-paddeln-52135.html

Der gewerbliche Kanuverleih steht an zahlreichen Flüssen in Deutschland in der Kritik insbesondere von Angler*innen und Naturschützer*innen, aber auch von Anwohner*innen und organisierten Kanut*innen. Aber auch der individuelle oder vereinsgebundene Kanusport wird an vielen Gewässern insbesondere aus Sicht des Vogelschutzes kritisch betrachtet. In der Kritik vor Ort wird häufig nicht zwischen den verschiedenen Nutzergruppen unterschieden, wozu auch das Fehlverhalten Einzelner, vor allem aber nicht ausgebildeter Urlaubspaddler*innen, beiträgt. Manche Kanuverleiher nutzen aus ökonmischen Gründen große Bootsanhänger, wodurch in Zeiten hoher Auslastung Massenbefahrungen an der Tagesordnung sind. Häufig sind die Konflikte Gegenstand von Gutachten, die den zuständigen Behörden als Grundlage für Rechtsverordnungen dienen.

Von der Möglichkeit zur Lenkung des Kanusports mittels Befahrungsregelungen in Rechtsverordnungen oder in der Form freiwilliger Vereinbarungen wird intensiv Gebrauch gemacht. Nicht immer wird bei der Einschränkung des Gemeingebrauchs zwischen gewerblicher und privater Nutzung unterschieden.

Der Deutsche Kanu-Verband bietet seinen Mitgliedern eine fundierte Ausbildung z.B. durch Erwerb des Europäischen Paddel-Passes (EPP) Deutschland. Eine gute Bootsbeherrschung ist insbesondere auf Kleinflüssen Voraussetzung für umweltgerechtes Verhalten. Darüber hinaus werden spezielle Ökoschulungen angeboten, die ein vertieftes Wissen über Fauna und Flora sowie Naturschutz und noramtiven Rahmen vermitteln. EPP Kurse und Ökoschulungen stehen oftmals auch Nichtmitgliedern nach Anmeldung offen (13). Einige private Kanuschulen bieten vergleichbare Kurse an.

(13) Deutscher Kanu-Verband: EPP Deutschland. Letzter Zugriff am 02.08.2019 unter:

https://www.kanu.de/FREIZEITSPORT/Infothek-fuer-Paddler/EPP-Deutschland-52128.html

Schon in der Steinzeit wurden Gewässer mit Hilfe von ausgehöhlten Baumstämmen (Einbäumen) befahren. Besonders erfolgreiche Modelle stellten die Indianer Nordamerikas und die Inuit der Polarregionen her. Die Indianer bauten ihre Boote (meist Kanadier) aus Birkenrinde und dichteten sie mit Harz ab. Sie waren leicht, konnten daher mühelos bei unbefahrbaren Passagen getragen werden und waren dennoch für den Transport großer Lasten geeignet. Diese Kanadier wurden zur Jagd und zum Fischfang genutzt. Den Inuit hingegen stand kaum Holz zur Verfügung. Sie spannten Tierhäute über Gerüste, die aus Treibholz und Knochen gefertigt waren. Ihre oben geschlossenen Boote (Kajaks) waren seetüchtig und wurden bevorzugt zur Robbenjagd verwendet. Während die Indiander schwimmen konnte, konnten dies die Inuit als Kaltwasseranrainer nicht. Daher entwickelten sie eine Wiederauftauchrolle mit dem Boot – die Kenterrolle. Im 16. und 17. Jahrhundert brachten englische Kapitäne Kanadier und Kajaks nach Europa. Sie hatten sie als vielseitige Gebrauchsfahrzeuge bei den Naturvölkern kennengelernt und waren fasziniert von ihrer Schnelligkeit und Wendigkeit. Es sind die Vorläufer der bei uns heute unter dem Sammelbegriff „Kanu“ bekannten Sportboote. Mitte des 19. Jahrhunderts fand der Kanusport in der heutigen Form seine Entwicklung. Nach den Vorlagen des Eskimokajaks befuhr ein schottischer Rechtsanwalt 1863 u.a. Mosel, Rhein und Donau. Sir Baden-Powell (Gründer der Pfadfinderbewegung) war einer der Ersten, der in England Flüsse mit einem zusammenlegbaren Boot befuhr. Zu dieser Zeit befand sich eine englischer Kapitän, in Begleitung von einem Inuit, auf Reise durch die europäischen Großstädte, um vor Publikum die Kenterrolle vorführen zu lassen. Durch die Verbreitung von Privatpersonen wurde der Kanusport langam bekannter und erste Klubs wurden gegründet (14). Erst Anfang des 20. Jahrhunderts wurde in Deutschland der erste reine Kanuverein gegründet. Nach Kriegsende 1918 gewann der Kanusport zunehmend an Beliebtheit. Die ersten Kanumeisterschaften wurden durchgeführt und es erschien die erste Kanuverbandszeitschrift (15). Das Faltboot, welches Flussfahrten ermöglichte, gilt als revolutionärer Schritt bei der Verbreitung des Kanusports. Berichte über Personen, die in der Öffentlichkeit standen, und die fortschreitende Technisierung führten dazu, dass das Kanufahren zunehmend bekannter wurde. Verschiedene Formen des Kanufahrens, wie Wildwasserfahrten, spornten die Menschen an ihr Können in einem Boot unter Beweis zu stellen. So wurden Faltboote für zahlreiche Flussüberquerungen oder Expeditionen genutzt. Mit dem Bau von Booten aus Polyesterharz in Verbindung mit Glasfasermatten waren dem Ideereichtum in der Formgestaltung keine Grenzen mehr gesetzt. Die Entwicklung zu Kunststoffbooten ermöglicht bis heute den Bau von immer leichteren, stabileren und besser designten Bootsformen (14). 1934 wurde der Kanusport erstmals olympisch. Nach einigen Unterbrechungen trat Deutschland erst 1964 wieder bei den Olympischen Spielen an. Mittlerweile entwickelten sich neue Paddeltrendsportarten wie Stand-Up-Paddling, Kanu-Drachenboot, Spielbootfahren und Freestyle, die sich als Freizeit- und Wettkampfformen etablieren (15). Bedauerlicherweise behindern immer mehr Sperrungen und Reglementierungen die Ausübung des Kanusports auf den Gewässern. Der DKV kümmert sich um den Erhalt der naturnahen Gewässer, ohne die kein Kanufahren möglich ist, z.B. durch Verhinderung oder Entschärfung gefährlicher und ökologisch bedenklicher Wasserbaumaßnahmen, für den Bau von Anlagen für Kanufahrer*innen an Querbauwerken, durch den Kampf gegen Gewässerverschmutzung und Wahrung der ökologischen Belange. Der DKV vertritt den Kanusport gegenüber Behörden etc., wenn es z.B. um Gewässersperrungen geht und versucht, unter Berücksichtigung der Belange des Umweltschutzes das Bestmögliche für den Kanusport zu erreichen. Mit Umweltsymposium, Gutachten und Kooperationen auf verschiedenster Ebene setzt sich der DKV dafür ein, dass sich die Faszination und Schönheit des Kanusports in einer intakten Umwelt genießen lässt. Außerdem enstehen neue Paddeltrendsportarten, wie z.B. Stand-Up-Paddling, Drachenbootfahren, Spielbootfahren und Freestyle, die sich als Freizeit- und Wettkampfformen etablieren (15).

(14) Zeilner, F. (2006). Kanusport  Wettkampf & Freizeitsport (Seite 198f). Universität Salzburg: Freya

(15) Deutscher Kanu-Verband. (o.J.). Geschichte. Zugriff am 19.11.2019 unter: https://www.kanu.de/WETTKAMPF/Kanu-Polo/Geschichte-52648.html

Aufgrund der unterschiedlichen Bootsarten und der unterschiedlichen Beschaffenheiten von Gewässern existiert eine Vielzahl verschiedener Varianten des Kanusports.

 

Kanuwandern

Die meistpraktizierte Form des Kanufahrens ist das Kanuwandern, bei dem Tages- oder Mehrtagestouren auf ruhigeren Flüssen und Seen unternommen werden. Den Kanuwander*innen zeigt sich im Laufe der Wanderung die Landschaft in neuer, ständig wechselnder Perspektive. Die Stille bei der Befahrung vermittelt ein eindrucksvolles Naturerlebnis. Reizvolle Flüsse und Seen zum Kanuwandern sind in den DKV-Gewässerführern beschrieben (16).

 

Wildwasserfahren

Die Grenzen vom Wasserwandern zum Wildwasserfahren sind fließend. Wenn der Fluss etwas enger wird, etwas mehr Gefälle hat, wenn Steine und Felsen im Weg liegen, wenn Wellen den Kanut*innen zu exakter Fahrt durch diese Schwierigkeiten hindurch zwingen, dann spricht man von Wildwasserfahren.

Die Herausforderungen des Flusses an Reaktionsschnelligkeit und das Zusammenspiel von Kraft und Geschicklichkeit lassen eine Fahrt zum abenteuerlichen Erlebnis werden. Entsprechend individueller Kenntnisse und Fähigkeiten können Kanut*innen Flüsse unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade auswählen und so die geeignete Herausforderung finden (17):

 

Wildwasser-Schwierigkeitstabelle gemäß der International Canoe Federation (ICF):

I – leicht

kleine Schwalle, höhere, regelmäßige Wellen, wenige, erkennbare Hindernisse.

II – mäßig schwer

häufige Schwalle, unregelmäßiger Stromzug, schwache Walzen, leicht erkenn- und befahrbare Wirbel und Kehren.

III – schwer

zahlreiche Schwalle, hohe unregelmäßige Wellen, Brecher und Walzen, Wirbel und Kehren, Verblockung, schlecht erkennbare Durchfahrten, Hindernisse im Stromzug.

IV – sehr schwer

lange Schwallstrecken, hohe unregelmäßige Wellen, kräftige Brecher und Walzen, schwierige Wirbel, scharfe Kurven, starke Verblockung, Durchfahrten schlecht erkennbar.

V – extrem schwer

durchgehende Schwallstrecken, unregelmäßige Brecher und Walzen, schwierigste Kehren und Wirbel, hohe Strömungsgeschwindigkeit, extreme Verblockung, Durchfahrten kaum erkennbar.

VI – Grenze der Befahrbarkeit

Steigerung sämtlicher Schwierigkeiten (18).

 

Extremes Wildwasserfahren

Diese Variante bezeichnet Erstbefahrungen in allen Kontinenten sowie Expeditionen zu unbekannten und unbefahrenen Flüssen, die extreme Schwierigkeitsgrade mit Wasserfällen und Stromschnellen aufweisen (17).

 

Kanu-Freestyle (Rodeo)

Eine relativ junge Disziplin ist das Kanu-Freestyle. Die Besonderheit ist es, dass hier keine Wegstrecke zurückgelegt wird, sondern nahezu auf einer Stelle im Fluss verschiedene Figuren gefahren werden. Die Kanut*innen fahren mit ihrem Kajak in Walzen oder Wellen und drehen mit ihm Kerzen oder andere spektakuläre Figuren (19).

 

Küsten-Kanuwandern (Seekajakfahren, Küstenpaddeln)

Küstenwander*innen fahren Seekajaks, die optimal auf die Verhältnisse des Meeres (Navigation, Seegang) abgestimmt sind. Seekajakfahren auf dem Meer eröffnet im Vergleich zum Wanderpaddeln auf Flüssen und Seen und zum Strömungspaddeln auf Wildbächen eine neue Erlebniswelt. Hierbei werden an die Kanut*innen besondere Kenntnisse im Bereich Nautik und Navigation gestellt, um relativ sicher auf dem offenen Meer fahren zu können (20).

 

Kanu-Drachenboot

Drachenboote sind lange Boote, in den 20 und mehr Personen Platz finden und die mit Stechpaddel fortbewegt werden. Drachenbootfahren ist eine spezielle Form der Kanadiertechnik und hat seinen Ursprung im asiatischen Raum. Es ist Funsportart und Leistungssport zugleich (21).

 

Kanusport als Wettkampfsport

Neben diesen „Freizeitsportarten“ gibt es Kanusport natürlich auch als Wettkampfsport. Das Spektrum reicht dabei von kleineren Wettkämpfen bis hin zum Hochleistungssport bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen. Im DKV gibt es derzeit die Disziplinen: Kanu-Rennsport, Kanu-Slalom, Kanu-Wildwasserrennsport, Kanu-Polo, Kanu-Drachenboot, Kanu-Segeln, Kanu-Rafting, Kanu-Freestyle, Kanu-Mehrkampf, Kanu-Marathon (22).

 

Ocean Sports

Unter „Ocean Sports“ werden Paddelsportarten verstanden, die überwiegend auf dem Meer praktiziert werden oder dort ihren Ursprung haben. So zählen hierzu insbesondere das Auslegerkanu, der Surfski und das Stand-Up Paddle (SUP) Board (23).

(16) Deutscher Kanu-Verband e.V. (o.J). Kanu-Touring. Duisburg: Deutscher Kanu-Verband e.V. Zugriff am 19.11.2019 unter: https://www.kanu.de/FREIZEITSPORT/Sportarten/Kanu-Touring-52111.html

(17) Deutscher Kanu-Verband e.V. (2019). Kanu-Wildwasser. …es wird wild. Duisburg: Deutscher Kanu-Verband e.V.

(18) Deutscher Kanu-Verband e.V. (o.J.). Wildwasser-Schwierigkeitstabelle. Duisburg: Deutscher Kanu-Verband e.V. Zugriff am 19.11.2019 unter: https://www.kanu.de/_ws/mediabase/Nuke/downloads/Schwieriegkeitsgrade.pdf

(19) Deutscher Kanu-Verband e.V. (o.J.). Kanu-Freestyle. Duisburg: Deutscher Kanu-Verband e.V. Zugriff am 19.11.2019 unter: https://www.kanu.de/WETTKAMPF/Kanu-Freestyle-52164.html

(20) Deutscher Kanu-Verband e.V. (o.J.). Küstenpaddeln. Paddeln an der Küste. Duisburg: Deutscher Kanu-Verband e.V. Zugriff am 19.11.2019 unter: https://www.kanu.de/FREIZEITSPORT/Sportarten/Kuestenpaddeln-52113.html

(21) Deutscher Kanu-Verband e.V. (o.J.). Kanu-Drachenboot. Trommelklänge und Team-Action. Duisburg: Deutscher Kanu-Verband e.V. Zugriff am 19.11.2019 unter: https://www.kanu.de/FREIZEITSPORT/Sportarten/Kanu-Drachenboot-52122.html

(22) Deutscher Kanu-Verband e.V. (o.J.). Wettkampf. Duisburg: Deutscher Kanu-Verband e.V. Zugriff am 19.11.2019 unter: https://www.kanu.de/WETTKAMPF-52157.html

(23) Deutscher Kanu-Verband e.V. (o.J.). Ocean Sports. Duisburg: Deutscher Kanu-Verband e.V. Zugriff am 19.11.2019 unter: https://www.kanu.de/WETTKAMPF/Ocean-Sports-52168.html

Kanufahren zählt zu denen Outdoorsportarten, bei denen das Naturerlebnis im Fokus steht. So sind Motive wie das psychische Wohlbefinden, Gesundheit und Fitness sowie Naturerleben wesentliche Motive bei der Ausübung (24). Beim Kanufahren kann das Naturerlebnis einen hohen Stellenwert gewinnen. Die leise und gleitende Fortbewegung auf dem Wasser ermöglicht eine intensive Naturwahrnehmung. Die besondere Perspektive von der Wasserfläche aus auf reizvolle Uferlandschaften verstärkt dieses Gefühl. Kanufahren bringt darüber hinaus auch die Möglichkeit sich pysisch auszulasten. Für Anfänger*innen auf normalen Gewässern, aber insbesondere beim Wildwasserfahren oder auf dem Meer mit starken Strömungen, Verwirbelungen und Wellengang wird die Kraft der Natur, ihre dynamische Eigenmächtigkeit, besonders erlebbar. Sowohl sportlicher Ehrgeiz als auch Kompetenzerlebnisse sind Anreize, das Kanufahren auszuprobieren. Vor allem bei den Gelegenheitspaddler*innen kann die Motivlage variieren. Einer Untersuchung im Bereich der Wiesent (Bayern), die sehr stark von Kund*innen von Bootsverleihern frequentiert wird, konnte aufzeigen, dass ein Großteil der Kanut*innen dort gemeinschaftsinteressierte Kanufahrertypen sind. Neben dem Gemeinschafterlebnis kommen viele Kanut*innen für einen Ausflug oder eine Feier her. Der Wunsch nach abwechslungsreicher Naturlandschaft ist jedoch auch bei den Gemeinschaftsinteressierten gleich stark verankert wie die soziale Komponente (25).

(24) Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (2017).Wirtschafsfsaktor Outdoorsport. Berlin: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) .

(25) Hennig, S., Riedl, N. (2012). Natursportarten verträglich ausüben. Fachzeitschrift für angewandte Ökologie, Ausgabe 44 (4): Seite 115-124

Eine spezielle Ausbildung ist im Kanusport nicht vorgeschrieben, jedoch sollten sensible Gewässer nur von Personen befahren werden, die ihr Boot sicher beherrschen. Seit 2007 gehört der DKV zur EPP-Group. Diese setzt sich für ein Kanu-Sportabzeichen ein, welches darauf abzielt, grenzüberschreitende kanutische Kenntnisse zu vergleichen, den Kanusport bewusst in der Bevölkerung zu verankern und die Grundsätze des natur- und landschaftsverträglichen Paddelns zu beachten. Von Kanu-Vereinen werden diverse Kurse angeboten. Der Europäische Paddel-Pass ist in verschiedene Level unterteilt, die Praxis ebenso wie Theoriekenntnisse erfordern. Das „Weiße Paddel“ ist die Einsteigerqualifikation und richtet sich an Personen die das erste Mal Kanusport betreiben. Zur Grundausrüstung gehören ein unsinkbares Boot, ein Paddel sowie eine Schwimmweste, die während des Fahrens immer getragen werden sollte. Im Wildwasser gehört ein Helm ebenfalls zur Grundausstattung. Eine wichtige Voraussetzung ist, dass die Kanusportler*innen schwimmen können, wobei das Schwimmen im bewegten Wasser weitaus anspruchsvoller ist als in stehenden Gewässern. Wenn Gepäck und Proviant transportiert werden, kann dieses durch wasserdichte Säcke oder Tonnen geschützt werden. Die oben genannten Regeln sollten auch im eigenen Interesse bekannt sein und befolgt werden. Kanut*innen sollten außerdem Wissen, wie man sich angemessen in der Natur verhält und Befahrungsregeln beachten (26).

(26) EPP Deutschland (2018). Europäischer Paddel-Pass Deutschland. Das Kanu Sportabzeichen. Duisburg: Deutscher Kanu-Verband.

In Deutschland bewegen sich etwa 1,3 Mio. Kanut*innen gesamthaft auf den Gewässern. Davon sind knapp 700.000 Kanut*innen auf Bundeswasserstraßen unterwegs, von denen wiederum knapp 60% mit dem eigenen Boot unterwegs sind, während die restlichen gut 40% ein Boot mieten. Kanutouristen geben im Durchschnitt 36,08 Euro pro Tag aus. Inbegriffen sind dabei die Übernachtungskosten von durchschnittlich 12,50 Euro pro Tag, wobei davon ausgegangen wird, dass Kanut*innen häufig wassernahe Jugendherbergen, Rastplätze oder Campingplätze nutzen. Ausgaben für Ausrüstung und die Anschaffung von Booten belaufen sich auf durchschnittlich 337 Euro pro Jahr. Runtergebrochen bedeutet dies Tagesausgaben von 49,10 Euro für Boot-Eigner*innen und 48,58 Euro für Kanutouristen, die ein Boot mieten. Der Bruttoumsatz im Segment Kanu beläuft sich auf 329 Mio. Euro im Jahr. Hier sind jedoch starke Unterschiede zwischen den Boot-Eigner*innen und den -Mieter*innen zu erkennen. Während die Kanut*innen mit eigenem Boot einen Bruttoumsatz von 219 Mio. Euro generieren, liegt der Wert bei den Kanumieter*innen nur bei 109 Mio. Euro. Grund dafür ist die durchschnittlich verkürzte Anzahl der Nutzungstage pro Jahr (8 vs. 10,8 Nutzungstage pro Jahr) (27).

(27) Bundesvereinigung Kanutouristik e. V. (2005). Grundlagenuntersuchung zur Bedeutung und Entwicklung des Kanutourismus in Deutschland.

Um den Schutzzweck der Natur zu wahren, gibt es seit Ende 2014 auf der unteren Wupper im Rheinisch-Bergischen Kreis Neuerungen in der Befahrungsregelung. Für die Wupper und Wupperhänge mit Seitenstreifen gilt ein Verbot aller Boote, die ohne Bootsführer*innen mit naturschutzbezogener Qualifikation (je 10 Boote bei Gruppenfahrten) unterwegs sind. Diese Qualifikation kann auf zwei Wegen erworben werden. Zum Einen wird von der Biologischen Station Mittlere Wupper ein eintägiger Lehrgang angeboten, der sich an professionelle Anbieter von Kanutouren und private Personen richtet, die Kanutouren unternehmen wollen. Inhalte des Lehrgangs werden sowohl theoretisch als auch praktisch abgehandelt. Der Kostenaufwand beträgt 20 Euro. Die zweite Möglichkeit, eine Qualifikation zu erhalten, ist die Teilnahme am ökologischen Qualifizierungslehrgang für Bootsportler*innen des DKV. Ergänzend zum Qualifikationsnachweis des DKV muss die Kenntnis über die ökologischen Besonderheiten auf der Wupper nachgewiesen werden. Die Qualifizierungsnachweise sind auf dem Boot mitzuführen. Ziel ist es den Kanusportler*innen die Besonderheiten der Flora und Fauna im Gebiet rund um die Wupper nahe zu bringen, sie für einen rücksichtsvolles Fahrverhalten und den Lebensraum der Wupper zu sensibiliseren (28).

(28) Biologische Station Mittlere Wupper (o.J.). Bootssport untere Wupper. Qualifizierungslehgänge für Bootssportler auf der Wupper. Zugriff am 15.10.2019 unter: https://www.bsmw.de/unsere-arbeitsfelder/bootssport-untere-wupper/